Europäische Studie

Dermatoskopie – Nutzen für Krebs-Diagnostik bestätigt

Die meisten Dermatologen in Europa sehen in der Dermatoskopie einen Nutzen für die Melanomdiagnostik. Erstaunlicher als dieses Ergebnis einer aktuellen Studie ist womöglich, dass nicht alle Hautärzte ein Dermatoskop benutzen.

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BUKAREST. Eine Gruppe von Dermatologen aus fünf Ländern – Rumänien, Italien, Österreich, Belgien und den USA – hat für eine Untersuchung zum Nutzen der Dermatoskopie sämtlichen 38.300 europäischen Dermatologen einen Fragebogen zukommen lassen. 8519 Kollegen aus 32 Ländern haben ihn beantwortet. 7480 dieser Antworten waren verwertbar.

Sie zeigten, dass mehr als 88 Prozent der Hautärzte zum Dermatoskop greifen, wenn der Verdacht auf ein Melanom abgeklärt werden soll (J Eur Acad Dermatol Venereol 2017, 31(7): 1148–1156). Fast 12 Prozent verzichten allerdings darauf.

86 Prozent der dermatoskopierenden Dermatologen berichten, dass sie mit dem Gerät mehr Melanome diagnostizieren. 71 Prozent geben an, dadurch seltener benigne Läsionen zu exzidieren. Letzteren Nutzen verbinden vor allem niedergelassene Ärzte mit der Dermatoskopie, wogegen die größere Entdeckungsrate von Melanomen für Hautärzte an öffentlichen Versorgungseinrichtungen im Vordergrund steht.

Eine signifikante Tendenz dazu, die Dermatoskopie positiv zu beurteilen, hatten jene Ärzte, die polarisiertes Licht benutzten oder eine digitale Technik in Form einer Digitalkamera oder der Videodermatoskopie verwendeten. Den Nutzen betonten zudem jene Hautärzte, die zur Beurteilung von fraglichen Läsionen auf die Musteranalyse ("Pattern Analysis") zurückgriffen. Dabei wird anhand der optischen Charakteristika systematisch zwischen nichtmelanozytären und melanozytären Malen und dann fortschreitend zwischen benignen und malignen Veränderungen unterschieden.

"Unsere paneuropäische Übersicht bestätigt die Dermatoskopie als wertvolles Werkzeug, die Melanomdiagnostik zu verbessern", schreiben Ana-Maria Forsea aus Bukarest, Erstautorin der Studie, und ihre Kollegen. In vielen Fällen aber werde das Potenzial des Verfahrens noch nicht voll ausgeschöpft.

Forsea und Mitarbeiter plädieren dafür, das Training in Dermatoskopie – speziell während der Facharztausbildung – weiter zu forcieren und den Zugang zu digitaler Technik zu verbreitern.

Eine Schwäche der Studie ist der subjektive Charakter der erhobenen Daten. Wie sich die Zahl der Läsionen, die für eine Melanomdiagnose exzidiert werden müssen, unter Verwendung der Dermatoskopie verändert, lässt sich nicht quantifizieren. Frühere Studien ergaben, dass sich diese "Number Needed to Excise" durch den Gebrauch eines Dermatoskops von 20–40 auf 4–8 verringert. Diese Zahlen stammen aber aus Erhebungen in spezialisierten Zentren. (rb)

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