Ärzte Zeitung online, 07.10.2019

Work Life Balance

Mediziner können Arbeit seltener selbst einteilen

Beschäftigte im Gesundheitswesen haben nach Auskunft der Bundesregierung immer weniger Einfluss auf die Gestaltung ihres Arbeitsalltags. Das hat nicht zu unterschätzende Folgen.

Von Margarethe Urbanek

191a1601_8529751-A.jpg

Viel zu tun: Mitarbeiter in Gesundheitsberufen haben immer weniger Handlungsspielraum bei der Gestaltung ihres Arbeitstages.

© Inti St. Clair / stock.adobe.com

BERLIN. Die Möglichkeiten zur eigenen Einteilung und Gestaltung der Arbeit sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Besonders betroffen von sinkenden Handlungsspielräumen am Arbeitsplatz sind Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

In ihrer Antwort stützt sich die Bundesregierung auf Erwerbstätigenbefragungen in den Jahren 2006, 2012 und 2018 des Bundesinstituts für Berufsausbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Insgesamt berichten 64 Prozent der abhängig Beschäftigten im Jahr 2018 davon, dass sie ihre Arbeit häufig selbst planen und einteilen konnten. Im Vergleich zu 2012 (67 Prozent) und 2006 (68 Prozent) ist dieser Anteil also nur leicht gesunken.

Wenig Handlungsspielraum

Deutlich eingeschränkter ist der Handlungsspielraum für Beschäftigte in medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen. Hier geben mittlerweile nur 54 Prozent der Beschäftigten an, häufig Einfluss auf ihre Arbeitsplanung zu haben. Zum Vergleich: 2006 waren es noch knapp 66 Prozent.

Mehr Einfluss haben die Beschäftigten auf Ihre Pausenzeiten. Knapp 48 Prozent der Beschäftigten in medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen gibt an, Einfluss auf die Pausengestaltung zu nehmen (Alle Beschäftigten: 62 Prozent). Hinzu kommt, dass Gesundheitsberufler mit den Jahren weniger Einfluss auf die ihnen zugewiesene Arbeitsmenge haben: Rund 32 Prozent in 2006 stehen 25 Prozent in 2018 gegenüber.

Belastende Unflexibilität

Alarmierende Zahlen für die Gesundheitsbranche, die ohnehin vom Fachkräftemangel betroffen ist. Denn die fehlenden Freiheiten im Arbeitsalltag werden von den Beschäftigten als immer stärkere Belastung empfunden, wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht. 2018 gab immerhin ein Viertel der Beschäftigten, die nie Einfluss auf die Arbeitsmenge haben, an, sich dadurch belastet zu fühlen (2012: 21 Prozent).

Die Linken-Abgeordnete Jessica Tatti, die die Anfrage gestellt hatte, sagte der Deutschen Presseagentur, für Beschäftigte sei ein starkes Mitbestimmungsrecht nötig. Beschäftigte, die Einfluss auf die Arbeitsplanung und das Arbeitspensum hätten, seien nicht nur zufriedener, sondern auch gesünder.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »