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Hintergrund

Die Zukunft der Rheumatherapie verspricht, Entzündungsprozesse dauerhaft zu stoppen

Nicht nur neue Medikamente erleichtern die Rheumatherapie. Mithilfe von Stammzellen und gentherapeutischen Ansätzen soll das Übel an der Wurzel gepackt werden.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht:

Impfung, Stammzell- und Gentherapie - diese Optionen werden derzeit in der Rheumatherapie untersucht. Denn die bisherigen Optionen, mit Biologicals die Prozesse, die Autoimmunerkrankungen zugrunde liegen, abzuschalten, sind teuer, erfordern eine wiederholte Anwendung und helfen nicht allen Patienten. Erste Ergebnisse zu den neuen Verfahren gab es beim europäischen Rheuma-Kongress in Paris.

  • Stammzelltherapie:

Da bei Autoimmunerkrankungen noch nicht so genau bekannt ist, welche Zellpopulation fehlprogrammiert ist, geht es in der Stammzelltherapie derzeit darum, das fehlgesteuerte Immunsystem neu zu programmieren. Professor Alan Tyndall aus Basel verglich die Situation mit dem Neustart eines Computers. Erste Erfolge mit autologen hämatopoetischen Stammzellen gibt es bei Patienten mit systemischer Sklerose. Nach Immunablation und Stammzell-Transplantation komme es nicht nur zum Stopp der Progression, sondern zu einer Besserung der Symptome. Die Umprogrammierung der Hautfibroblasten sei über bisher sieben Jahre stabil. Bei Rheumatoider Arthritis sei diese Art der Stammzelltherapie weniger geeignet, so Tyndall.

Ein anderer Ansatz arbeitet mit mesenchymalen Stammzellen. Werden sie i.v. gegeben, siedeln sie sich im geschädigten Gewebe an und wirken antientzündlich. Über parakrine Faktoren werden die natürlichen Reparaturmechanismen wieder angeschaltet. Der Vorteil: Die Zellen können aus dem Knochenmark aspiriert, aus der Placenta oder durch Liposuktion gewonnen werden. Sie werden seltener abgestoßen und brauchen nicht HLA(Humanes Leukozyten Antigen)-kompatibel zu sein. Sieben Studien bei Autoimmunerkrankungen laufen derzeit.

  • Intraartikuläre Gentherapie:

Auch wenn die klinische Effizienz noch nicht überzeugend sei, so sei die intraartikuläre Gentherapie bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis inzwischen anwendbar, sagte Professor Paul-Peter Tak aus Amsterdam. Dabei werden Synovialzellen mit einem Genkonstrukt transfiziert, sodass sie anschließend antientzündliche Proteine wie Interferon-beta ausschütten. Inzwischen gibt es Genkonstrukte mit einem induzierbaren Promotor, der beim Aufflackern der Entzündung aktiviert wird. Durch diesen Feedback-Mechanismus könnte es im Idealfall zur Heilung kommen.

Als Vektor wurde ein Adeno-assoziiertes Virus (AAV5) gewählt, das nicht pathogen ist, sich nicht ins Wirtsgenom integriert und langfristig exprimiert wird. Bei 600 Patienten hat sich das Verfahren über zehn Jahre hinweg als sicher erwiesen. Es ist belegt, dass der Vektor tief in die Synovia eindringt, die Osteoklastengenese stark inhibiert, die synoviale Hyperplasie reduziert, das Zykotinprofil verbessert, die Entzündung mindert und die Gelenkdestruktion reduziert. Erstaunlich war, dass der Effekt auch im kontralateralen Knie zu beobachten war, obwohl das Genkonstrukt nicht in der Zirkulation nachgewiesen werden konnte, so Tak. Es wird vermutet, dass es in sekundäre Lymphorgane einwandert und von dort aus wirkt.

600 mal mit Erfolg: Gen- therapie im Gelenk.

Generell sei es wichtig, nicht in ein akut entzündetes Gelenk zu injizieren, da es dann zu Verklumpungen von Knorpelzellen kommen könne. Zielgruppe dieses Therapieansatzes sind Patienten mit nur wenigen entzündeten Gelenken. Eine einmalige Injektion war in Studien bis zu einem Jahr wirksam und kann unter Umständen adjuvant statt einer Steroidtherapie angewendet werden, sagte Tak.

  • Therapeutische Vakzine:

Im Maus-Modell funktioniert sie schon, die aktive, gegen das Zytokin TNFa gerichtete Immuntherapie. Wie Professor Marie-Christophe Boissier aus Paris sagte, bilden dreimal mit dem sogenannten TNFa-Kinoid in Freund'schem Adjuvanz geimpfte Mäuse neutralisierende Antikörper: Die Arthritis geht zurück. Parallel dazu beobachteten die Forscher histologisch eine Abnahme der Entzündungszellen und eine Zunahme der Knorpelzellen. Kommt es zu einem Flare, kann die Entzündung durch erneute Impfung wieder gestoppt werden. Eine T-Zell-Antwort gebe es nur gegen das Kinoid, nicht gegen TNFa. Das TNFa-Kinoid ist ein Komplex aus dem inflammatorischen Zytokin mit einem hochmolekularen Protein aus der Lymphe der Schlüssellochschnecke.

Bald auch Vorhersage des Therapieerfolgs?

Forscher arbeiten daran, schon vor einer Arzneitherapie deren Erfolg zu bestimmen. So sind in Zellen aus der Synovia etwa die Interleukine IL-1 und IL-6 und auch TNFa in hoher Konzentration vorhanden. Durch Zugabe von Methotrexat oder Leflunomid zu isolierten Zellen geht die Konzentration der Entzündungsmediatoren zurück - bisher nur im Tierversuch.

Bis ein System zur individuellen Therapievorhersage entwickelt wird, ist es aber noch ein langer Weg. (eb)

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