Ärzte Zeitung, 08.07.2019

Sinkende Fallzahlen, kein Personal

Krankenhäuser sehen schwarz

Jede zweite Klinik in Deutschland rechnet in diesem Jahr mit einem Defizit. Das hat eine Studie von Roland Berger ergeben.

Von Christiane Badenberg

Krankenhäuser sehen schwarz

Blick auf die Finanzen: Viele Klinikmanager erwarten keine rosigen Aussichten.

© Jürgen Fälchle / stock.adobe.com

BERLIN/HAMBURG. Die Nachricht, dass im kommenden Jahr 120 Kliniken bundesweit einen pauschalen Förderzuschuss von 400.000 Euro bekommen, damit sie die Versorgung in ländlichen Regionen besser aufrechterhalten können, wird die eher trübe Stimmung in der Kliniklandschaft kaum aufhellen.

Denn laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger rechnet fast jede zweite Klinik in Deutschland in diesem Jahr mit einem Defizit.

Im vergangenen Jahr schrieb dagegen lediglich ein Drittel Verluste. Zudem erwarten nur 65 Prozent steigende Umsätze. 2018 waren es laut Roland Berger noch 82 Prozent.

Doch am meisten Sorgen bereitet den Vorständen und Geschäftsführern der 400 größten Kliniken, die Roland Berger für die Studie befragt hat, der Fachkräftemangel.

Bundesweit wollen sie bis Ende dieses Jahres allein in der Pflege 30.000 Stellen aufbauen. Doch im vergangenen Jahr hätten lediglich 11.000 Fachkräfte eine Arbeitsstelle gesucht.

Fachkräftemangel nicht die einzige Herausforderung

Der Fachkräftemangel betreffe kleine Häuser in ländlichen Regionen genau so wie große Häuser mit Wachstumsambitionen. Bei der Suche nach Pflegepersonal setzen die Kliniken laut Roland Berger vor allem auf mehr Marketingmaßnahmen, attraktivere Konditionen, mehr Ausbildungsplätze sowie die Anwerbung ausländischer Fachkräfte.

Auf Leiharbeitskräfte und Prämienprogramme setzen die Klinikmanager eher weniger. Außerdem hoffen die Klinikmanager auf die generalistische Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege, die im nächsten Jahr beginnen soll. Kliniken hofften, auf diese Weise mehr junge Menschen für die Pflege begeistern zu können, heißt es.

Der Fachkräftemangel sei aber nicht die einzige Herausforderung für die Kliniken, sagt Peter Magunia, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger.

„Demografischer Wandel und der medizinisch-technische Fortschritt haben die Umsätze steigen lassen. Doch diese Ära des Wachstums neigt sich dem Ende entgegen. Stagnierende Fallzahlen werden den Wettbewerb deutlich intensivieren und vermehrt zu Kooperationen oder Fusionen führen“, sagt er.

Stagnierende Fallzahlen werden den Wettbewerb deutlich intensivieren und vermehrt zu Kooperationen oder Fusionen führen.

Peter Magunia Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger

Damit kommt Roland Berger mit seiner Krankenhaus-Studie zu einer ähnlichen Analyse wie kürzlich der Krankenhaus Rating Report, der vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erstellt und im Mai beim Hauptstadtkongress vorgestellt worden ist.

Laut Roland Berger haben vor zwei Jahren noch 59 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland einen Überschuss erzielt, ein Jahr später waren es nur noch 48 Prozent.

In diesem Jahr wird dieser Wert vermutlich auf 32 Prozent sinken. Eine der Hauptursachen sieht die Unternehmensberatung in der sinkenden Zahl stationär behandelter Patienten.

Mehr ambulante Operationen

Die Fallzahlen gehen vor allem zurück, weil mehr Eingriffe ambulant vorgenommen werden. Die sinkenden Zahlen setzen Krankenhausmanager zunehmend unter Kosten- und Wettbewerbsdruck. Insgesamt rechnen 81 Prozent der Klinikmanager damit, dass sich die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser weiter verschlechtern wird.

Auf die stagnierenden oder sinkenden Fallzahlen wollen 54 Prozent der Manager reagieren, in dem sie Wettbewerber vom Markt drängen, 46 Prozent setzen auf regionale Kooperationen oder Fusionen zwischen Standorten. 42 Prozent wollen ihr ambulantes Angebot erweitern.

Unzufrieden sind viele Kliniken auch mit der eigenen Investitionstätigkeit. 66 Prozent der Befragten sagten, sie investierten nicht in ausreichenden Maße. Das sind 20 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.

Alle führten das auf nicht ausreichende Fördermittel zurück, 84 Prozent auf unzureichende Einnahmen aus dem laufenden Betrieb. 22 Prozent der Befragten sahen keine Möglichkeit, Kredite zu refinanzieren.

Lesen Sie dazu auch:
Millionen-Fördertopf: 400.000 Euro Zuschlag für 120 Kliniken

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

„Wir müssen die Hamsterräder anhalten“

Es gibt in Deutschland ausreichend Ärzte, findet Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni in Frankfurt. Welche Kernprobleme er sieht und wie die Versorgung verbessert werden kann, verrät er im Interview mit der "Ärzte Zeitung". mehr »

Thermometer aus der Blase gezogen

Mitunter verschwinden Gegenstände versehentlich in der Blase, manche stecken sich bewusst Besenstiele oder Fische ins Organ. Urologen konnten nun ein Thermometer über die Harnröhre eines Mannes entfernen – ganz ohne Op. mehr »

Wichtige Impfungen für Mekka-Pilger

Weit über 10.000 Bundesbürger nehmen jedes Jahr an der Pilgerfahrt nach Mekka teil. Ärzte sollten bei diesen Patienten speziell auf den Impfschutz achten. mehr »