Direkt zum Inhaltsbereich

Allergische Rhinitis plus Asthma: Asthmamedikation hält beides in Schach

Allergische Rhinitis und Asthma sind verschiedene Ausprägungen derselben systemischen Erkrankung und treten deshalb häufig gemeinsam auf. In diesem Fall gibt es bei der Therapie einige Besonderheiten zu beachten.

Von Adela Žatecky Veröffentlicht:
Die Saison der Hasel- und Erlenpollen hat bereits begonnen. Sie sind häufige Auslöser einer allergischen Rhinitis. © Fred / fotolia.com

Die Saison der Hasel- und Erlenpollen hat bereits begonnen. Sie sind häufige Auslöser einer allergischen Rhinitis. © Fred / fotolia.com

© Fred / fotolia.com

In Deutschland leiden etwa 21 Prozent der Bevölkerung unter einer allergischen Rhinitis, stellt Professor Claus Bachert aus Krefeld in einer Zusammenfassung der aktualisierten Leitlinien der WHO-Initiative "Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma" (ARIA) fest (Allergologie (32, 2009, 306). Und bis zu 40 Prozent der Rhinitis-Patienten haben zusätzlich Asthma. Umgekehrt haben über 80 Prozent der Asthmatiker gleichzeitig Rhinitis-Symptome.

Sind sowohl untere als auch obere Atemwege von der allergischen Systemerkrankung betroffen, sollte in der Therapie eine aufeinander abgestimmte Strategie angestrebt werden, heißt es in der ARIA-Akualisierung. Generell wirkt sich nach heutiger Studienlage die Behandlung bei allergischer Rhinitis auch auf ein gleichzeitig bestehendes Asthma aus, und unter mancher Asthmatherapie bessert sich auch die Rhinitis.

Rhinitis-Arzneien wirken nur mäßig auf Asthma

Die unterschiedlichen Therapieansätze haben hier durch die Komorbidität eine andere Wertigkeit. So hat die nasale Applikation von Kortikosteroiden allenfalls eine mäßige Wirkung auf ein bestehendes Asthma. Dagegen reduziert die bronchiale Steroid-Inhalation auch die Eosinophilen-Zahl in der Nasenschleimhaut. Orale Antihistaminika reduzieren zwar Nasen- und Augensymptome bei Rhinokonjunktivitis, sind aber gegen Asthmabeschwerden allenfalls marginal effektiv und werden daher in der Asthmatherapie nicht empfohlen.

Der Leukotrien-Antagonist Montelukast hingegen verringerte in Studien bei Patienten mit saisonaler Rhinitis und Asthma die Nasen- sowie auch die Lungensymptomatik. Asthmapatienten mit gleichzeitig bestehender Rhinitis profitieren nachweislich überproportional von der Montelukast-Therapie.

Auch rekombinantes Anti-IgE (Omalizumab) besserte bei Patienten mit Asthma und allergischer Rhinitis sowohl die nasalen als auch die bronchialen Symptome, sollte aber nach derzeitigem Stand der Empfehlungen nur bei schwerem Asthma angewendet werden. Bei alleiniger allergischer Rhinitis ist Omalizumab hingegen nicht indiziert.

Für die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie (SIT) bei Rhinitis und allergischem Asthma besteht heute genügend Evidenz - dadurch werden sowohl eine immunologische als auch eine klinische Toleranz induziert. Die SIT verbessert nachweislich die Lebensqualität und kann auch das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. So werden bei monosensibilisierten Kindern mit allergischer Rhinitis durch die subkutane Immuntherapie sowohl die Entstehung neuer Sensibilisierungen als auch der Etagenwechsel zum Asthma verhindert. Auch Asthmatiker mit intermittierendem oder geringgradig persistierendem Asthma sowie Patienten mit gut kontrolliertem Asthma können von einer subkutanen Immuntherapie profitieren.

Bei schwerem Asthma ist Immuntherapie nicht ratsam

Diese sei zwar kein Ersatz für eine ausreichende antiasthmatische Therapie, sie reduziere jedoch Asthmasymptome und Medikamentenverbrauch, heißt es in der neuen S2-Leitlinie zu allergischer Rhinitis (Allergo J 18, 2009, 508). Allerdings raten die meisten Asthma-Leitlinien bei schwerem und unkontrolliertem Asthma wegen des Risikos schwerer bronchialer Reaktionen von einer SIT ab. Zunehmend wird die SIT auch als sublinguale Immuntherapie (SLIT) eingesetzt - dafür stehen sowohl Tropfenlösungen als auch Tabletten zur Verfügung.

Die Studienlage ist hier aber nicht so eindeutig positiv wie bei der subkutanen Applikation und macht eine Einzelbewertung pro Präparat notwendig, so Bachert. Und: Effekte der SLIT auf den Langzeitverlauf der allergischen Erkrankung seien nach der bisherigen Datenlage wahrscheinlich.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Für wenige Hundert Euro im Jahr

Warum Ärzte über eine Cyberversicherung nachdenken sollten

Lesetipps
An Asian senior man’s hand relax on the bed side while sleeping

© Reagan Liew Zhi Sin / Getty Images / iStock

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt

Nahaufnahme wie ein Dermatologe die Muttermale des Patienten mit einem Dermatoskop untersucht.

© Andrej Zhernovoj / stock.adobe.com

Vergleich mit Dermatologen

Künstlich intelligente Melanom-Diagnostik scheint verlässlich