Direkt zum Inhaltsbereich

DGIM 2018

"Der holistische Zugang zu den Patienten soll unser Tun leiten"

Der Internistenkongress 2018 steht im Zeichen der Altersmedizin. Mit Professor Cornel Sieber zeichnet erstmals ein Geriater verantwortlich für die Inhalte und Formate.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Alt und sehr alt zu werden bezeichnet Professor Cornel Sieber, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Geriater und Alternsforscher aus Regensburg und Nürnberg, als Chance. Eine Chance, für die allerdings ein Tribut zu zahlen sei: Multimorbidität. Dem parallelen Vorhandensein mehrerer, meist chronischer Krankheiten sei mit den klassischen Mitteln der evidenzbasierten Medizin nicht beizukommen.

Sieber fordert eine Aufwertung der ärztlichen Erfahrung sowie das bewusste Einbeziehen von Patientenwünschen in diagnostische und therapeutische Entscheidungen.

Und er dringt auf qualitativ hochwertige klinische Studien bei hochaltrigen Menschen, gerade mit Blick auf die Pharmakotherapie: "Die European Medicines Agency (EMA) befürwortet solche Studien und bezeichnet sie als wichtig, ausdrücklich gefordert, wie in der Kinder- und Jugendmedizin, werden sie leider noch nicht", sagte Sieber im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Methodisch möglich seien solche Untersuchungen, wenn auch vergleichsweise komplexer und aufwändiger. Nichtsdestoweniger werden sie gebraucht, unter anderem, weil die meist monothematisch konzipierten medizinischen Leitlinien kaum Orientierung für die Versorgung geriatrischer Patienten geben können.

"Es ist der holistische Zugang zu den uns anvertrauten Patienten, der unsere Diagnostik und Therapie leiten soll", schreibt Sieber im Vorwort zum Kongress-Hauptprogramm und bezieht sich damit auf den legendären Internisten Walter Siegenthaler – wie Sieber ein Schweizer und ehemaliger Vorsitzender der DGIM.

Der südliche Nachbar Deutschlands kann in mancher Hinsicht als Vorbild für die medizinische Versorgung Hochbetagter dienen. So ist die Pflege dort längst akademisiert, etwas, das sich Sieber auch für Deutschland wünscht. "Pflegepersonen sind näher und länger am Patienten dran als ein Arzt." Sie könnten daher Funktionalität, Selbstständigkeit und Lebensqualität des kranken Menschen sehr gut einschätzen und "maßgebliche Beiträge" zur Diagnostik und Therapie leisten. Ärztliche und pflegerische Tätigkeiten könnten sich gegenseitig enorm befruchten, so der Kongresspräsident.

Und noch zwei weitere Wünsche hat Sieber: den Facharzt für Geriatrie und den Facharzt für Infektiologie. Denn: "Solange es keinen Facharzttitel gibt, werden diese Themen akademisch nicht genügend selbstständig behandelt. Und wird es Nachwuchsprobleme geben."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kaum weniger Blutverlust

Tourniquet beim Kniegelenkersatz: „Mehr Schaden als Nutzen!“

Konservative Behandlung

Nach distaler Radiusfraktur auf Risikogruppen achten

Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt