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Bei Hepatitis C sind psychiatrische Symptome häufig

MÜNCHEN (ku). Die Erfolgsraten der Therapie bei Hepatitis-C-(HCV)-Infektion konnten durch die Einführung der pegylierten Interferone je nach HCV-Genotyp erheblich gesteigert werden. Der Optimierung der Behandlung dient es, auch die bei Patienten mit HCV-Infektion häufig auftretenden neuropsychiatrischen Symptome zu berücksichtigen.

Veröffentlicht: 06.04.2006, 08:00 Uhr

Patienten mit einer chronischen Hepatitis C, die unbehandelt sind, haben häufiger psychiatrische Symptome als die Normalbevölkerung. Die Prävalenz von Depressionen erreicht in der Gesamtbevölkerung bis zu 12 Prozent, bei HCV-Patienten liegt sie bei 23 bis 44 Prozent.

Angststörungen, unter denen sechs Prozent der Bevölkerung leiden, sind bei 15 bis 37 Prozent der HCV-Patienten anzutreffen. Fatigue - mit 11 bis 45 Prozent schon in der Gesamtbevölkerung häufig - kommt bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion vor.

Drogenanamnese schließt eine antivirale Therapie nicht aus

Auch bei Patienten, die gleichzeitig mit HCV und HIV infiziert sind, kommen Persönlichkeitsakzentuierungen, psychiatrische Erkrankungen und Drogenprobleme verbreitet vor, sagte Privatdozent Dr. Martin Schäfer aus Essen bei einem Symposion des Unternehmens Hoffmann-La Roche zu den Münchner Aids-Tagen.

Die möglicherweise lebensrettende Therapie mit pegyliertem Interferon alfa-2a (Pegasys®) plus Ribavirin (Copegus®) sollte auch Patienten mit Drogenanamnese nicht vorenthalten werden. Zwar gelten das Bestehen einer Depression trotz antidepressiver Therapie, aktueller Mißbrauch von Kokain oder Drogen, die intravenös appliziert werden, und aktueller Alkoholabusus als psychiatrische Kontraindikationen gegen eine antivirale Therapie.

Bei HCV-Patienten mit Suchtproblemen, die sich nach mindestens sechsmonatiger Drogenabstinenz in einem stabilen Substitutionsprogramm befinden, sollte nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen eine HCV-Therapie erwogen werden.

Weil auch während der Interferon-Therapie psychiatrische Symptome auftreten können, empfahl Schäfer auf einem Symposium der Hoffmann-La Roche AG vor Therapiebeginn eine somatische und neuropsychiatrische Basisdiagnostik, bei der auch psychosoziale Problemfelder eruiert werden sollten.

Aufklärung über unerwünschte Wirkungen des Interferons

Wenn dann eine Interferon-Therapie begonnen wird, müsse insbesondere ab der fünften Woche auf neuropsychiatrische Symptome geachtet werden. Patient und eventuell auch die Bezugspersonen müssen frühzeitig nach Schlafstörungen, innerer Unruhe, Reizbarkeit, Depression, Rückzug, Fatigue, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen gefragt werden. Gegebenenfalls könne eine Begleitmedikation mit Psychopharmaka eingeleitet werden, so Schäfer.

Gegen die Schlafstörungen könnten Zaleplon, Zoplicon oder Zolpidem, also Wirkstoffe mit geringerem Abhängigkeitspotential als die Benzodiazepine, gegeben werden. Symptome der Depression könnten mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) bekämpft werden.

Ein Effekt der SSRI-Therapie sei schon nach etwa zwei Wochen festzustellen, so Schäfer. Er empfahl auch eine affektive Stabilisierung der Patienten durch Verordnung eines SSRI zwei bis vier Wochen vor Beginn der HCV-Therapie.

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