Projekt ikidS

Chronisch kranke Erstklässler oft hintendran

Chronische Leiden beeinträchtigen den Schulerfolg der Kinder – unabhängig vom Sozialstatus der Eltern. Schon im ersten Schuljahr sind Betroffene verglichen mit gesunden Kindern weniger leistungsstark

Veröffentlicht: 09.05.2018, 15:40 Uhr
Chronisch kranke Erstklässler oft hintendran

Kind mit Asthma: Krankheiten beeinträchtigen schon früh den Schulerfolg.

© Damian Gretka/ stock.adobe.com (Symbolbild)

MAINZ. Chronisch kranke Kinder liegen bereits am Ende der ersten Klasse in den Kernfächern Lesen, Schreiben, Mathematik, Naturwissenschaft und Sozialkompetenz deutlich zurück.

Dies ergab die erste Auswertung des Forschungsprojekts ikidS (ich komme in die Schule), an dem seit 2014 über 2000 Familien aus Mainz und Umgebung in fast 70 Schulen mit ihren Lehrkräften teilgenommen haben (Plos One 2018; online 27. März).

Auf Grundlage der Erkenntnisse sollen Maßnahmen entwickelt werden, um chronisch kranke Kinder künftig medizinisch und gesundheitspädagogisch gezielter zu versorgen und damit ihre Bildungschancen zu verbessern, berichtet die Universitätsmedizin Mainz in einer Mitteilung.

Daten von 1462 Erstklässlern

Für die prospektive Kohortenstudie haben Forscher um Professor Michael S. Urschitz vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) Daten von 1462 Erstklässlern aus der Stadt Mainz und dem Kreis Mainz-Bingen ausgewertet.

Der Pädiater und Studienleiter zeigte mit seinem Team, dass etwa 15 Prozent der Kinder eine schulisch relevante chronische Erkrankung aufweisen. Dazu gehörten unter anderen Anämie, Asthma, atopische Dermatitis, ADHS, Verhaltensstörungen, Depressionen, Diabetes, Kleinwuchs, Epilepsie, Herzfehler, Schwerhörigkeit, Hypothyreose, Adipositas, Schlafstörungen, Sprechstörungen, Krebs und Sehschwäche.

Die Daten dazu stammten zum einen aus den Schuleingangsuntersuchungen und zum anderen von ausgefüllten Fragebögen der Eltern und Lehrkräfte. Die teilnehmenden Eltern wurden mit ihren Kindern über mehr als ein Jahr begleitet.

"Da sich die schulischen Leistungen dieser Erstklässler erfassen ließen, konnten wir nachweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen chronischen Erkrankungen und eingeschränktem Leistungsvermögen gibt", wird Urschitz in der Mitteilung zitiert.

Für die Erfassung des Leistungsvermögens wurden die Kinder von ihren Lehrkräften auf einer fünfstufigen Skala in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialverhalten eingeschätzt. Daraus berechneten die Forscher einen "Leistungswert" der zwischen –10 (sehr schlecht) und +10 (sehr gut) liegen konnte.

Chronisch kranke Kinder hatten mit einem Wert von 1,3 im Schnitt eine schlechtere Leistung als gesunde Kinder, die einen mittleren Leistungswert von 2,1 hatten.

Dieser Unterschied blieb bestehen, auch wenn weitere Faktoren berücksichtigt wurden wie zum Beispiel der soziale Status und die Schulbildung der Eltern, Migrantenhintergrund, alleinerziehende Eltern, Raucherhaushalt, Lebensstil und Freizeitaktivitäten.

Bildungschancen verbessern!

Das Projekt verlief insgesamt so erfolgreich, dass 2017 das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Fördermittel für drei weitere Jahre bewilligt hat, berichtet Urschitz: "Wir stehen nun in der Pflicht, mit den Ergebnissen konkrete Verbesserungen für die Kinder zu erzielen. Parallel zu weiteren Analysen wollen wir daher klare Empfehlungen zur Durchführung der Schuleingangsuntersuchung und zur Auswahl von Versorgungs- und Fördermaßnahmen für den Schuleintritt erarbeiten und mit den zuständigen Entscheidungsträgern diskutieren. Ziel muss sein, den Schulerfolg insbesondere für Kinder mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu verbessern." (eb/eis)

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