Deutscher Krebskongress

Jens Spahn: Mit gesundem Lebensstil gegen Krebs

Gesundheitsminister Jens Spahn will Präventionsgesetz vorlegen und Gesundheitsdaten besser nutzen – allerdings nicht nach chinesischem Vorbild. Ein Schritt, der auch zu weniger Krebserkrankungen führen soll.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht: | aktualisiert:
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Eröffnung des Deutschen Krebskongresses 2020: Gesundheitsdaten sollen künftig stärker für die onkologische Forschung genutzt werden können, kündigte er an.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Eröffnung des Deutschen Krebskongresses 2020: Gesundheitsdaten sollen künftig stärker für die onkologische Forschung genutzt werden können, kündigte er an.

© berlin-event-foto.de

Berlin. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gab sich zur Eröffnung des 34. Deutschen Krebskongresses ganz staatsmännisch. Die Menschen im Lande interessiere irgendwie ja schon, „wer was wird“, streifte Spahn, der den Spitzenposten seiner christdemokratischen Partei anstrebt, am Mittwochmittag in Berlin die aktuelle Personaldebatte in der Union. In erster Linie gehe es ihnen aber um Lösungen für den Alltag, die einen Unterschied machten.

Tabak, Alkohol, Bewegungsmangel: Experten schätzen, dass gut ein Drittel der Krebs-Neubildungen in Deutschland lebensstilbedingt ist. Eine Lösung dafür will der Minister bereits im Sommer anbieten: Beim „gesamtgesellschaftlichen Ansatz eines neuen Präventionsgesetzes“ würden die Bereiche Ernährung und Bewegung ganz besonders akzentuiert.

Ab Mitte des Jahres könnten sich die Bürger zudem auf einem Pilotportal der Bundesregierung zu Gesundheitsthemen neutral und unabhängig informieren, was die Gesundheitskompetenz stärken soll.

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Europäische Perspektive achten

Gesundheitsdaten sollen künftig stärker für die onkologische Forschung genutzt werden können, kündigte Spahn an. „Ich will aber keinen chinesischen Ansatz“, schränkte Spahn ein. Der Sammelwut des chinesischen Staates stehe er skeptisch gegenüber.

Er wolle aber auch nicht, dass alle Forschungsfortschritte aus China kämen, weil nur dort alle Daten uneingeschränkt der Forschung zugute kämen. Deshalb sei es sinnvoll, an dieser Stelle die europäische Perspektive einzunehmen.

Mit einheitlichen Regeln zur Nutzung von Versorgungsdaten in Europa, gefördert aus dem Haushalt der EU, schaffe man ein europäisches Gemeinschaftsgut, von dem alle Bürger der 27 teilnehmenden Staaten profitieren könnten.

Vier Maßnahmen zur Krebsprävention

„Wir sind von einer optimalen Versorgung noch weit entfernt“, sagte Dr. Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe, die gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) den Deutschen Krebskongress ausrichtet. Krebsmedizin lebe von der vitalen Kommunikation von Forschern und Ärzten rund um den Globus. Hier gebe es Nachholbedarf.

Pleitgen forderte weitere Investitionen in die Krebsforschung. 500 .000 Neubildungen in Deutschland jedes Jahr seien „eine unerträglich hohe Zahl“. Alleine durch Prävention könnten 40 Prozent der Krebsneuerkrankungen vermieden werden.

Dafür werde von den Menschen lediglich mehr Sport, ausgewogene Ernährung, Verzicht aufs Rauchen und maßvoller Alkoholkonsum gefordert. Da so auch Kreislauferkrankungen und sogar Depressionen eingedämmt würden, lägen die gesellschaftlichen Erträge über den Investitionen, die nun anstünden.

Fehlende Vernetzung onkologischer Strukturen

DKG-Präsident Professor Olaf Ortmann erinnerte zur Kongresseröffnung an den historischen Beginn der Krebsregister und die Ursprünge der Krebsgesellschaft. Am 18. Februar 1900 hätten Ärzte in Berlin das „Comité für Krebssammelforschung“ gegründet. Mit den Spitzenzentren, den onkologischen Zentren und den Organzentren seien in der jüngeren Vergangenheit die Komponenten einer auch international als herausragend und nachahmenswert empfundenen Versorgung etabliert.

„Jetzt muss die Rate der in den Zentren behandelten Patienten gesteigert werden“, legte Ortmann den Finger in die Wunde. Hauptdefizit sei die fehlende Vernetzung der Strukturen.

Rund 10 .000 akkreditierte Teilnehmer verzeichnete der Deutsche Krebskongress bereits am ersten Kongresstag. Bis Samstag seien 382 Sitzungen im wissenschaftlichen Programm, 1339 Vorträge, zehn Plenarsitzungen und auch virtuelle Tumorkonferenzen geplant, berichtete Kongresspräsident Professor Andreas Hochhaus.

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