BÄK im Dialog

Spahn fordert Code of Conduct für Gesundheitsdaten in Europa

Das Digitale-Versorgung-Gesetz steht kurz vor der Verabschiedung. Die Bundesärztekammer bekennt sich zu ihrer zentralen Verantwortung im Digitalisierungsprozess.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 17.10.2019, 16:34 Uhr
Spahn fordert Code of Conduct für Gesundheitsdaten in Europa

Jens Spahn bei der Bundesärztekammer: „Man muss sich darüber unterhalten, ob Daten nicht auch auf europäischen Servern liegen können.“

© GEORG LOPATA

Berlin. Die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung steckt voller Zumutungen für die Ärzte. Das ist auch Gesundheitsminister Jens Spahn bewusst. „Die elektronische Patientenakte (ePA) wird nicht von Anfang an perfekt sein“, stimmte der Minister die Ärzte bei einer Veranstaltung in Berlin auf Übergangsprobleme ein.

Zum Dialog über „Die Vertrauensfrage in der digitalen Medizin“ hatte die Bundesärztekammer am Donnerstag eingeladen. Spahn war eigens aus der Bundestagssitzung zum Veranstaltungsort geeilt, um sich den Fragen der Ärzte zu stellen. Dass in die Digitalisierung nun mehr Zug als in den vergangenen 15 Jahren kommen soll, begründete der Minister damit, dass die „bisherigen Entscheidungsstrukturen in der Selbstverwaltung keine Fortschritte zugelassen“ hätten. Er hoffe, dass sich die Ärzte „emotional, innerlich“ mit der mehrheitlichen Übernahme der gematik abfinden könnten, und damit, dass man „konstruktiv in die Sacharbeit kommt“. Immerhin bekomme das Gesundheitswesen in Deutschland nun als erstes Land verschreibungs- und erstattungsfähige Apps.

Datensicherheit sei kein Rechtsetzungsproblem, betonte Spahn. Ärzte müssten die Wartung ihrer IT-Einrichtungen in den Praxen professionalisieren. Beim Datenschutz kündigte Spahn eine Initiative an, eigens für Gesundheitsdaten einen Code of Conduct für die Datenschutzgrundverordnung zu entwickeln. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 sollen diese Fragen am besten gleich auf eine europäische Ebene gehoben werden. „Datenspeicherung passiert“, sagte Spahn.

Wenn jemand sich per WhatsApp über eine Krankheit austausche, würden diese Informationen auf immer in einem US-amerikanischen Server abgelegt. Man müsse sich darüber unterhalten, ob das künftig nicht wenigstens auf deutschen oder europäischen Speichermedien möglich werden könne. Der Minister räumte ein, dass es für ihn nicht den Untergang des Abendlandes bedeute, wenn gespeicherte Daten in einem positiven Sinne genutzt würden, um zu helfen. Digitale Kompetenz müsse eine Rolle in der ärztlichen Approbationsordnung spielen, sagte Spahn. Alle Ausbildungsverordnungen der Gesundheitsberufewürden derzeit darauf abgeklopft.

Welche App ist vertrauenswert?

Ärzte hätten das Gefühl, vor der Digitalisierung wie vor einem kaum zu überwindenden Berg zu stehen, sagte Dr. Sebastian Kuhn, Oberarzt und Leiter des Reformprojekts „Medizin im digitalen Zeitalter – Digitale Kompetenzen für Ärzte und Medizinstudierende“. Tatsächlich stelle der bevorstehende massenhafte Einsatz von Apps in der Versorgung eine Herausforderung dar. „Es gibt bislang keine vertrauenswürdige Ressource, wo man sich über Apps informieren kann“, sagte Kuhn. Das liege daran, dass der Nutzennachweis erst im realen Betrieb erbracht werden solle. Das strapaziere das Verständnis von Ärzten für die neuen Möglichkeiten.

„Wir müssen uns mit Mehraufwand beim Implementieren von Apps in den ärztlichen Arbeitsalltag arrangieren“, sagte Erik Bodendieck, Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Digitalisierung der Versorgung“.

Die Ärzte müssten Verantwortung und Vertrauen als Kernelemente der Arzt-Patienten-Beziehung in die digitale Medizin hinüberretten. Das berufsdefinierende Motto „primum non nocere“ gelte auch unter den Bedingungen der digitalen Welt, betonte BÄK-Vorstand Dr. Peter Bobbert.

Gleichwohl wolle man den digitalen Wandel nicht erdulden, sondern mitgestalten, hatte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt eingangs gesagt. Die Digitalisierung nach vorne zu bringen entwickele sich zunehmend zu einer ärztlichen Position.

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