Ärzte Zeitung, 15.09.2016
 

E-Health-Pionier TK?

"Kein Sinn, gegen Silicon Valley anzumanagen"

Die Techniker Krankenkasse scheint das Warten auf die Telematikinfrastruktur leid zu sein: Die Kasse hat nun eine eigene elektronische Patientenakte ausgeschrieben.

BERLIN. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt nur schleppend voran: Die ersten Fristen des E-Health-Gesetzes wurden gerissen und der Medikationsplan kommt zunächst nur auf Papier. Gleichzeitig ziehen Patienten eifrig Dr. Google zurate, und die großen amerikanischen Internet- und IT-Konzerne bringen immer neue Gesundheitsanwendungen auf den Markt.

"Es macht keinen Sinn, gegen das Silicon Valley anzumanagen, wir müssen den Mut haben, etwas zu tun", sagte jetzt Dr. Andreas Meusch, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) auf dem 3. gevko-Symposium in Berlin.

Das Risiko, dass unser Gesundheitswesen bei der Digitalisierung weltweit den Anschluss verliere, sei längst greifbar. Meusch: "Ich möchte nicht, dass das Silicon Valley das Mission Control Center des deutschen Gesundheitswesens wird."

Präferenz für Server in Deutschland

Die Techniker Krankenkasse (TK) will hier selbst mit gutem Beispiel vorangehen: Die Kasse habe gerade eine elektronische Patientenakte ausgeschrieben, wie Meusch berichtete. Zwar europaweit, aber mit der klaren Präferenz für Datenserver, die in Deutschland stehen. Und zumindest innerhalb des EU-Raumes vorgehalten werden.

Durch die E-Akte werde der Patient tatsächlich vom passiven medizinischen Fall zum aktiven Player im Gesundheitswesen.

Dabei lässt sich laut Meusch das Potenzial einer E-Patientenakte erst dann voll ausschöpfen, wenn sich alle Daten – also aus der ambulanten und stationären Versorgung, Arzneimitteldaten und Daten zur Lebensqualität sowie von Fitness- und Gesundheitstrackern – zentral an einer Stelle befänden.

Man müsste es dann allerdings auch schaffen, dass sinnvolle von weniger wichtigen Daten mehr oder weniger automatisch unterschieden werden. Und dass die passenden Schnittstellen unter anderem zur Praxis-, Klinik- und Apothekensoftware ebenso wie zu den von Patienten genutzten Systemen definiert werden. (reh)

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