Diätfehler und Gendefekte sind oft Ursachen für Gallensteine

DÜSSELDORF (mut). Patienten, die aufgrund einer genetischen Veranlagung ein hohes Risiko für Gallensteine haben, können von einer Therapie mit Ursodeoxycholsäure profitieren. Die Substanz kann auch die Bildung von Gallensteinen bei Adipösen verhindern, die eine stark kalorienreduzierte Diät machen.

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Darauf haben Spezialisten bei einem Symposium auf der Medica in Düsseldorf hingewiesen. Die Fortbildungsveranstaltung wurde von Professor Karl Hans Holtermüller aus Frankfurt am Main und Professor Burkhard May aus Bochum geleitet.

Aus Studien mit eineiigen Zwillingen weiß man, daß die Bildung von Gallensteinen überwiegend von Umweltfaktoren bestimmt wird. Steine werden zum Beispiel begünstigt durch eine faserarme kalorien- und kohlenhydratreiche Kost, durch wenig Bewegung, Adipositas, raschen Gewichtsverlust, aber auch durch Östrogensubstitution nach der Menopause. Das berichtete Professor Frank Lammert vom Uniklinikum Bonn.

Doch auch genetische Faktoren sind von Bedeutung. So ist beim Stamm der Massai in Afrika eine Cholelithiasis praktisch unbekannt. Dagegen entwickelt bei vergleichbarer Ernährung jeder zweite Mensch vom Stamm der Pima in Mexiko Gallenblasensteine - viele Frauen schon kurz nach der Pubertät, sagte Lammert.

In Europa trügen genetische Faktoren nach Berechnungen etwa 25 Prozent zur Gallensteinbildung bei. Bei Patienten mit symptomatischen Steinen seien genetische Einflüsse noch stärker.

In den vergangenen Jahren hat man einige Gallenstein-Gene identifiziert. So kann etwa durch eine Variation oder Mutation solcher Gene die Aktivität von Proteinen vermindert sein, die Cholesterin, Gallensäure oder Phosphatidylcholin aus der Leber in die Gallenblase abgeben. Die veränderte Zusammensetzung der Galle begünstigt die Bildung von Steinen.

Bei Verdacht auf Gen-Ursache hilft Analyse der Galle weiter

Doch nicht jeder Patient mit einer positiven Familienanamnese für Gallensteine hat einen Gendefekt, so Lammert. Zunächst müßte man nach begünstigenden Umweltfaktoren als Ursache schauen.

Kommen zu Gallensteinen jedoch noch Symptome oder Auffälligkeiten hinzu, etwa eine intrahepatische Schwangerschafts-Cholestase in der Anamnese oder sonographisch sichtbare, echoreiche Reflexe in den Gallengängen, die auf intrahepatische Steine deuten, dann spreche dies für eine genetisch verursachte Erkrankung, so Lammert.

Diese lasse sich durch eine Analyse der Gallenflüssigkeit weiter überprüfen. So sei bei einer genetischen Ursache die Konzentration einer der Gallebestandteile, etwa Phosphatidylcholin, deutlich reduziert. Ein Gentest kann dann Klarheit bringen.

Prophylaxe von Gallensteinen etwa mit Ursodeoxycholsäure

Patienten mit genetisch bedingter Cholelithiasis sollte man zur Vermeidung von Gallenstein-Rezidiven medikamentös behandeln, etwa mit Ursodeoxycholsäure, sagte Lammert. Diskutiert werde auch, ob man die Substanz auch Menschen mit nachgewiesenen Gendefekten in Gallenstein-Genen prophylaktisch geben solle, auch wenn sie noch keine Symptome hätten.

Eine Therapie mit Ursodeoxycholsäure sei auch bei adipösen Patienten ratsam, die eine stark kalorienreduzierte Diät planen, so Professor Adolf Stiehl von der Universität Heidelberg. In einer Diät-Studie entwickelten mit Placebo innerhalb von drei Monaten 25 Prozent der Patienten Gallensteine, mit Ursodeoxycholsäure (300 bis 1200 mg pro Tag) weniger als fünf Prozent, sagte Stiehl. Die Patienten hatten pro Tag nicht mehr als 500 Kilokalorien zu sich genommen.

Der Grund für das hohe Gallensteinrisiko bei Diäten: Durch lange Nüchternzeiten kommt es zu einer Übersättigung der Galle: Es werden ständig Bestandteile wie Cholesterin in die Galle sezerniert, ohne daß es zu einer Kontraktion der Gallenblase kommt.

Dies fördert die Steinbildung. Stiehl rät daher, bei einer Diät alle paar Stunden eine kleine Mahlzeit einzunehmen, dadurch kontrahiert die Gallenblase häufiger. Auch ein Glas Milch vor dem Schlafengehen sei hilfreich.

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