Geschlechtsangleichung

Eine herausfordernde Phase

Veröffentlicht:

Hamburg. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mittlerweile in Deutschland einer von 5000 Patienten transident ist. Er fühlt sich somit nicht dem gefühlt richtigen Geschlecht zugehörig. Wie der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin sowie Kinder-Endokrinologie am endokrinologikum in Hamburg, Dr. Achim Wüsthof, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ resümiert, treten die geschlechtsbezogenen Identitätskrisen in immer jüngeren Jahren auf, zeichne sich der Wunsch nach Geschlechtsangleichung schon im Pubertätsalter ab. Wie er betont, erfolgten – die in jedem Falle irreversiblen – Op in der Regel nicht vor dem 18. Lebensjahr des Patienten. Das sei auch mit Bedenken der Eltern begründet, das Kind könne die Entscheidung später einmal bereuen. Gelegentlich ließen sich aber Transjungen die Brust ab dem Alter von 16 Jahren entfernen.

Auf jeden Fall stellten die geschlechtsangleichenden Maßnahmen, die sich über einen langen Zeitraum mit Hormonbehandlung und Op erstreckten, eine zusätzliche Belastung für den Patienten dar, die ärztlicherseits viel Empathie einfordere.

Eine große Hürde im Umfeld der transidenten Patienten stelle die deutsche Bürokratie dar. So führt der bisherige offizielle Weg zur Namens- und Personenstandsänderung, welche auch die Grundlage für eine entsprechende geänderte Krankenversichertenkarte ist, laut Wüsthof über die Amtsgerichte. Diese lassen dann psychologische Gutachten über die Transidentität erstellen, die mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen. Belastend sei aber auch die im Regelfall lange gerichtliche Prozessdauer.

In der Transitionszeit können die transidenten Patienten auf Antrag bei der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) einen Ergänzungsausweis erhalten. Dieser enthält laut dgti alle selbst gewählten personenbezogenen Daten, sowie ein aktuelles Passfoto, sodass keine Diskrepanz zwischen den Papieren und der Person bestehen bleibe. Seine Dreisprachigkeit in Deutsch, Französisch und Englisch ermögliche die Verwendung auf Reisen ins Ausland. Der Ergänzungsausweis werde in der Regel bei Kontrollen anerkannt, so die dgti. Einige Kassen ändern nach Wüsthofs Erfahrung aber auch den Vornamen auf der Versichertenkarte auf Wunsch des Patienten, bereits vor einer offiziellen Namensänderung.

Er geht derweil einen anderen Weg, um die Prozedur zu verkürzen. Er stelle den betreffenden Patienten ein ärztliches Attest aus, in dem er den transidenten Patienten bescheinigt, bei ihnen liege eine iatrogen induzierte Variante der Geschlechtsentwicklung vor. Dies würde in 90 Prozent der Fälle für eine Namens- und Personenstandsänderung anerkannt. (maw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Antibiotic Stewardship

So lassen sich Antibiotika-Verordnungen im Praxisalltag reduzieren

Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2025

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hofft, dass das BMG mit der Prüfung des Kompromisses zur GOÄneu im Herbst durch ist (Archivbild).

© picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Novelle der Gebührenordnung für Ärzte

BÄK-Präsident Reinhardt: Die GOÄneu könnte 2027 kommen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)

Übersicht

Eine Agenda für Seltene Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Shared Decision Making ist gerade bei der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen ein wichtiges Versorgungsprinzip. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

Seltene Erkrankungen

Was auch Patienten tun können

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Patient mit juckendem Ausschlag: Irrwege bis zur richtigen Diagnose

Lesetipps
Eine Frau sitzt vor ihrem Laptop und leidet unter einer Hitzewallung

© Diane Diederich / Getty Images / iStock

Cochrane-Review

Wechseljahre: Das sind die Vorteile und Risiken der oralen Hormontherapie

Nur noch Kerzen erleuchten die Fenster eines Wohnhauses in Berlin. Nach dem Brand einer Kabelbrücke sind im Südwesten tausende Haushalte und Betriebe ohne Strom.

© Carsten Koall/dpa

Update

Praxen im Südwesten betroffen

Wieder Stromausfall in Berlin: Kollege Sommer berichtet von seinen Erfahrungen

Eine Frau hält ihrem bettlägerigen Mann die Hand.

© openlens / Stock.Adobe.com

Fünf Szenarien durchgespielt

Was bei einem palliativmedizinischen Notfall Priorität hat