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Bestätigt

Androgenentzug erhöht kardiovaskuläres Risiko

Bei Männern mit einem Prostatakarzinom, die zur Androgendeprivation GnRH-Agonisten erhalten, ist das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich erhöht. In einer aktuellen Studie wird dieser Zusammenhang bestätigt. Das Risiko war am höchsten innerhalb des ersten halben Jahres nach Behandlungsbeginn, wenn die Betroffenen bereits wenigstens ein kardiovaskuläres Ereignis in dem Jahr vor Beginn der Entzugsbehandlung gehabt hatten.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Schema einer Prostatabiopsie unter transrektaler Ultraschallkontrolle.

Schema einer Prostatabiopsie unter transrektaler Ultraschallkontrolle.

© Bilderzwerg / fotolia.com

LONDON. Bereits vor fünf Jahren wurden schwedische Daten zum Zusammenhang zwischen Androgenentzugstherapie und kardiovaskulären Erkrankungen bei Männern mit Prostatakrebs vorgestellt.

Die Grundlage waren damals die Befunde von 76.000 Männern. Es ergab sich zwar ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei allen Männern mit Prostatakrebs im Vergleich zur übrigen Bevölkerung, am höchsten war es jedoch bei denen mit einer Androgendeprivation (Hazard Ratio [HR] 1,32.

Wie Dr. Sean O`Farrell und seine Kollegen vom King‘s College in London berichten, waren unter anderem die Ergebnisse dieser Studie Anlass für die US-Aufsichtsbehörde FDA, Informationen zu GnRH-Agonisten mit der Warnung vor einem erhöhten Risiko für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzinfarkt, plötzlicher Herztod und Schlaganfall) zu versehen.

Mehr als 41.300 Studienteilnehmer

In ihrer aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler das kardiovaskuläre Risiko von mehr als 41.300 schwedischen Männern mit einem Prostatakarzinom und einer Androgenentzugsbehandlung (J Clin Oncol 2015; 33(11): 1243-1251).

Mehr als 10.600 Patienten erhielten im Zeitraum zwischen 2006 und 2012 ein Antiandrogen, fast 7800 nur einen GnRH-Agonisten und mehr als 18.100 einen GnRH-Agonisten plus Schutz vor Flare-Phänomen sowie ungefähr 1000 Teilnehmer eine kombinierte Androgenblockade.

Bei fast 3750 Patienten wurde eine Orchidektomie vorgenommen. Etwa 14.800 Männer hatten eine Hochrisikoerkrankung, definiert als T3-Stadium mit/ohne Gleason-Score zwischen 8 und 10 mit/ohne PSA-Wert zwischen 20 und 50 ng/ml.

Knapp 10.900 Patienten hatten bereits Fernmetastasen. Als Kontrollgruppe dienten mehr als 187.700 Männer ohne Prostatakrebs.

Je nach Art der Behandlung war das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen im Vergleich zur Kontrollgruppe unterschiedlich hoch. So lag der HR-Wert insgesamt betrachtet bei Patienten, die mit GnRH-Agonisten behandelt wurden, bei 1,21, was einer Steigerung des relativen Risikos um 21 Prozent entspricht.

In der Gruppe der Patienten mit chirurgischer Kastration lag der HR-Wert bei 1,16. Patienten unter Antiandrogentherapie hatten ein verringertes kardiovaskuläres Risiko (HR: 0,87).

Kritisch ist das erste halbe Jahr

Deutlich höhere Risikowerte errechneten die Wissenschaftler, wenn sie auf das erste halbe Jahr nach Beginn der Androgendeprivation fokussierten.

In diesem Zeitraum betrugen die HR-Werte in der GnRH-Gruppe 1,91 - also ein fast verdoppeltes kardiovaskuläres Risiko - , wenn die Patienten im Jahr vor Therapiebeginn ein kardiovaskuläres Ereignis durchgemacht hatten.

In der Antiandrogengruppe lag der Wert bei 1,60 und bei Männern mit Orchidektomie bei 1,79.

Der Zusammenhang ist unklar

Nach Angaben von O`Farrell und seinen Kollegen ist noch immer unklar, wie es durch die Androgenentzugstherapie zu einer Erhöhung des kardiovaskulären Risikos kommt.

Eine Erklärung könne sein, dass der kardioprotektive Effekt des Testosterons wegfalle.

Eine andere Möglichkeit sei, dass es über eine Immunreaktion zur Plaquedestabilisierung komme, und zwar durch T-Zellen, die GnRH-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche tragen.

Nicht zuletzt stünden niedrige Androgenspiegel mit erhöhten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen in Zusammenhang, namentlich erhöhte LDL-, Triglyzerid- und Insulinspiegel im Blut.

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