Ärzte Zeitung, 19.09.2011

Kommentar

Das IQWiG für IGeL sind Patienten

Von Hauke Gerlof

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) heißen so, weil sie genau das sind: individuell. Ob ein Patient ein Screening in Anspruch nimmt, für das er selbst bezahlt, ist allein seine Entscheidung. Das wird in der Diskussion über den Sinn von IGeL oft vergessen. So auch aktuell in den Health Technology Assessments vom DIMDI.

Für Augeninnendruckmessungen gibt es keine eindeutigen Belege für einen Nutzen, heißt es. Es lägen keine verwertbaren Studien vor. Doch derjenige, der später am Grünen Star erblindet, weil die Erkrankung zu spät diagnostiziert worden ist, ist der Patient.

Das heißt aber auch, dass nur der Patient - wenn er seriös über die Risiken aufgeklärt worden ist - entscheidet, ob für ihn der individuelle Nutzen höher zu bewerten ist als der Preis, den er bezahlen soll. Insofern läuft in jedem Menschen eine persönliche Nutzenbewertung ab. Anders beim IQWiG, das aggregierte Daten über den Nutzen vieler Studienteilnehmer zur Basis seiner Bewertung macht.

Natürlich ist die Verantwortung für die Ärzte, seriös aufzuklären, hoch. Nicht alle werden dieser Verantwortung immer gerecht. Aber eine paternalistische Argumentation, die Patienten die Entscheidung abnehmen will, ist bei IGeL wirklich nicht angebracht.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
IGeL: Nutzen oder Patienten-Abzocke?

[19.09.2011, 20:37:24]
Dr. Jürgen Schmidt 
Gewitterwolken
Sowohl das DIMDI, als auch Hauke Gerlof bringen die Sache auf den Punkt:

Das DIMDI (eine dem Bundesministerium für Geusndheit unterstehende Einrichtung) belegt erneut, dass ein genereller statistischer Nutzen für Augeninnendruckmessungen nicht erwiesen ist und die Untersuchung deshalb auch nicht zu den Standardleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gehören kann.
Gerlof legt zu Recht dar, dass im Einzelfall durchaus ein erheblicher Nutzen gegeben sein kann und es im Übrigen Sache des Patienten ist, ob er sich diese IGeL leisten will.

Soweit nichts Neues.

Aber die gegen IGeL ziehenden Gewitterwolken am gesundheitspolitischen Horizont kommen näher. Schuld daran sind manche unseriösen IGeL, die angeboten und sogar propagiert werden. Die Ärztekammern wettern dagegen, pauschalisieren auch gelegentlich, aber Maßnahmen werden eben nicht ergriffen. So treiben die Dinge vor sich hin, bis die allgemeine öffentliche Stimmungslage und der Druck der Krankenkassen auch dieses Stück Freiheit eliminieren werden. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »