Ärzte Zeitung, 12.12.2016
 

Perspektiven

Niederlassung für Klinikärzte wichtige Option

Die Gründung oder die Übernahme einer eigenen Praxis ist ein Meilenstein in der beruflichen Entwicklung vieler Ärzte. Fast jeder zweite Klinikarzt spielt mit dem Gedanken, sich niederzulassen.

WIESLOCH. Traumberuf niedergelassener Arzt? Zumindest junge Krankenhausärzte (unter 45 Jahren) spielen mehrheitlich mit dem Gedanken, sich in eigener Praxis selbstständig zu machen. Das geht aus dem MLP-Gesundheitsreport hervor, einer repräsentativen Umfrage unter Ärzten und Patienten. Demnach können sich 64 Prozent der Klinikärzte dieser Altersgruppe den Schritt in die Niederlassung vorstellen. Bei den 55-jährigen und älteren Ärzten sind es nur noch gut zehn Prozent. Die Bereitschaft für eine Niederlassung ist zudem unter leitenden Ärzten wesentlich geringer als unter den Assistenzärzten. Für fast jeden zweiten Assistenzarzt, aber nur für 32 Prozent der Chef- und Oberärzte käme die Tätigkeit in einer eigenen Praxis grundsätzlich infrage. Von allen Klinikärzten denken 44 Prozent daran, sich niederzulassen.

Für die eigene Praxis sprechen laut MLP-Report "mehr Entscheidungsfreiheit" (31 Prozent der Ärzte sagen das) und "angenehme Arbeitszeiten" (22 Prozent). Als Gründe dagegen werden vor allem die "eigene Fachrichtung" (15 Prozent), das finanzielle Risiko (elf Prozent) und gesundheitliche Gründe (elf Prozent) sowie eine grundsätzliche Präferenz für das Krankenhaus (elf Prozent) angeführt.

Generell werden die Bedingungen für eine Niederlassung derzeit wegen der niedrigen Zinsen als günstig eingeschätzt. Um an eine Finanzierung zu kommen, ist es allerdings entscheidend, ein schlüssiges betriebswirtschaftliches Gesamtkonzept vorzulegen. Dabei gehe es nicht nur um die richtige Höhe des Kredits für den Kauf – sondern auch darum, wie die Tilgung im Zusammenspiel mit den laufenden Kosten und der steuerlichen Abschreibung über die Jahre gestaltet wird, so Marc-Philipp Unger, Leiter Immobilien und Finanzierung bei MLP. Dabei sollten betriebswirtschaftliche Berater eng mit Steuerberatern zusammenarbeiten, empfiehlt Unger. Es könne sich durchaus lohnen, spezielle Angebote für Ärzte zu nutzen. Auch staatliche Hilfen gelte es, einzukalkulieren und ein Liquiditätskonzept für die Tilgungsphase auszuarbeiten.

Neben den wirtschaftlichen Daten einer Praxis sei auch der Standort entscheidend. Viele junge Ärzte ziehe es in Großstädte. "Selbst wenn der Umsatz und die Patientenstruktur vielversprechend sind, die Kosten in Großstädten für Miete, Gehälter et cetera sind deutlich höher", gibt Marc-Philipp Unger zu bedenken. Weitere Einflussgrößen wie Konkurrenzsituation und Kaufkraft sind ebenfalls ausschlagegebend für den wirtschaftlichen Erfolg einer Praxis und sollten im Rahmen der Beratung berücksichtigt werden. (ger)

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