Bei Hepatitis C sind psychiatrische Symptome häufig

MÜNCHEN (ku). Die Erfolgsraten der Therapie bei Hepatitis-C-(HCV)-Infektion konnten durch die Einführung der pegylierten Interferone je nach HCV-Genotyp erheblich gesteigert werden. Der Optimierung der Behandlung dient es, auch die bei Patienten mit HCV-Infektion häufig auftretenden neuropsychiatrischen Symptome zu berücksichtigen.

Veröffentlicht:

Patienten mit einer chronischen Hepatitis C, die unbehandelt sind, haben häufiger psychiatrische Symptome als die Normalbevölkerung. Die Prävalenz von Depressionen erreicht in der Gesamtbevölkerung bis zu 12 Prozent, bei HCV-Patienten liegt sie bei 23 bis 44 Prozent.

Angststörungen, unter denen sechs Prozent der Bevölkerung leiden, sind bei 15 bis 37 Prozent der HCV-Patienten anzutreffen. Fatigue - mit 11 bis 45 Prozent schon in der Gesamtbevölkerung häufig - kommt bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion vor.

Drogenanamnese schließt eine antivirale Therapie nicht aus

Auch bei Patienten, die gleichzeitig mit HCV und HIV infiziert sind, kommen Persönlichkeitsakzentuierungen, psychiatrische Erkrankungen und Drogenprobleme verbreitet vor, sagte Privatdozent Dr. Martin Schäfer aus Essen bei einem Symposion des Unternehmens Hoffmann-La Roche zu den Münchner Aids-Tagen.

Die möglicherweise lebensrettende Therapie mit pegyliertem Interferon alfa-2a (Pegasys®) plus Ribavirin (Copegus®) sollte auch Patienten mit Drogenanamnese nicht vorenthalten werden. Zwar gelten das Bestehen einer Depression trotz antidepressiver Therapie, aktueller Mißbrauch von Kokain oder Drogen, die intravenös appliziert werden, und aktueller Alkoholabusus als psychiatrische Kontraindikationen gegen eine antivirale Therapie.

Bei HCV-Patienten mit Suchtproblemen, die sich nach mindestens sechsmonatiger Drogenabstinenz in einem stabilen Substitutionsprogramm befinden, sollte nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen eine HCV-Therapie erwogen werden.

Weil auch während der Interferon-Therapie psychiatrische Symptome auftreten können, empfahl Schäfer auf einem Symposium der Hoffmann-La Roche AG vor Therapiebeginn eine somatische und neuropsychiatrische Basisdiagnostik, bei der auch psychosoziale Problemfelder eruiert werden sollten.

Aufklärung über unerwünschte Wirkungen des Interferons

Wenn dann eine Interferon-Therapie begonnen wird, müsse insbesondere ab der fünften Woche auf neuropsychiatrische Symptome geachtet werden. Patient und eventuell auch die Bezugspersonen müssen frühzeitig nach Schlafstörungen, innerer Unruhe, Reizbarkeit, Depression, Rückzug, Fatigue, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen gefragt werden. Gegebenenfalls könne eine Begleitmedikation mit Psychopharmaka eingeleitet werden, so Schäfer.

Gegen die Schlafstörungen könnten Zaleplon, Zoplicon oder Zolpidem, also Wirkstoffe mit geringerem Abhängigkeitspotential als die Benzodiazepine, gegeben werden. Symptome der Depression könnten mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) bekämpft werden.

Ein Effekt der SSRI-Therapie sei schon nach etwa zwei Wochen festzustellen, so Schäfer. Er empfahl auch eine affektive Stabilisierung der Patienten durch Verordnung eines SSRI zwei bis vier Wochen vor Beginn der HCV-Therapie.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Zum Jahresstart

Das ändert sich 2026 für Praxen

Lesetipps
Eine ältere Frau ist gestürzt und liegt auf dem Boden.

© Rawpixel.com / stock.adobe.com

Gebrechliche Patienten

Hüft-Operation bei Herzpatienten: Wie sich Risiken minimieren lassen

Ein Arbeiter formt ein Metallschild mit der Aufschrift 2026

© flashmovie / stock.adobe.com

Neuerungen

Das gilt 2026 bei Abrechnung und Honorar