Direkt zum Inhaltsbereich

Als Frühchen überlebt - als junger Erwachsener nochmal gefährdet

Ein Start als Frühchen kann offenbar auch noch Erwachsenen zum Verhängnis werden. In einer Studie wurde bei 18- bis 36-Jährigen ein Zusammenhang zwischen Geburtswoche und Sterblichkeit nachgewiesen.

Veröffentlicht:
Neugeborene brauchen viel Schutz und Fürsorge, zumal wenn sie zu früh zur Welt kamen - denn das kann eine Hypothek fürs Leben sein.

Neugeborene brauchen viel Schutz und Fürsorge, zumal wenn sie zu früh zur Welt kamen - denn das kann eine Hypothek fürs Leben sein.

© reflektastudios / fotolia.com

NEU-ISENBURG (MUC / St). Eine Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche erhöht im Vergleich mit reif geborenen Kindern nicht nur das Mortalitätsrisiko bei den Kleinsten, sondern auch noch im frühen Erwachsenenalter.

Dies ergab eine Kohortenstudie, in der die Daten von über 600.000 Personen ausgewertet wurden. Sie waren in Schweden zwischen den Jahren 1973 und 1979 geboren worden.

7096 Personen starben im Studienzeitraum von 36 Jahren

Insgesamt 4,1 Prozent dieser Kinder waren mit einem Gestationsalter weniger als 37 Wochen zur Welt gekommen (22. bis 27. Woche: 0,03 Prozent; 28. bis 33. Woche: 0,8 Prozent; 34. bis 36. Woche: 3,3 Prozent).

8,6 Prozent der Frühchen waren jedoch vor dem ersten Lebensjahr gestorben. Während der gesamten Beobachtungszeit starben 7095 Personen.

Auch das frühe Erwachsenenalter scheint eine kritische Phase für tödliche Spätfolgen zu sein

Durch den langen Studienzeitraum von 36 Jahren zeigte sich, dass mit dem Überwinden der ersten Hürden nach einer Frühgeburt noch nicht alle Gefahren gebannt sind. Nicht nur die ersten Lebensjahre sind entscheidend, sondern auch das frühe Erwachsenenalter erwies sich als kritische Phase für tödliche Spätfolgen.

Im Vergleich zu den termingerecht geborenen Teilnehmern war sowohl in der Gruppe der 1- bis 5-Jährigen als auch bei den 18- bis 36-Jährigen ein signifikanter linearer Zusammenhang zwischen Gestationsalter und Mortalität erkennbar.

Keine signifikanten Unterschiede im Alter zwischen 6 und 17 Jahren

Dabei steigerte jede Woche, die die 1- bis 5-Jährigen länger im Bauch der Mutter verbracht hatten, den Überlebensvorteil um etwa 8 Prozent.

Während in den Altersgruppen der 6- bis 12-Jährigen und der 13- bis 17-Jährigen keine signifikanten Unterschiede erkennbar waren, wurde dieser Vorteil in der Gruppe der jungen Erwachsenen mit jeweils vier Prozent pro Gestationswoche wieder deutlich.

Mortalitätsrate bei den "reifsten" Früchchen im Vergleich zu "Termingeborenen" auch erhöht

Selbst bei den "reifsten" Frühchen, die zwischen der 34. und der 36. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen waren, zeichnete sich in den beiden "sensiblen" Altersgruppen im Vergleich zu den "Termingeborenen" eine deutlich erhöhte Mortalitätsrate ab: bei den 1 - bis 5-Jährigen um 50 Prozent, bei den 18- bis 36-Jährigen immerhin noch um 30 Prozent.

Dabei waren am häufigsten angeborene Anomalien, respiratorische und endokrine Erkrankungen mit den Todesfällen assoziiert. Bei den 18- bis 36-Jährigen kamen kardiovaskuläre Erkrankungen hinzu.

Über Langzeitfolgen wenig bekannt

Nicht zuletzt wegen der immer besseren medizinischen Versorgung von Frühgeborenen überleben immer mehr Kinder einen zu frühen Start ins Leben. Über die Langzeitfolgen, die diese Menschen bis ins Erwachsenenalter begleiten, ist bislang wenig bekannt.

Um so wichtiger sei es, diese Auswirkungen weiter zu untersuchen, schreiben die Autoren. Selbst noch bei Erwachsenen, die zu früh geboren wurden, müsse man sorgfältig auf mögliche Spätschäden achten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Therapie je nach Risiko

Akute Lungenembolie: Was die optimale Therapie ausmacht

Wirksame Prophylaxe

Nirsevimab: Antikörper schützt Säuglinge nur eine Saison vor RSV

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Barrieren abbauen

Menschen mit Behinderung in der Praxis: Kleine Stellschrauben, große Wirkung

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen

Lesetipps
Viren schweben über Kot.

© Shawon / Generated with AI / Stock.adobe.com

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen