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ÜBergewicht bei Kindern

Dickes Problem

Die Stiftung Kindergesundheit warnt vor den gesundheitlichen Folgen des Übergewichts unter Kindern und Jugendlichen. Kritik übt die Stiftung an zu süßen Lebensmitteln und verführerischer Werbung.

Veröffentlicht:
Wie der Vater, so der Sohn? Leidet ein Kind oder ein Jugendlicher unter Adipositas, wird sich sein Gewicht später in aller Regel nicht wieder normalisieren.

Wie der Vater, so der Sohn? Leidet ein Kind oder ein Jugendlicher unter Adipositas, wird sich sein Gewicht später in aller Regel nicht wieder normalisieren.

© Simon Stone / Image Source / Science Photo Library

MÜNCHEN. Adipositas nimmt unter Kindern stärker zu als erwartet und stellt eine ernsthafte Bedrohung ihrer Gesundheit dar, warnt die Stiftung Kindergesundheit. Übergewicht und Adipositas hätten mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen und müssten von Gesellschaft und Politik konsequenter als bisher bekämpft werden. Die wichtigsten Punkte seien dabei weniger hochkalorische Lebensmittel, eine stärkere Reglementierung der auf Kinder ausgerichtete Werbung und mehr Bewegung in Schulen.

Denn Übergewicht ist verbreitet: "Die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten 40 Jahren um mehr als das Achtfache zugenommen", wird Professor Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitätskinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit in einer Mitteilung zitiert.

Datengrundlage ist eine Analyse von 416 Studien mit mehr als 160 Millionen Kindern und Jugendlichen aus 200 Ländern. Danach hat der Anteil der fettsüchtigen Mädchen von 0,7 Prozent im Jahr 1975 auf 5,6 Prozent im Jahr 2016 und bei Jungen von 0,9 Prozent auf 7,8 Prozent zugenommen (Lancet 2017; 390: 2627–42).

Für adipöse Jugendliche erhöhe sich im Vergleich zu Gleichaltrigen mit Normalgewicht im Laufe der nächsten vierzig Jahre ihres Lebens das Risiko für den Tod um das fünffache und für den Tod durch alle Herz-Kreislauf-Ursachen um das vierfache.

Im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern hätten übergewichtige außerdem ein anderhalbfach und adipöse Kinder ein dreifach erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten. Übergewicht bei jungen Erwachsenen verkürze ihr Leben um 2,5 Jahre und bei Adipositas um bis zu acht Jahre (WHO Obesity 2018).

In Anbetracht dieser Gesundheitsbeeinträchtigungen mahnt die Stiftung, Übergewicht bei Kindern nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn Übergewicht verwachse sich nicht, erklärt Koletzko in der Mitteilung: "Leidet ein Kind oder ein Jugendlicher unter Adipositas, wird sich sein Gewicht später in aller Regel nicht wieder normalisieren. Ein dickes Kind wird nicht schlank".

Für die Stiftung Kindergesundheit sind die Ursachen für die Fettsucht-Epidemie vielfältig. Verführerische Werbung, leicht zugängliche hochkalorische Lebensmittel und ein Mangel an Bewegung begünstigen die Entstehung.

Vor allem zuckerhaltige Getränke sieht die Stiftung kritisch. Kinder sollten stattdessen schon früh an das Wasser-Trinken gewöhnt werden. Auch in der Schule führe zum Beispiel das Aufstellen von Wasserspendern zu einem geringeren Konsum von zuckerhaltigen Getränken und damit zu weniger übergewichtigen Kindern.

Ein weiterer Faktor, den die Stiftung kritisch sieht: die an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel im Fernsehen und in sozialen Medien. Sie beeinflusse nachweislich die Bevorzugung, den Kauf und Verzehr von unausgewogenen und dickmachenden Produkten. Die Zusage einiger großer Unternehmen, die an Kinder unter zwölf Jahren gerichtete Werbung freiwillig zu begrenzen, habe sich als Augenwischerei erwiesen, so die Stiftung.

Die Ernährungswirtschaft wehre gesetzliche Regulierungen durch ihre Lobbyarbeit erfolgreich ab. Entgegen einer Forderung der Weltgesundheitsorganisation WHO schreibt der Gesetzgeber in Deutschland weder die Bewertung der Nährstoffe noch eine einheitliche Kennzeichnung der Lebensmittelqualität durch einfache Symbole vor. Die Selbstverpflichtungen der Hersteller funktionierten nicht oder entpuppten sich als Mogelpackung. Es werde deshalb höchste Zeit für strengere gesetzliche Regelungen, für eine klare und verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln und für ihre wirksame amtliche Überwachung, betont die Stiftung.

Wichtig seien auch regelmäßige Bewegungsaktivitäten in Kitas, Schulen und in der Freizeit, unterstreicht Koletzko. "Kinder und Jugendliche sollten sich mindestens 90 Minuten am Tag bewegen. Die Eltern sollten außerdem die Nutzung audiovisueller Medien ihrer Kinder auf höchstens zwei Stunden am Tag begrenzen." (eb)

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