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Weltkrebstag am 4. Februar

DKFZ-Chef Baumann: Krebsprävention langfristiger und individueller denken

Der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums, Michael Baumann, mahnt mehr Anstrengungen in der Krebsprävention an. Digitale Lösungen sieht er dabei als wichtigen Baustein.

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„Es fehlt an evidenzbasierten, kosteneffektiven und flächendeckenden Präventionsangeboten“, so Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ.

„Es fehlt an evidenzbasierten, kosteneffektiven und flächendeckenden Präventionsangeboten“, so Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ.

© DKFZ / Uwe Anspach

Heidelberg. Im Kampf gegen steigende Zahlen von Krebserkrankungen weltweit muss die Prävention nach Ansicht von Experten stärker in den Vordergrund rücken. Die Erfolge der kurativen Medizin dürften nicht über die hohe Zahl von Krebsneuerkrankungen hinwegtäuschen, betonte der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Professor Michael Baumann, anlässlich des Weltkrebstages am Freitag. „Es fehlt an evidenzbasierten, kosteneffektiven und flächendeckenden Präventionsangeboten.“ Indes würden digitale Lösungen für vereinfachten Zugang zu Präventionsangeboten immer wichtiger.

Nach Angaben des Leiters des Heidelberger Instituts erkranken bundesweit noch immer 500.000 Menschen im Jahr neu an Krebs, 200.000 sterben daran. Weltweit werde sich die Zahl der Krebsneuerkrankungen von 19,3 Millionen im Jahr 2020 bis 2030 auf 30 Millionen erhöhen. In Deutschland werde die Zahl bis Ende des Jahrzehnts auf 600.000 Neuerkrankungen im Jahr wachsen. Zwar lebten 65 Prozent der Tumorpatienten – ohne Gebärmutterhals- und Hautkrebs – mindestens fünf Jahre nach der Krebsdiagnose, sie seien damit aber nicht vor Rückfällen geschützt. Insgesamt lebten in Deutschland vier Millionen Menschen mit und nach Krebs, so Baumann.

„Prävention muss langfristig gedacht werden.“

Zu den jährlich zwölf Millionen verlorenen Lebensjahren durch Autounfälle, Gewalt, Herz-Kreislauferkrankungen tragen bösartige Neubildungen vier Millionen Lebensjahre bei. Diese Zahl zeige, dass Krebs nicht nur eine Krankheit sei, die im hohen Alter bei einer nur noch geringen Lebenserwartung auftrete, sondern die auch in jüngerem Alter zum Tod führen könne. „Selbst so gut ausgestattete Gesundheitswesen wie in Deutschland, USA und der Schweiz werden damit nicht fertig werden können.“

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Die erschreckende Entwicklung könne nur gestoppt werden, wenn massiv in den Bereich „Nicht-Krebs-Kriegen“ investiert werde. Politik und Gesellschaft müssten für das Thema sensibilisiert werden. Dieses scheine wegen der langen Zeit bis zu spürbaren Erfolgen wenig interessant zu sein. Baumann betonte hingegen: „Prävention muss langfristig gedacht werden.“

Als wichtiges und in Deutschland unterschätztes Instrument der Prävention nannte Baumann die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die – im Jugendalter verabreicht – vor Gebärmutterhals-, Penis- und Analkrebs schützen kann. In Deutschland, wo die Impfung vom früheren DKFZ-Chef Harald zur Hausen entwickelt wurde, seien nur etwa 40 Prozent aller Jugendlichen geschützt, in Ruanda dagegen nahezu 100 Prozent. Dort sei die Impfung verpflichtend.

Warum „one fits all“-Lösungen ihre Grenzen haben

Ähnlich wie bei der Behandlung bereits erkrankter Menschen müsse auch die Prävention stärker individualisiert werden. Die Vorbeugung müsse sich an speziellen Risikofaktoren eines Menschen orientieren, wie Rauchen, ungesunde Ernährung, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel. Rund 40 Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen könnten vermieden werden, wenn die Menschen krebsfördernde Verhaltensweisen aufgäben.

Bei der Früherkennung spielen digitale Angebote demnach eine immer größere Rolle. So soll bei einer der häufigsten, zugleich aber rückläufigen Krebserkrankungen, dem Darmkrebs, der Zugang mittels Smartphone erleichtert werden. Dabei wird die Stuhlprobe auf eine Testkassette aufgetragen, die sich abhängig vom Hämoglobinwert mehr oder weniger rot färbt. Das Ergebnis wird abfotografiert und über eine App an den Hausarzt verschickt, so die Vorstellung der DKFZ- Forscher, die derzeit eine Studie zu dem Thema auswerten. (dpa)

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