Pädiatrie

Antikörper der Mutter schützen nur drei Monate gegen Windpocken

BASEL (hub). Der Nestschutz Neugeborener vor Windpocken durch Antikörper der Mutter ist nur kurz. So sind sechs Monate nach der Geburt im Serum keine Antikörper gegen Windpocken mehr nachweisbar. Für die Impfpraxis hat das aber noch keine Konsequenzen.

Veröffentlicht: 20.06.2006, 08:00 Uhr

Bei 240 Kindern im Alter bis zu 16 Monaten haben Professor Ulrich Heininger und seine Kollegen vom Kinderkrankenhaus der Universität Basel in der Schweiz die Antikörper-Titer gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV) im Serum bestimmt (Vaccine 24, 2006, 3258).

Neun von zehn Säuglingen im Alter bis zu drei Monaten hatten positive Antikörper-Titer gegen das Windpocken-Virus. Im Alter von drei bis sechs Monaten hatte nur noch etwa ein Drittel der Kinder (38 Prozent) Antikörper gegen das VZV. Bei Kindern über sechs Monaten waren keine Antikörper-Titer nachweisbar. Vier Kinder über zwölf Monate mit Antikörpern gegen VZV waren zuvor an Windpocken erkrankt.

"Die Ergebnisse zeigen eine hohe humorale Immunität gegen Varizellen in den ersten drei Lebensmonaten durch erworbene maternale Antikörper", so die Forscher. Die Immunität nimmt danach drastisch ab und ist bei Kindern über sechs Monaten nicht mehr nachweisbar.

Heininger und seine Kollegen folgern aus den Ergebnissen, daß eine Impfung gegen Windpocken bereits ab sechs Monaten erfolgreich sein könnte. Diese Impfungen wird bisher ab dem 11. Monat empfohlen. Hauptgrund: Bei Impfungen mit Lebendimpfstoffen, etwa gegen Windpocken, Masern, Mumps und Röteln, können bekanntlich noch vorhandene Antikörper von der Mutter die Vakzine inaktivieren.

"Die bisherigen Ergebnisse aus Antikörperstudien haben bereits dazu geführt, daß der Impfzeitpunkt vom 14. auf den 11. Monat vorverlegt wurde", so Heininger zur "Ärzte Zeitung". Ob künftig vor dem neunten Monat mit Lebendvakzinen geimpft wird, sieht Heininger kritisch, da die Serokonversionsraten im Alter von sechs bis neun Monaten geringer seien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vertrauen in die Impf-Empfehlungen!

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