COVID-19-Pandemie

Aerosol-Forscher zu Corona: „Drinnen lauert die Gefahr“

Aerosol-Fachleute wenden sich an Politiker und fordern Gehör für ihre Forschung zu Corona. So seien eine MNS-Pflicht draußen und nächtliche Ausgangssperren wenig sinnvolle Symbolpolitik. Hilfreich wären andere Maßnahmen.

Veröffentlicht:
Aerosolforscher wie Dr. Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, warnen Politiker vor symbolischen Corona-Maßnahmen.

Aerosolforscher wie Dr. Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, warnen Politiker vor symbolischen Corona-Maßnahmen.

© dpa

Berlin. Führende Aerosolforscher aus Deutschland fordern von der Politik einen Kurswechsel bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. „Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert“, heißt es in einem Brief an die Bundesregierung und an die Landesregierungen, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Es gilt als sicher, dass sich das Coronavirus vor allem über Luft verbreitet.

„Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt“, kritisieren die Verfasser. In Wohnungen, Büros, Klassenräumen, Wohnanlagen und Betreuungseinrichtungen müssten Maßnahmen ergriffen werden. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnen sie. Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder Radfahren seien hingegen kontraproduktiv.

Maske am Flußufer eher Symbolpolitik

Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen an Alster und Elbe in Hamburg etwa seien eher symbolischer Natur und ließen „keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten“, schreiben die Experten. SARS-CoV-2-Erreger würden fast ausnahmslos in Innenräumen übertragen. Im Freien sei das äußerst selten, im Promille-Bereich. Hierauf sollten die begrenzten Ressourcen nicht verschwendet werden, heißt es in dem Brief. Auch würden im Freien nie größere Gruppen – sogenannte Cluster – infiziert, wie das in Innenräumen etwa in Heimen, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten zu beobachten sei.

Auch die Ausgangssperren versprechen aus Sicht der Wissenschaftler mehr als sie halten können. „Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen“, schreiben sie. „In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen.“ Mit Ausgangsbeschränkungen will die Politik verhindern, dass sich Menschen zeitweise überhaupt treffen.

Mehr Maßnahmen in Innenräumen

Stattdessen empfehlen die Autoren mehrere Maßnahmen wie Treffen in Innenräumen so kurz wie möglich zu gestalten, mit häufigem Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien zu schaffen, effektive Masken in Innenräumen zu tragen sowie Raumluftreiniger und Filter überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen – etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen.

„Die Kombination dieser Maßnahmen führt zum Erfolg“, heißt es weiter. „Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück.“ Zu den Unterzeichnern zählen der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Dr. Christof Asbach, Generalsekretärin Dr. Birgit Wehner und der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Dr. Gerhard Scheuch. (dpa)

Mehr zum Thema

Hautverletzung

Balanceakt zwischen Wundheilung und Bakterienabwehr

Wirkstoff der sogenannten Zauberpilze

Alkoholsucht: Eventuell weniger Rückfälle mit Psilocybin

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Aerosol-Forscher können uns einiges über meßbare Schwebeteilchen in der Luft mitteilen; und deren technischer Entfernung aus belasteter Raumluft.
Die Virologen, voran Herr Drosten -"Chefvirologe" der Charite´Berlin-, haben uns zunächst die Banalität verkündet, dass Corona-Virus als erklärte Erreger von Atemwegs-Infekten, über Husten und Nießen verbreitet werden können. Nicht aber, dass unser aller stiller Atem -ohne Hustenstöße- lediglich aus feuchtwarmer Luft und dem Stoffwechselprodukt CO2 besteht; und bei Symptomlosen auch k e i n e infektiöse Viruslast absondert!
Das alleine ist schon Grund genug, Schul-und Versammlungsräume von dem sedierenden Gasgemisch alle Stunde zu lüften.
Jedenfalls hat erst die absurde, ubiquitär angststiftende Drosten´sche Hypothese vom infektiösen (stillen Corona-) Atem offensichtlich weltweit das Pandemos zum erstaunlichen Masketragen nach asiatischem Vorbild, und gegenseitiger Ansteckungs-Psychose, geführt. - - -
Dabei ist doch honorigen Virologen und Infektiologen seit langem bekannt, dass Corona-Virus schon im normalen UV-Tageslicht als leblose RNA-Nanozellpartikel extrakorporal im Freien unverzüglich zerstört/ inaktiviert werden. . .Deshalb müssen Pneumologen die atembehindernde Maskerade an der frischen Luft sowieso für unnütz oder sogar schädlich betrachten.Und für Innenräume helfen auf die gleiche Weise "desinfizierend" Beleuchtungskörper, die einen UV- Tageslicht-Anteil emittieren. Das findet schon lange in Nutz- und Versuchstierhaltungen aus hygienischen Gründen seine Anwendung!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Hygieniker), Rostock

