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Stammzellen

Ansatz für psychisch Kranke

Psychische Erkrankungen stellen Forscher vor besondere Herausforderungen. Hoffnungen setzen sie unter anderem auf induzierte pluripotente Stammzellen.

Veröffentlicht:

BERLIN. Aktuelle Entwicklungen in der Stammzellenforschung eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung von Patienten mit psychischen Erkrankungen. Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) versprächen, die Wissenschaft schon bald einen entscheidenden Schritt weiterzubringen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zu ihrem Kongress in Berlin mit.

Forscher setzen große Hoffnung auf iPS, um den Zusammenhang zwischen Genen und Erkrankungsursachen besser zu verstehen. iPS werden ja aus Hautzellen, Haarzellen oder Blutproben psychisch erkrankter Menschen gewonnen und mithilfe genetischer Methoden reprogrammiert.

"Ziel ist es, anhand dieser von einem individuellen Patienten stammenden Zellen untersuchen zu können, wie sich Krankheitsfaktoren auf die Biologie der Nervenzellen auswirken. In einem nächsten Schritt sollen so Wirkstoffe entwickelt und getestet werden, die dem Erkrankungsprofil optimal entsprechen - also ein Schritt in Richtung personalisierte Medizin in der Psychiatrie", wird DGPPN-Vorstandsmitglied Professor Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim in der DGPPN-Mitteilung zitiert.

Intensive Forschung nötig

Die iPS-Zelltechnologie ist aber nur einer von vielen Ansätzen in der psychiatrischen Grundlagenforschung. Vielversprechend seien zum Beispiel auch die aktuellen Erkenntnisse im Bereich der Biomarker und in der Verwendung sogenannter "big data" - das heißt, in der Routineversorgung anfallender Daten, aus denen Rückschlüsse über therapeutische Möglichkeiten gewonnen werden. Diese könnten die Weiterentwicklung individualisierter und optimierter Therapien wesentlich befördern, so die DGPPN.

Bis die neuen Therapieansätze bei den Patienten in Deutschland ankämen, seien Jahre intensiver und kontinuierlicher Forschung nötig.

Mit den Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung (DZG) habe die Bundesregierung ein Instrument geschaffen, das sich zur strukturellen Förderung auch auf dem so wichtigen Bereich der Erforschung der seelischen Gesundheit über die Lebensspanne eignet.

Daher sollte nach Ansicht der DGPPN in dieser Initiative auch ein Deutsches Zentrum für psychische Erkrankungen (DZP) eingerichtet werden: Die erfolgreiche Projektförderung des Bundes im Bereich der psychischen Störungen müsste in ein DZP münden, in dem mehrere Partnerstandorte in Deutschland nachhaltig strukturell gefördert werden, um ihre jeweiligen Kompetenzen einzubringen, so Meyer-Lindenberg.

Offenen Umgang mit Abhängigkeitserkrankungen gefordert

Auf dem DGPPN-Kongress in Berlin forderten Suchtexperten auch einen offenen Umgang mit Abhängigkeitserkrankungen und passgenaue Versorgungsangebote für Betroffene. Suchtkranke hätten in Deutschland nach wie vor mit großen Vorurteilen zu kämpfen.

Viele Betroffene versuchten, ihre Sucht zu verbergen und verzichteten dadurch auf eine frühe Hilfe. Neben dem gesellschaftlichen Stigma stoßen sie zusätzlich auf Barrieren im Gesundheitswesen.

Sucht sei keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit, die im Gehirn nachgewiesen werden kann", wird Professor Falk Kiefer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, von der DGPPN zitiert. (eb)

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