Schlaganfall

Akutsituation im Griff – und was kommt danach?

Für die Nachsorge von Patienten nach zerebralem Insult muss mehr getan werden: So lautet eine zentrale Forderung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zum Welt-Schlaganfall-Tag am 29. Oktober.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:
Akutsituation im Griff – und was kommt danach?

© Christoph Pueschner/Zeitenspiegel Stiftung Dt. Schlaganfall-Hilfe

BERLIN. Jährlich erleiden rund 250.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Professor Armin Grau, 3. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen, verwies bei einer Pressekonferenz der DSG zum Welt-Schlaganfall-Tag auf das in Deutschland an sich sehr hohe Niveau der Versorgung für betroffene Patienten. Das Angebot an Stroke Units sei flächendeckend, es gebe eine hohe Dichte interventionell tätiger Neuroradiologen für mechanische Thrombektomien, und zudem seien Rehabilitationskliniken neben den Einrichtungen für die Akutversorgung engmaschig über das Land verteilt.

Grau sieht freilich Mängel in der Zeit nach der Reha: "Zur längerfristigen Sicherung des Behandlungserfolges besteht keine strukturierte und qualitätsgesicherte Weiterversorgung in unserem Land." Hier geht es nicht nur um körperliche Beeinträchtigungen und Sturzgefahr, Rezidivschlaganfälle und Herzinfarkte. Es geht auch um psychische Folgen: Angstzustände, Depressionen und Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit. "Rund zehn Prozent der Schlaganfallpatienten entwickeln eine Demenz in den Monaten nach einem Schlaganfall", so Grau. Und, so Grau: Rund 30 Prozent der Patienten entwickeln im ersten Jahr nach einem Schlaganfall eine Angststörung oder eine Depression.

Welch drängendes Problem gerade Depressionen von Patienten nach einem Zerebralinsult darstellen, hat soeben eine Studie beleuchtet, die pünktlich zum Welt-Schlaganfall-Tag in der Oktoberausgabe des Journals "JAMA Psychiatry" (2016; 73: 1032–1040) erschienen ist. Als besonders depressionsanfällig erwiesen sich Insultpatienten während der ersten drei Monate nach dem Hirnschlag. Hier lag das Risiko fast neunfach höher als in einer Vergleichsgruppe ohne Insult. Danach ging das Risiko zurück, im zweiten Jahr der Nachbeobachtung lag es nur noch knapp doppelt so hoch. Größte Risikofaktoren für die Entwicklung einer Depression nach einem Schlaganfall waren die Insultstärke und eine früher schon einmal gestellte Depressionsdiagnose.

Depressionen hatten einen gehörigen Einfluss auf die Mortalität von Patienten nach zerebralem Insult. Die Diagnose einer Depression erhöhte das Sterberisiko, verglichen mit jenem von Insultpatienten ohne Depression, in den zwei Jahren nach dem Schlaganfall um 89 Prozent.

Um die Nachsorge nach Schlaganfällen insgesamt zu verbessern, fordert die DSG ein die Sektoren und berufsgruppen-übergreifendes Konzept. Ein wesentliches Element dafür sieht die DSG in regionalen Schlaganfallnetzen mit Koordinator und spezialisierter Pflegekraft – einer Stroke Nurse –, in denen die Kommunikation zwischen allen Ärzten und Therapeuten koordiniert und für eine leitliniengerechte Therapie gesorgt wird. Solche Netze will die DSG erproben und hat eigenen Angaben zufolge bereits einen Antrag dazu im Rahmen des Innovationsfonds gestellt.

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