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Brustkrebs

Auch das Risiko für Schilddrüsenkrebs ist erhöht

Brustkrebs erhöht das Risiko für einen Zweittumor in der Schilddrüse - aber offenbar auch umgekehrt. Anhand der Ergebnisse einer Metaanalyse von seit 1966 veröffentlichten Studien konnten US-Wissenschaftler das auch beziffern. Das Risiko für ein differenziertes Schilddrüsenkarzinom ist demnach bei Brustkrebspatientinnen höher als bisher gedacht.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
In der Studie hatten Frauen mit Brustkrebs ein um 55 Prozent höheres Risiko, auch noch an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, als die übrige Bevölkerung. Brustkrebs:

In der Studie hatten Frauen mit Brustkrebs ein um 55 Prozent höheres Risiko, auch noch an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, als die übrige Bevölkerung. Brustkrebs:

© AlexRaths / iStock / Thinkstock

CHICAGO. Seit 1966, als erstmals über eine mögliche Verbindung zwischen Brust- und Schilddrüsenkrebs berichtet worden war, ist es nicht gelungen, die Assoziation zu bestätigen. Inzwischen sind sehr viele Studien und Untersuchungen dazu gemacht worden.

Von mehr als 2800 Publikationen, in denen sich Wissenschaftler mit Zweitmalignomen bei Brust- beziehungsweise Schilddrüsenkrebs beschäftigt haben, konnten nun Wissenschaftler um Dr. Sarah M. Nielsen von der Universität Chicago 19 Studien mit Brustkrebspatientinnen und 18 Studien mit Patienten, die primär an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt waren, für ihre Metaanalyse verwenden.

Befunde von 45.000 Patientinnen

Es wurden dabei Befunde von fast einer Million Frauen, die primär an Brustkrebs, und von fast 45.000 Patientinnen, die primär an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt waren, ausgewertet (Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2016; 25: 231-138).

Der Beginn mancher Studien reichte bis zum Jahr 1934 zurück. Das längste mediane Follow-up lag bei 14,5 Jahren. Die Studien waren vor allem in USA und Europa, allen voran in Frankreich gemacht worden.

Der Auswertung der Studiendaten zufolge hatten Frauen mit Brustkrebs ein um 55 Prozent höheres Risiko, auch noch an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, als die übrige Bevölkerung (Odds Ratio [OR]: 1,55; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,44 und 1,67).

Bei Patienten mit einem Schilddrüsenkarzinom errechneten Nielsen und ihre Kollegen eine OR von 1,18 (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,09 und 1,26).

Worauf jeweils der Zusammenhang beruht, ist noch nicht geklärt. Nielsen und ihre Kollegen vermuten eher einen pathophysiologischen Zusammenhang als etwa einen Verzerrungseffekt, der beim Screening entsteht. So hätten zum Beispiel unter anderem Tierversuche gezeigt, dass Östradiol die Entstehung und Progression von Schilddrüsenkarzinomen fördert.

Östrogene förderten wahrscheinlich die Entstehung von Brust- oder Schilddrüsenkrebs als sekundäres Malignom, so die Wissenschaftler.

Zudem gebe es Hinweise, dass das Hypophysenhormon TSH sowohl die Entstehung von Brust- als auch von Schilddrüsenkrebs als primäres wie als sekundäres Malignom fördert. Nicht zuletzt könnte Übergewicht für die Karzinogenese von Bedeutung sein, weil es mit erhöhten Östrogenspiegeln einhergeht.

Auch wenn die Zusammenhänge noch nicht geklärt sind, plädieren Nielsen und ihre Kollegen dafür, dass Ärzte vor allem adipöse Brustkrebspatientinnen über das erhöhte Schilddrüsenkarzinomrisiko informieren und sie zur Gewichtsreduktion ermuntern sollten. Bei Frauen mit einem Schilddrüsenkarzinom ohne Risikofaktoren für Brustkrebs könne ein früherer Beginn der Mammografie, zum Beispiel bereits mit 40, erwogen werden.

Genmutationen aufdecken!

Schließlich haben nach Angaben der Wissenschaftler Populationsstudien ergeben, dass bei der Entstehung des jeweiligen Zweitmalignoms die betroffenen Frauen noch jung waren. Bekanntlich erkranken Patienten mit einer genetischen Suszeptibilität für ein Karzinom bereits in jungen Jahren.

Als Verdachtskandidaten haben sich in den letzten Jahren vor allem die Gene PTEN, SDHx und KLLN herausgestellt. Die Suppressorgene sind bereits als Verursacher des Cowden-Syndroms bekannt, das unter anderem mit Adenomen in der Schilddrüse einhergeht.

Sequenzierungen des kompletten Exoms, also aller Genabschnitte, die den Bauplan für Proteine enthalten, könnten schließlich weitere pathophysiologisch bedeutsame Mutationen aufdecken.

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