Hormonersatz im Klimakterium

Besser Kleben oder Schlucken?

Mit Blick auf das Thromboembolierisiko ist die transdermale Applikation von Hormonersatzpräparaten bei Wechseljahresbeschwerden im Vergleich zur oralen Einnahme offenbar sicherer.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 08.03.2019, 07:10 Uhr
Besser Kleben oder Schlucken?

Bei Wechseljahresbeschwerden besser auf transdermale Hormonpräparate zurückgreifen?

© RFBSIP / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Wie wirken sich unterschiedliche Zusammensetzungen von Hormonersatzpräparaten auf das Risiko aus, eine venöse Thromboembolie zu entwickeln?
  • Antwort: Generell sind orale Präparate riskanter als transdermale, und bei den oralen solche mit konjugierten Östrogenen gefährlicher als solche mir Estradiol.
  • Bedeutung: Die Studiendaten legen nahe, dass transdermale Präparate in der Hormonersatztherapie zu selten eingesetzt werden, obwohl sie zumindest hinsichtlich des Thromboserisikos weniger riskant sind.
  • Einschränkung: Für einen relevanten Teil der Studienteilnehmerinnen waren keine Daten zu weiteren Risikofaktoren für Thrombosen erhältlich, wie Raucherstatus, Alkoholkonsum und Body-Mass-Index.

NOTTINGHAM. Es ist jetzt zwei Studien und bald 16 Jahre her, dass die Verfechter einer Hormonersatztherapie (HRT) nach der Menopause von der Offensive in die Defensive gedrängt worden sind. Sowohl die Studie der Women’s Health Initiative wie auch die Million Women Study hatten so erhebliche Zweifel an der substituierenden Gabe weiblicher Hormone geweckt, dass die Verordnungszahlen hernach deutlich sanken.

Dabei ist es unstrittig, dass der Hormonersatz Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß in Schach halten kann. Allerdings ist es seither wichtiger denn je, die ebenfalls unbestrittenen Risiken dieser Behandlung genauer zu erforschen und Frauen vor einer Therapie korrekt über die individuelle Nutzen-Risiko-Konstellation zu informieren.

Ein Augenmerk liegt darauf, zwischen den einzelnen Präparationen zu differenzieren. Denn schon die genannten beiden Studien legten in ihren Ergebnissen nahe, dass sich unterschiedliche hormonelle Kompositionen auch in den Risiken unterscheiden.

Risiko venöse Thromboembolien

Eines dieser Risiken ist die Ausbildung venöser Thromboembolien. Eine Gruppe britischer Forscher, die sich schwerpunktmäßig mit der Primärversorgung befassen, hat nun anhand der von Arztpraxen übermittelten Daten überprüft, wie sich die verschiedenen Zusammensetzungen von Präparaten zur HRT auf die Häufigkeit venöser Thromboembolien auswirken (BMJ 2019; 364: k4810).

In die Analyse flossen die Angaben zu mehr als 80.000 Frauen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren mit einer entsprechenden Diagnose ein. Ihnen stellten die Forscher um Dr. Yana Vinogradova von der Universität Nottingham die Daten von gut 390.000 merkmalsgleichen Frauen ohne einen solchen Befund zur Kontrolle gegenüber.

Rechnerisch ergab sich, dass 7,2 Prozent der Frauen mit Thrombosen in den fünf Monaten vor dem Ereignis mit Hormonersatzpräparaten therapiert worden waren. Bei den Kontrollen waren es 5,5 Prozent (wobei das Thrombosedatum als Indextermin fungierte). Die große Mehrheit, 85 Prozent der therapierten Frauen mit Thrombosen und 78 Prozent der Kontrollen, hatte eine orale Behandlung erhalten.

Die geschluckten Hormone erhöhten das Thromboserisiko signifikant (+58 Prozent). Das galt sowohl für reine Östrogenpräparate (+40 Prozent) wie für Östrogen-Gestagen-Kombinationen (+73 Prozent).

Von den Östrogenen war Estradiol weniger gefährlich als konjugiertes Stutenöstrogen, sowohl in reinen Östrogenpräparationen als auch in Kombinationen mit Gestagen im Allgemeinen. Im Speziellen war die Kombination von konjugiertem Östrogen und Medroxyprogesteron mit Blick auf Thrombosen am riskantesten; das Risiko war hier mehr als verdoppelt (Faktor 2,10). Die geringste Risikoerhöhung war unter der Kombination von Estradiol mit Dydrogesteron festzustellen, das Plus betrug 18 Prozent (1,18).

Als gänzlich frei von einem zusätzlichen Thromboserisiko erwiesen sich transdermale Hormonpräparate, Östrogencremes und -pessare, aber auch orales Tibolon.

Thromboserisiko steigt mit Alter

Wie schwer die relativen Steigerungen des Thromboserisikos wiegen, lässt sich an den absoluten Häufigkeiten ablesen. Bei den nicht hormonexponierten Kontrollen lag die Thrombosehäufigkeit bei 16,0 / 10.000 Frauenjahren (0,16 Prozent pro Jahr). Über alle Altersgruppen und alle oralen Hormonpräparate gerechnet ergab sich ein Anstieg für die Ersatztherapie um 9 / 10.000 auf 25 / 10.000 (0,25 Prozent).

Die höchste Zunahme zeigte sich bei der schon genannten Kombination von konjugiertem Östrogen mit Medroxyprogesteron, nämlich um 18 / 10.000 auf dann 34 / 10.000 (0,34 Prozent). Doch auch allein schon mit dem Alter stieg das Thromboserisiko von 8 / 10.000 zwischen 40 und 54 auf 37 / 10.000 zwischen 64 und 79 Jahren.

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