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Bakteriurie

Antibiotika-Therapie auch bei Patienten ohne Symptome?

Wenn ein Patient Baktieren mit dem Urin ausscheidet, aber keine Symptome einer Harnwegsinfektion zeigt - sollte er dann trotzdem mit Antibiotika behandelt werden? Zwei US-Fachleute haben diese Frage jetzt prägnant beantwortet.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Test auf Bakteriurie: Schwangere mit positivem Ergebnis sind auch bei Symptomfreiheit zu behandeln.

Test auf Bakteriurie: Schwangere mit positivem Ergebnis sind auch bei Symptomfreiheit zu behandeln.

© Raths / fotolia.com

CLEVELAND. Schwangere und Patienten vor invasiven urologischen Eingriffen sollten einem Screening einschließlich Kultur auf asymptomatische Bakteriurie (ab 100 000 KBE/ml im Mittelstrahl) unterzogen und bei positivem Ergebnis mit Antibiotika behandelt werden.

Diese Empfehlung der Infektiologin Dr. Michelle Hecker und des Geriaters Dr. Curtis Donskey, beide von der Case Western Reserve University in Cleveland, findet sich auch in der deutschen Leitlinie zu Harnwegsinfektionen.

Schwangere sind höherem Risiko ausgesetzt

Die Gründe dafür liegen einerseits im höheren Risiko bakteriurischer Schwangerer, an einer Pyelonephritis zu erkranken oder ein Kind mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt zu bringen.

Andererseits können Patienten mit Bakteriurie nach Eingriffen eine Bakteriämie oder gar eine Sepsis entwickeln.

Doch wie ist mit den anderen Patienten zu verfahren, bei denen eine Bakteriurie festgestellt wird? Die Prävalenz eines solchen Befundes erreicht beträchtliche Höhen: von 1-5 Prozent bei gesunden Frauen vor der Menopause und 9-27 Prozent bei Diabetikerinnen über 15-50 Prozent bei Menschen in Pflegeeinrichtungen, 28 Prozent bei dialysepflichtigen Patienten bis hin zu praktisch 100 Prozent der Patienten 30 Tage nach Legen eines Dauerkatheters.

Hecker und Donskey fassen ihre Ratschläge hierzu in vier Punkten zusammen (Cleveland Clinic Journal of Medicine 2014; 81: 721):

  • Screening auf und Therapie von asymptomatischen Bakteriurien ist, wie oben erwähnt, ratsam für Schwangere und Patienten, denen urologische Eingriffe mit erheblichen Schleimhautverletzungen bevorstehen.
  • Die Studienautoren empfehlen kein Screening auf und keine Therapie von asymptomatischen Bakteriurien bei prämenopausalen, nicht schwangeren Frauen; bei Frauen mit Diabetes mellitus; bei älteren Personen in Langzeit-Pflegeeinrichtungen; bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen; bei Patienten mit Dauerkatheter.
  • Patienten, deren Beschwerden klar anderen Ursachen zugeordnet werden können, benötigen keine Urinkultur. Wird dennoch eine Kultur angelegt und ist sie positiv, ist keine Behandlung erforderlich.
  • Der Befund einer Pyurie (mindestens 5-10 Leukozyten pro Hauptgesichtsfeld) hilft nicht, zwischen symptomatischer und asymptomatischer Bakteriurie zu unterscheiden.
  • Von sich aus stellt eine Pyurie keinen Grund dar, eine Urinkultur anzulegen oder bei positiver Kultur zu behandeln, denn bei asymptomatischer Bakteriurie tritt häufig eine Pyurie auf, ebenso bei anderen entzündlichen Erkrankungen des Urogenitaltrakts.
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