Abläufe im Gehirn

Bungee-Jumping aus 192 Metern für die Hirnforschung

Zwei Bungee-Jumper haben sich im Namen der Hirnforschung insgesamt 30 Mal von der 192 Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck gestürzt. Die Ergebnisse könnten Gelähmten helfen.

Veröffentlicht:
Einer der Springer im freien Fall. Nach nur wenigen Sprüngen gelang es erstmals, das sogenannte Bereitschaftspotential in einer Extrem-Situation außerhalb des Labors nachzuweisen .

Einer der Springer im freien Fall. Nach nur wenigen Sprüngen gelang es erstmals, das sogenannte Bereitschaftspotential in einer Extrem-Situation außerhalb des Labors nachzuweisen .

© Surjo R. Soekadar

TÜBINGEN. Tübinger Neurowissenschaftlern es durch ihre Experimente erstmals gelungen, das Bereitschaftspotenzial außerhalb des Labors und unter Extrembedingungen zu messen, nämlich vor einem Bungee-Sprung, wie die Universität mitteilt. Kurz bevor der Mensch eine bewusste Handlung ausführt, kommt es den Forschern zufolge im Gehirn zu einer elektrischen Spannungsverschiebung – diese wird als Bereitschaftspotenzial bezeichnet. Es entsteht noch bevor sich der Handelnde bewusst ist, dass er eine Bewegung ausführen wird.

Die Ergebnisse der Studie werden im Frühjahr 2018 in einem internationalen Fachjournal veröffentlicht, sind aber vorab online verfügbar (DOI: https://doi.org/10.1101/255083)

Die semiprofessionellen Klippenspringer trugen eine kabellose Elektrodenkappe zur Aufzeichnung ihrer Hirnströme.

Die semiprofessionellen Klippenspringer trugen eine kabellose Elektrodenkappe zur Aufzeichnung ihrer Hirnströme.

© Surjo R. Soekadar

Die Forscher unter Leitung von Surjo R. Soekadar hatten für die Versuche zwei Bungee-Springern kabellose Messgeräte auf den Kopf gesetzt, die die Daten der Hirnaktivität vor und während des Sprungs übertrugen. Das Bereitschaftspotenzial wurde erstmals 1964 beschrieben, die hierzu unter strengen Laborbedingungen die Hirnströme eines Probanden über hunderte von Fingerbewegungen maßen, heißt es in der Mitteilung der Universität. Trotz zahlreicher Studien sei es aber bisher nie in lebensnahen Situation gemessen. Der Grund: Die Spannungsverschiebung liegt im Bereich von lediglich einigen wenigen Millionstel-Volt, so dass nur Messungen unter Laborbedingungen als möglich galten.

Die aktuellen Ergebnisse des Experiments seien vor allem für die Weiterentwicklung alltagstauglicher Gehirn-Maschine-Schnittstellen wichtig, äußerte sich Soekadar in der Mitteilung. Die damit verbundene Hoffnung ist, dass durch solche neurotechnologischen Systeme zum Beispiel Querschnittsgelähmte und Schlaganfallpatienten mit Lähmungen Maschinen mit ihren Hirnsignalen steuern können. (run)

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