Kommentar – Die Gesundheit der Ärzte

Ärzte ohne Grenzen?

Es ist eine schlichte Wahrheit: Auch Ärzte sind Menschen – und die können krank werden. Der Ärztetag setzt hier das richtige Signal.

Von Rebekka Höhl Veröffentlicht: 29.05.2019, 17:00 Uhr

Auch wir dürfen krank werden!“ Die Hausärztin und Niedersachsens Kammervize, Marion Renneberg, bringt es auf den Punkt. Ärzte müssen lernen, offener über ihre körperlichen Grenzen zu sprechen. Sie müssen aber auch lernen, schneller Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die schlichte Wahrheit: Auch Ärzte sind Menschen. Wenn nur 150 Ärzte pro Jahr Interventionsprogramme für Suchtkranke beanspruchen, obwohl Schätzungen von Tausenden Ärzten ausgehen, die von Sucht betroffen sind, dann läuft etwas falsch.

Der Deutsche Ärztetag hat eine kluge Entscheidung getroffen und in diesem Jahr endlich ein offenes Forum für die ärztliche Gesundheit geschaffen.

Auch deshalb, weil das Motto „Ärzte ohne Grenzen“ nicht nur bei den Medizinern selbst tief verankert ist. Ärzte in der Rolle des Patienten, des Hilfesuchenden – man muss es leider ehrlich sagen: Das will unsere Gesellschaft bislang nicht wahrhaben.

Im Gegenteil: Rund-um-Sorglos- und Vollkasko-Mentalitäten fordern den Gesundheitsberufen immer mehr ab. Das wird in der Versorgung noch getoppt von einer zunehmenden Aggressivität gegenüber den „Helfern“.

Gut, dass der Ärztetag in Münster da ein starkes Gegensignal aussendet!

Lesen Sie dazu auch: Eigene Gesundheit: Ärzte fordern Arbeitsschutz zu selten ein

Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Ärztinnen und Ärzte sind nicht grenzenlos belastbar - Deutscher Ärztetag sendet richtige Signale

Konterkariert wird das durch die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). So fordert z. B. die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in ihrem aktuellen "KVWL kompakt" 5/2019 https://www.kvwl.de/mediathek/kompakt/pdf/2019_05.pdf
eine totale "Erreichbarkeit in sprechstundenfreien Zeiten: In den Zeiträumen vor und nach der Sprechstunde und insbesondere in der Mittagspause muss der Vertragsarzt seine Erreichbarkeit so organisieren, dass er in dringenden Fällen für die Patientenversorgung persönlich zur Verfügung steht."

Dieses Diktat permanenter Erreichbarkeit und totaler Verfügbarkeit, unabhängig von administrativ-bürokratischen, praxis-spezifischen, persönlichen, privaten, kulturellen, rekreativen, sozialpsychologisch bzw. biologisch zwingend notwendigen Alltags-Verrichtungen und Aktivitäten führt zu menschenunwürdigen, Pausen- und Arbeitszeiten missachtenden Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Burn-out, Erschöpfung, innere Emigration, Frustration, Depression, Deprivation, Verlust bio-psycho-sozialer Reflexions- und Schwingungsfähigkeit, Achtungs- und Aufmerksamkeitsdefizite sind unmittelbare Folgen.

Diese bahnen den Weg zu psycho-physischen Dekompensationen, chronischen Krankheitsentitäten, Genuss- und Substanzmittel-Missbrauch.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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