Direkt zum Inhaltsbereich

Antikörper der Mutter schützen nur drei Monate gegen Windpocken

BASEL (hub). Der Nestschutz Neugeborener vor Windpocken durch Antikörper der Mutter ist nur kurz. So sind sechs Monate nach der Geburt im Serum keine Antikörper gegen Windpocken mehr nachweisbar. Für die Impfpraxis hat das aber noch keine Konsequenzen.

Veröffentlicht:

Bei 240 Kindern im Alter bis zu 16 Monaten haben Professor Ulrich Heininger und seine Kollegen vom Kinderkrankenhaus der Universität Basel in der Schweiz die Antikörper-Titer gegen das Varizella-Zoster-Virus (VZV) im Serum bestimmt (Vaccine 24, 2006, 3258).

Neun von zehn Säuglingen im Alter bis zu drei Monaten hatten positive Antikörper-Titer gegen das Windpocken-Virus. Im Alter von drei bis sechs Monaten hatte nur noch etwa ein Drittel der Kinder (38 Prozent) Antikörper gegen das VZV. Bei Kindern über sechs Monaten waren keine Antikörper-Titer nachweisbar. Vier Kinder über zwölf Monate mit Antikörpern gegen VZV waren zuvor an Windpocken erkrankt.

"Die Ergebnisse zeigen eine hohe humorale Immunität gegen Varizellen in den ersten drei Lebensmonaten durch erworbene maternale Antikörper", so die Forscher. Die Immunität nimmt danach drastisch ab und ist bei Kindern über sechs Monaten nicht mehr nachweisbar.

Heininger und seine Kollegen folgern aus den Ergebnissen, daß eine Impfung gegen Windpocken bereits ab sechs Monaten erfolgreich sein könnte. Diese Impfungen wird bisher ab dem 11. Monat empfohlen. Hauptgrund: Bei Impfungen mit Lebendimpfstoffen, etwa gegen Windpocken, Masern, Mumps und Röteln, können bekanntlich noch vorhandene Antikörper von der Mutter die Vakzine inaktivieren.

"Die bisherigen Ergebnisse aus Antikörperstudien haben bereits dazu geführt, daß der Impfzeitpunkt vom 14. auf den 11. Monat vorverlegt wurde", so Heininger zur "Ärzte Zeitung". Ob künftig vor dem neunten Monat mit Lebendvakzinen geimpft wird, sieht Heininger kritisch, da die Serokonversionsraten im Alter von sechs bis neun Monaten geringer seien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vertrauen in die Impf-Empfehlungen!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Medikalisierung und Desinformation

Wie Social Media elterliche Entscheidungen prägt

Das könnte Sie auch interessieren
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Medikalisierung und Desinformation

Wie Social Media elterliche Entscheidungen prägt

Lesetipps
Harnwegsinfekt bei einem Mann

© anut21ng Stock / stock.adobe.com

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf

Ein Säugling liegt auf dem Rücken auf einem Bett. Die Hände der Mutter streichen sachte über den Bauch des Kindes.

© Aurora Aesthetics / Generated with AI / Stock.adobe.com

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?