Ärzte Zeitung, 06.03.2009

Vernetzung vom Fahrrad bis in die Arztpraxis

Noch bis zum 8. März läuft die größte Computermesse der Welt, die CeBIT in Hannover. Auf der angeschlossenen TeleHealth können Besucher erleben, welche Vorteile vor allem chronisch Kranke haben, wenn sie telemedizinisch betreut werden.

Radeln mit Tele-Überwachung - eine Szene auf der FutureCare 2009.

Foto: dpa

Von Hauke Gerlof

Die Zukunft der Medizin - eine wirklich vernetzte Versorgung der Patienten von der Prävention über die Akutversorgung bis hin zur Fernüberwachung von chronisch Kranken - ist gar nicht mehr weit weg von der Realität. Zumindest dann nicht, wenn alle Beteiligten das wollen. Bei der CeBIT war der Wille da: Was sonst an Problemen mit den Schnittstellen scheitert, das haben fast 20 Unternehmen unter dem Dach des Herstellerverbands BITKOM während der Computermesse in Hannover auf die Beine gestellt: den Gesundheitsparcours FutureCare 2009. Mehrmals täglich können Besucher den Weg der Musterpatientin Petra Frauenrath durch die Versorgungskette eines rund um vernetzten Gesundheitswesens verfolgen.

Und das geht schon los mit der Fernüberwachung der scheinbar noch gesunden Frau beim sportlichen Fahrradfahren. Die Patientin ist über einen BlackBerry am Lenker vernetzt. Das Gerät nimmt ihre Vitalparameter (zum Beispiel Puls und Aktivität) auf und leitet diese in ihre angeschlossene Gesundheitsakte weiter, wenn sie das will. Über den Minicomputer kann die Sportlerin auch Informationen über den Weg, über Ozonwerte und über den Pollenflug einholen.

Plötzlich beginnt der Puls zu rasen

Doch plötzlich muss Petra Frauenrath - im Parcours gespielt von einer für dieses Krankheitsbild vielleicht etwas zu jungen und zu sportlichen Schauspielerin - abbrechen: Der Puls rast, ihr wird ein wenig schlecht. Nachdem sie zunächst im Internet in einer Gesundheitscommunity über den Vorfall diskutiert hat, geht sie schließlich zu ihrer Hausärztin.

Daten der Gesundheitsakte helfen bei der Diagnostik

Der Zugriff auf die Gesundheitsakte, den die Patientin ihr mit Hilfe ihrer Gesundheitskarte gewährt, erleichtert der Ärztin die Diagnose. Die ungewöhnliche Pulskurve während des Sports lässt den Verdacht auf Diabetes Mellitus aufkeimen - durch Labortests wird die Diagnose bestätigt, Petra Frauenrath ist plötzlich Chronikerin. In ihre Betreuung wird zusätzlich ein Telemedizin-Zentrum eingeschaltet. Die Gesundheitsakte leistet auch im weiteren Verlauf der Behandlung gute Dienste:

  • Bei der Einlösung eines E-Rezepts erkennt der Apotheker über den Online-Check, dass Frauenrath Diabetikerin ist und gibt daher einen Hustensaft ohne Zucker ab.
  • Die Untersuchung des Augenhintergrunds beim Augenarzt wird in der Gesundheitsakte gespeichert und steht der Hausärztin direkt zur Verfügung.
  • Aktuelle Messwerte (Zucker, Gewicht, Blutdruck) werden automatisch auch an das Telemedizin-Zentrum übertragen. Wenn etwas aus dem Ruder läuft, wird die Patientin aufgefordert, zum Arzt zu gehen. Ist Gefahr im Verzug - was bei Herzpatienten vielleicht eher vorkommt - könnte auch der Rettungsdienst informiert werden.
  • Nicht zuletzt kann Petra Frauenrath ständig die Entwicklung ihrer Werte im Internet verfolgen - eine Motivation für weitere Bemühungen.

Ist das Zukunftsmusik? Ja, schon, aber Teile davon sind schon heute realisierbar und teilweise auch realisiert - sie sind aber noch nicht die Regel. "Die Unternehmen wollten zeigen, was heute möglich ist und welche Vorteile das bringt", erläuterte Professor Harald Korb vom Telemedizin-Anbieter vitaphone der "Ärzte Zeitung" auf der CeBIT.

Schon zur Eröffnung der TeleHealth hatte der Chef des Weltunternehmens Intel, Craig Barrett, nach den Ursachen geforscht, warum die Telemedizin nicht schneller in den Alltag einzieht. Er habe mit seiner Frau eine Ranch in den USA mit 45 Pferden. Für die Tiere sei eine Gesundheitsakte längst realisiert - was eine günstige Versorgung bei hoher Qualität ermögliche. Etwas ähnliches müsse doch auch bei Menschen realisierbar sein, so Barrett.

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