Direkt zum Inhaltsbereich

Deutschland braucht viel mehr Defibrillatoren

MANNHEIM (sko). Bei der Verwendung von halbautomatischen Defibrillatoren gegen den plötzlichen Herztod hat Deutschland im europäischen Vergleich einigen Nachholbedarf. Dabei kann die Frühdefibrillation die Prognose bei Kammerflimmern verbessern.

Veröffentlicht:

Jährlich sterben in Deutschland etwa 100 000 Menschen am plötzlich Herztod. "Damit sterben an dieser Krankheit so viele Menschen, wie wenn jeden Tag ein Jumbojet abstürzen würde", sagte Professor Hans-Joachim Trappe von der Ruhr-Universität Bochum.

Doch im Gegensatz zu Flugzeugabstürzen rege sich über die große Zahl von Menschen, die den plötzlichen Herztod erleiden, kaum jemand auf, so Trappe beim Kardiologenkongreß in Mannheim. Zudem ist die Erfolgsrate der Reanimationen sehr dürftig: "93 Prozent der Patienten sterben nach einer Reanimation", so Trappe.

Nichtmediziner sollen vermehrt Defibrillatoren anwenden

Die Prognose könnte verbessert werden, wenn vermehrt Nichtmediziner erste Hilfe mit Defibrillation leisten. Denn die Frühdefibrillation ist die wichtigste Maßnahme bei Kammerflimmern oder Tachykardie - im Krankenhaus sollte sie innerhalb von drei, außerhalb von fünf Minuten erfolgen.

Deshalb ist die Installation von halbautomatischen Defibrillatoren (automatische externe Defibrillatoren, AED) an öffentlichen Plätzen, wo auch geschulte Nichtmediziner eine Defibrillation vornehmen können, nach Trappes Aussage von großem Interesse.

Doch trotz vieler Studien, die den Nutzen der Frühdefibrillation belegen, ist die Situation in Deutschland "desillusionierend und enttäuschend", wie Trappe sagte.

In Österreich sind 1100 Geräte an öffentlichen Orten installiert

Es gebe lediglich einige private Organisationen, die in Eigeninitiative einige AED-Programme betreiben würden. Von einer flächendeckenden Versorgen sei man hingegen noch weit entfernt, beklagte Trappe. Den Hauptgrund sieht er darin, daß die Übernahme der Kosten bisher nicht geklärt ist.

Andere Verhältnisse herrschen bei den europäischen Nachbarn, zum Beispiel in Österreich. Dort sind 1100 AED installiert und 4700 Ersthelfer ausgebildet. In Frankreich gibt es ein nationales AED-Gesetz, und auch in England wird die Frühdefibrillation mit 700 installierten AED wesentlich konsequenter betrieben als in Deutschland, wie Trappe berichtete.

Immerhin einen Erfolg konnte der Kardiologe melden: Nach langen Diskussionen wurde jetzt beschlossen, alle WM-Fußballstadien mit den halbautomatischen Defibrillatoren auszustatten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Lesetipps
Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen

Frau mit Restless-Legs-Syndrom liegt im Bett und wackelt mit den Beinen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose