Spahn im Impfdialog mit Ärzten und Apothekern

Corona-Impfung in den Praxen frühestens im zweiten Quartal

Ärzte haben viele Fragen zur Corona-Schutzimpfung. Am Samstag stellte sich Gesundheitsminister Spahn diesen zusammen mit den Chefs von RKI, PEI und STIKO. Es gab harte Antworten.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Velodrom in Berlin

Sollten laut Minister Spahn nur eine kurze Lebenszeit haben: Corona-Impfzentren, wie hier das im Velodrom in Berlin.

© Christophe Gateau / dpa

Berlin. Wieso genießt bei der deutschen Impfstrategie weder die Impfung des Personals in den Haus- und Facharztpraxen noch die Vakzinierung durch eben die Niedergelassenen keine Priorität? Dürfen bald auch Apotheker in ihren Offizinen impfen? Dürfen sich potenzielle Impflinge aussuchen, welche Vakzine sie gerne verabreicht bekämen?

Abseits der teils abstrusen gesundheitspolitischen Diskussion um ein vermeintliches oder tatsächliches Versagen der Bundesregierung und speziell des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) beim Bestellmanagement verfügbarer Corona-Vakzine brennen den Ärzten und Apothekern im Land ganz andere Themen auf den Nägeln. Das zeigte am Samstagnachmittag Spahns Impfdialog mit beiden Zielgruppen auf der Plattform www.zusammengegencorona.de.

Zwei Stunden lang beantwortete er geduldig eine geclusterte Auswahl der, wie es hieß, mehr als 2000 Fragen aus der Ärzte- und Apothekerschaft. Fachliche Unterstützung holte er sich dabei von den Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), den Professores Lothar Wieler und Klaus Cichutek, sowie dem Virologen Professor Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Info-Holschuld gilt auch für Ärzte

Zunächst betonte Spahn die immens wichtige Rolle, die Ärzte und Apotheker gerade in der gegenwärtigen Corona-Pandemie spielten. Sie gälten als vertrauenswürdige Auskunftsquellen, wenn es für Patienten respektive Kunden um die Abwägung der Inanspruchnahme der Corona-Schutzimpfung gehe – sie seien zentrale Multiplikatoren. Er wiederholte damit seinen Appell vom Ende des Jahres im Interview mit der „Ärzte Zeitung“.

Dies entbinde sie aber in puncto Basiswissen über die Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder Moderna nicht, wie Wieler hervorhob, von ihrer Holschuld. Informationen dazu stünden in Hülle und Fülle auf der PEI-Website sowie in der entsprechenden STIKO-App zur Verfügung. Auch die Plattform zusammengegencorona.de liefere ausführliche Grundinformationen – zum Beispiel zur nationalen Teststrategie.

Die Antworten zu den Themen, die Haus- und Gebietsärzte sowie Apotheker rund um die Corona-Schutzimpfung umtreiben, im Überblick.

Priorisierung: Mertens erläuterte, die STIKO habe ihre an Spahn übermittelte Priorisierungsliste ausschließlich auf Basis der Auswertung verfügbarer wissenschaftlicher Daten zum Infektionsrisiko sowie zum Risiko einer Gefahr für Leib und Leben vorgenommen: „Für Wertschätzung gibt es keine Daten! Streichen Sie also diesen Begriff aus der Debatte!“ Außerdem befänden sich die niedergelassenen Haus- und Gebietsärzte in der zweiten Priorisierungsgruppe der STIKO. Ärzte hatten zuletzt wiederholt kritisiert, dass sie nicht auch zuerst geimpft werden.

Wie sich Spahn, dessen Ministerium die Vorlage übernommen hat, äußerte, sei es zum jetzigen Zeitpunkt realistisch, dass die Zugehörigen der obersten Prioritätsgruppe wie die über 80-Jährigen, die Bewohner von Pflegeheimen oder auch Mitarbeiter in solchen Einrichtungen sowie bestimmtes Klinikpersonal, bis Ende des ersten Quartals ein Impfangebot erhalten haben.

Impfen in Praxen: Sinnvoll erscheine es ihm, so Spahn, die Corona-Schutzimpfung dann in den Praxen vornehmen zu lassen, wenn absehbar entsprechend viele Impfdosen zur Verfügung stünden. „Es macht im Moment keinen Sinn, wenn sich in der Hausarztpraxis die Patienten mit dem Arzt um zwei Impfdosen kloppen“, so der Minister. Zugleich setze er sich aber für möglichst viele Vakzinierungen in den Praxen ein, sollten die Impfzentren der Länder somit bald möglichst obsolet werden.

Impfen in Apotheken: Entgegen seiner Offenheit für die Influenza-Schutzimpfung in der Apotheke – hierzu laufen Modellprojekte – sieht Spahn die Offizine bei Corona außen vor. Hier gelte für ihn das Privileg der Praxen.

Impfmodalitäten: Unisono mahnten Mertens, Cichutek und Wieler wiederholt, die für die beiden bisher verfügbaren Vakzine individuell vorgegebenen Zeitintervalle zwischen Erst- und Zweitimpfung unbedingt einzuhalten sowie den zweiten Pieks auch wirklich vorzunehmen, da sonst die Wirksamkeit der Impfung nicht gewährleistet werden könne.

Strikt unterlassen werden sollten zudem Überlegungen, zum Beispiel mit der Vakzine Comirnaty von BioNTech/Pfizer die Erst- und mit der von Moderna die Zweitimpfung vorzunehmen. Diese basierten zwar auf derselben mRNA-Technologie, unterschieden sich aber dennoch. Die Auswirkungen einer Vermischung seien nicht absehbar.

Wahlfreiheit und Verfügbarkeit: Wie Spahn bekräftigte, sei eine Wahlfreiheit der Impflinge zwischen verschiedenen verfügbaren Impfstoffen bisher nicht vorgesehen. „Stand heute“, so der Minister, gehe er davon aus, dass bis Ende des Quartals mindestens zwölf Millionen Impfdosen von BioNTech/Pfizer nach Deutschland geliefert würden.

Je nach Zulassung weiterer Kandidaten stünden im Laufe des Jahres dann mindestens 140 Millionen Dosen bereit – genug für alle Erwachsenen in Deutschland. Würden alle Lieferverträge auch wirklich bedient werden können, sei sogar mit weiteren Millionen Impfdosen zu rechnen, die für den Fall einer notwendigen Auffrischungsimpfung eingelagert werden sollten.

Bedrohung durch Virusmutationen: Wie Cichutek erklärte, habe ihm BioNTech zugesichert, die bestehende Vakzine könnte binnen Wochen zum Kampf gegen neue Corona-Mutationen modifiziert und dann auch relativ rasch produziert werden.

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Kommentare
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Dr. Arne Krüger

Nach den ersten Erfahrungen erschließt sich mir nicht, warum der Impfstoff nicht nach entsprechenden Absprachen wie in den stat. Pflegeeinrichtungen in Praxen geliefert werden kann. Das ein wesentlicher Teil der Ü80-Gruppe nicht im Pflegeheim lebt, bedeutet mitnichten, dass sie mobil sind, um kilometerweit ins Impfzentrum zu fahren. Aber als mobiles Impfteam, wie gerade in den Altenpflegeheimen vorgemacht, kann meines Erachtens nach jede (Allgemein-)Arztpraxis locker dienen und ich bin mir auch sicher, dass wir schneller und flächiger weiter an die Patienten der Priorität 1 herankommen.


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