Prof. Dr. Ingo Heberlein

In Schleswig-Holstein muss man auch auf Seebrücken MNS tragen. Diese und vergleichbare Maßnahmen sind wie ein Nachweis dafür, dass es auch nach einem Jahr Pandemie eine Politik gibt, die sich nicht strikt auf wissenschaftliche Grundlagen stellt. Das heißt auch, dass empirisch fundiert entschieden wird. Epidemien werden nicht am Mikroskop und auch nicht am Computer bekämpft, sondern mit risikostratifzierten Vorgehensweisen. Wer immer noch davon ausgeht, die Infektionsgefahr sei homogen im Volk überall gleich, hängt einem Köhlerglauben an. Es gilt auch hier in etwa die 80/20 Regel. Die Schließung des Einzelhandels bei gleichzeitigem Gewährenlassen des produzierenden Gewerbes zeigt deren Umkehrung.

Dr. Thomas Georg Schätzler

POLITIK IN D BEGREIFT ES NICHT!
Entscheidend ist, wo trotz AHA-Regeln die meisten Infektionen passieren, Ressourcen nicht auf Promille von Ansteckungsgefahren im Freien verschwenden. Sechs Regeln zur Infektionsvermeidung:
1.) Infektionen finden in Innenräumen und engen Außenkontakten statt. Möglichst Wenige außerhalb des eigenen Haushaltes dort treffen. In Innenräumen sind Ansteckungen ohne direkten Kontakt möglich, wenn Infektiöse kurz vorher in schlecht belüfteten Räumen waren.
2.) Zeiten der Treffen/Aufenthaltszeiten in Innenräumen so kurz wie möglich.
3.) Häufiges Stoß- oder Querlüften nähert sich dem Aufenthalt im Freien.
4.) Effektive Masken (Chir./FFP2/FFP3/N95) in Innenräumen zielführend. Maskentragen in Fußgängerzonen, um dann im eigenen Wohnzimmer Kaffeetafeln ohne Maske abzuhalten, ist nicht infektionsvermeidend. Dichtsitz der Maske ist für die Effektivität ebenso wichtig wie die Abscheideeffizienz des Materials.
5.) Raumluftreiniger/Filter installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten (Wohnheime, Schulen, Unis, Alten-/Pflegeheime, Betreuungseinrichtungen, Büros, Firmen, Gewerbe, Fabriken).
6.) Je größer Hallen und Räume bzw. weniger Besucher, desto geringer die Ansteckungsgefahr. Theater, Konzerte, Veranstaltungen, Gottesdienste müssen in großen, gut gelüfteten Hallen bzw. optimal/optional als Open-Air stattfinden (Bearbeitet nach einem Offenen Brief von Aerosolforschern in Deutschland).
Bereits am 21.7.2020 schrieb ich zur Publikation "Contact Tracing during Coronavirus Disease Outbreak, South Korea, 2020" von Young Joon Park et al.
https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/26/10/20-1315_article
"dass der Schulschließungs-bedingte, nahezu 24-stündige Aufenthalt mit Zusammensein im Haushalt besonders in der Altersgruppe der Zehn- bis Neunzehn-Jährigen für die Infektiosität und Verbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen den höchsten Risikofaktor darstellt".
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/28473-haushalt-gefaehrlichster-ort-oder
Mf+kG, Dr. Schätzler

Ulrich Pohl

Erfreulich das sich die Ärtzezeitung auch mal nicht regierungskonforme aber wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gegen die von der Regierung gewünschten Meinungen leistet.
MNS im Freien ist absoluter Blödsinn solange man nicht mindestens 30 Min Face to Face eng gengenüber steht

Dr. Thomas Georg Schätzler antwortete

Lieber Ulrich Pohl,
wenn Sie unbedingt Ihre Behauptung: "MNS im Freien ist absoluter Blödsinn solange man nicht mindestens 30 Min Face to Face eng gengenüber steht" in die Welt setzen wollen, sollten Sie das zumindest ansatzweise, z. B. mit Literaturangaben, belegen können.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Impfzentrum der Marke Eigenbau in Peine.

© Dr. Lars Peters

COVID-19-Impfung im früheren Getränkemarkt

Hausarzt richtet Corona-Impfzentrum ein – auf eigene Kosten

IT-Sicherheit in der Praxis: Als „die Atemschutzmaske des Computers“ titulierte der Heidelberger Cyberschutz-Auditor Mark Peters die Firewall.

© Michaela Schneider

Cyberschutz für Arztpraxen

Vom Passwort als Desinfektionsmittel