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Der typische Wanderer ist jung, dynamisch und akademisch gebildet

Von Gesa Coordes Veröffentlicht:

Den Trend zu immer höheren Bildungsabschlüssen unter den Wanderern findet der Marburger Natursoziologe Rainer Brämer logisch. Gerade Akademiker erlebten die Natur ja fast nur noch hinter Glas: Im Büro, im Auto und zu Hause. Irgendwann hätten alle genug von der Hektik der Handys, Mails, Börsenzahlen und Medienkampagnen. Mit jeder neuen Hightech-Welle sei daher die Sehnsucht nach der Natur gewachsen. Brämer: "Die Menschen müssen sich da draußen wieder finden."

Die Wanderer sind eine lohnende, aber völlig unterschätzte Touristengruppe in Deutschland. Ihre Zahl ist mittlerweile auf 35 Millionen gewachsen. Jedes Jahr geben sie zwölf Milliarden Euro oder 2,50 Euro pro Wanderkilometer für ihr Hobby aus. Sie kehren gern in Waldgasthöfe und bewirtschaftete Hütten ein. Von Billigurlaubern, die sich nur aus ihrem Rucksack ernähren, kann bei diesen gut betuchten Touristen also keine Rede sein. Brämer: "Wanderer sind Genießer geworden."

Sogar ein neues Statussymbol entwickelt sich unter den sonst eher unauffälligen Bergurlaubern: In den Alpen läuft schon fast jeder Zweite mit den zusammenklappbaren Teleskopstöcken durch die Botanik, weil - so Brämer - "irgendjemand ihnen eingeredet hat, daß das die Gelenke entlastet". Aber auch in Deutschland sehe man die Wanderstöcke zunehmend, die nichts mit den hölzernen Stöcken früherer Jahre zu tun hätten.

Im Auftrag von Touristikern befragt der Marburger Natursoziologe seit 1998 Vespernde auf den Rastplätzen deutscher Wanderwege. Bei der aktuellen, noch umfassenderen Studie wurden in diesem Sommer Wanderer vom Harz über die Eifel und den Schwarzwald bis zum Bayerischen Wald interviewt.

Danach zeigt sich ein dramatischer Schichtungswandel: Jeder Zweite hat Abitur, jeder Dritte sogar einen Hochschulabschluß. Das ist mehr als doppelt so viel wie in der Normalbevölkerung. Vor zehn Jahren waren es vor allem Naturwissenschaftler und Techniker, die das Wandern für sich entdeckten. Inzwischen sind die anderen Akademiker mit ihren Schreibtischberufen gefolgt. Dagegen finden sich die sozialen Unterschichten kaum noch im Fußtouristen.

Auch das Bild von den wandernden Rentnern und Familien in rotkarierten Hemden, Kniebundhosen und Filzhüten stimmt schon lange nicht mehr. Heute wandern hauptsächlich Pärchen, die mehr als die Hälfte der Fußsportler ausmachen, gefolgt von kleinen Freundesgruppen, die sich oft durch den Beruf kennen.

Familien machen entgegen landläufigen Vorstellungen heute noch nicht einmal zehn Prozent der Wanderer aus. Tatsächlich harmonieren Kinder und Eltern beim Wandern auch eher schlecht. Während der Nachwuchs lieber spielen, klettern und jeden Stein begutachten möchte, schätzen die Erwachsenen gerade die dauerhafte, gleichmäßige Bewegung, die die Mädchen und Jungen langweilig finden.

Nachdem sich das Wanderpublikum in den 90er Jahren deutlich verjüngt hatte, liegt das Durchschnittsalter mittlerweile bei 47 Jahren. Meist laufen die Bergurlauber 15 Kilometer pro Tag. Für Vereinswanderungen und geführte Touren könnten sich nur acht bis neun Prozent der Befragten erwärmen. Bei ihrem Hobby sind die Wanderer indes gar nicht besonders auf das Erklimmen hoher Gipfel aus.

Die meisten bevorzugen Höhen, wie sie für die Almen in den Alpen und die Mittelgebirge typisch sind. Brämer: "Die Gipfel haben nicht mehr den großen Mythos. Die Leute gehen lieber auf grünen Höhen statt auf felsigem Grund."

Keine besondere Anziehungskraft scheinen auch Nationalparks zu haben. "Wildnis ist bedrohlich", so Brämer. "Wir lieben solche Landschaftselemente, in denen sich unsere Vorfahren sicher gefühlt haben." Und das seien nun einmal offene parkartige Landschaften, von Wald begrenzte Wiesentäler, Aussichtspunkte und Waldränder. Geschotterte und geteerte Wege mögen die modernen Wandersleute allerdings nicht, obgleich heute noch rund 85 Prozent der markierten Wanderwege asphaltiert oder geschottert sind.

Die deutschen Waldgebirge könnten Brämer zufolge durchaus mit den Alpen in Konkurrenz treten. Schließlich können sich zwei Drittel der befragten Wanderer vorstellen, ihren nächsten Haupturlaub in den Mittelgebirgen zu verbringen.

Lesen Sie dazu auch: Regelmäßiges Wandern reduziert das KHK-Risiko

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