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Neue Arzneien und UAW

Die Routine der Onkologen

Ärzte entwickeln über die Jahre immer mehr Routine im Umgang mit unerwünschten Wirkungen "neuer" Substanzen in der Onkologie. Ein Vorteil, der sich daraus für die Patienten ergibt: Sie überleben länger progressionsfrei.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Mit Nebennieren-Hütchen: Am Beispiel des RCC zeigt sich, wie Onkologen Routine im Umgang mit UAW bekommen.

Mit Nebennieren-Hütchen: Am Beispiel des RCC zeigt sich, wie Onkologen Routine im Umgang mit UAW bekommen.

© Springer Verlag

BERLIN. Nach einem Jahrzehnt "neuer" Substanzen in der Onkologie haben sich Krebsexperten an ein breites Spektrum unerwünschter Wirkungen gewöhnt. Mit den neuen Substanzgruppen, die derzeit eingeführt werden, kommen neue Nebenwirkungsprofile hinzu.

Die von manchen kritisch gesehene Vielfalt neuer Substanzen in der Onkologie betrachtet Dr. Friedrich Overkamp, niedergelassenen Onkologe in Recklinghausen, als Segen. Sie biete die Möglichkeit, die Antitumortherapie sehr viel stärker als bisher auf den einzelnen Patienten abzustimmen.

Overkamp nannte beispielhaft das Nierenzellkarzinom (RCC), bei dem in sieben Jahren sieben neue Substanzen zugelassen wurden. "Alle wirken letztlich ähnlich, aber sie haben relativ spezifische Nebenwirkungsspektren. Das erlaubt es, die Behandlung individuell anzupassen."

So bevorzugt Overkamp bei RCC-Patienten mit Leberschäden in der Firstline-Therapie den Tyrosinkinaseinhibitor Sunitinib, da die Alternativsubstanz Pazopanib die Leber stärker beansprucht. Umgekehrt greift er bei Patienten, die beruflich stark auf ihre Hände angewiesen sind, eher zu Pazopanib, da hier das Risiko eines Hand-Fuß-Syndroms geringer ist.

Immer mehr Routine mit UAW

Dass Ärzte über die Jahre immer mehr Routine im Umgang mit unerwünschten Wirkungen "neuer" Substanzen in der Onkologie entwickeln, lässt sich auch am Patienten-Outcome ablesen.

So sei auffällig, dass das progressionsfreie Überleben (PFS) in Studien mit ein- und derselben "neuen" Substanz über die Jahre zunehme, auch wenn es sich um genau dieselben Patienten handele.

Beispielhaft nannte Overkamp Sorafenib beim RCC. In der zulassungsrelevanten TARGET-Studie lag das PFS bei 5,5 Monaten. Mittlerweile würden in neueren Studien regelmäßig über neun Monate erreicht. "Das liegt an einem routinierteren Umgang mit der Substanz. Unser Nebenwirkungs-Management wird besser, wir therapieren länger und müssen seltener unterbrechen."

Ausruhen auf der bei Tyrosinkinasehemmern oder auch mTOR-Hemmstoffen mittlerweile erreichten Routine kann sich freilich niemand. Denn neue Substanzklassen bringen neue Herausforderungen.

PI3K-Inhibitor iteragiert mit Neurotransmittern

Für besonders spannend hält Overkamp zurzeit die Hemmstoffe der Phosphatidyl-Inositol-Kinasen (PI3K-Inhibitoren). Buparlisib beispielsweise überschreite die Blut-Hirn-Schranke und komme deswegen als ein orales Medikament gegen Hirnmetastasen in Betracht.

"Es interagiert deswegen allerdings auch mit Neurotransmittern, sodass wir es künftig vermehrt mit neuropsychiatrischen unerwünschten Wirkungen zu tun bekommen, die wir bisher in der Onkologie kaum kannten."

Auch bei den immunonkologischen Substanzen gebe es noch einiges zu lernen, betonte Overkamp. Hier sind es vor allem immunvermittelte Erkrankungen, die den Patienten Probleme machen.

Entzündungen der Darmwand, der Leber oder der Hypophyse waren bisher eine Domäne der Rheumatologie. In Zeiten von Ipilimumab und Co machen jetzt auch Onkologen mit diesen Krankheitsbildern Bekanntschaft.

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