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IM GESPRÄCH

Diskussion um Hormonersatztherapie und Brustkrebs geht weiter

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:

Eine erfreuliche Botschaft: In den USA erkranken jetzt weniger Frauen an Brustkrebs als früher. Forscher, die in zwei epidemiologische Studien hierzu involviert waren, vermuten, daß die Zurückhaltung bei der Hormonersatztherapie die Ursache für den Rückgang der Mamma-Karzinome sein könnte.

In Kalifornien sind zwischen 2002 und 2004 jährlich zehn bis elf Prozent weniger Frauen an Brustkrebs erkrankt. Und in neun über das ganze Land verteilten US-Regionen, deren epidemiologische Daten in das nationale Krebsregister beim National Cancer Institute eingehen, ist die Rate der Neuerkrankungen von 2002 bis Ende 2003 um sieben Prozent gesunken. Dabei ist die demographische Entwicklung bereits berücksichtigt.

Rückgang der Krebsrate besonders nach Menopause

"Es ist etwas gut gelaufen in dieser Zeit, und wir vermuten, daß es die seltenere Verschreibung von Hormonen ist", sagte Professor Peter Ravdin, Biostatistiker am M. D. Anderson Cancer Center in Houston im US-Staat Texas, beim 29. San Antonio Breast Cancer Symposium in San Antonio in Texas.

Denn am stärksten ist die Rate der Neuerkrankungen an Östrogenrezeptorpositiven (ER-positiven) Brusttumoren in der Gruppe der 50- bis 69jährigen Frauen gesunken: um zwölf Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg habe die Rate der ER-positiven Mamma-Karzinome um acht und die der ER-negativen Tumoren um vier Prozent abgenommen. Zwischen 1998 und 2002 dagegen sei jedes Jahr bei etwa 1,7 Prozent mehr Frauen Brustkrebs festgestellt worden, im Jahr 2002 bei etwa 203 500 US-Amerikanerinnen.

Die Women’s Health Initiative Study (WHI-Studie) gehört zu den Studien, die ein Umdenken bewirkt haben bei der Hormonersatztherapie (HRT) in Peri- und Postmenopause. Bei den Teilnehmerinnen, die eine kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie bekamen, war die Inzidenz von Brustkrebs erhöht. Dies führte zum Abbruch der Studie im Juli 2002, und in der Folge wurde die Hormontherapie deutlich seltener angewandt.

Ein Kausalzusammenhang läßt sich nicht ableiten

"Aus epidemiologischen Daten können wir natürlich keine klaren Ursache-Wirkungsbeziehungen ableiten", sagte Studienleiter Professor Donald Berry, ebenfalls vom M.D. Anderson Cancer Center in Houston. "Wir haben auch andere Faktoren in die Überlegungen einbezogen wie die Nutzung von Screening-Untersuchungen oder Änderungen bei der Verschreibung von Medikamenten", sagte Berry. "Aber keine Assoziation war so ausgeprägt wie die mit HRT."

Etwa jede dritte US-Amerikanerin über 50 Jahre hat bis Anfang des Jahrtausends Hormone gegen die Folgen der Wechseljahre eingenommen. Im Jahr 2002 ist die Zahl um etwa 50 Prozent gesunken, in Kalifornien sogar um 68 Prozent. Das hat Dr. Christina Clarke vom Northern California Cancer Center in Oakland in Kalifornien berichtet. Clarke war federführend für die kalifornische Studie.

Auch in Deutschland wird die HRT seit der Veröffentlichung der WHI-Studiendaten wesentlich zurückhaltender angewandt, wie Professor Olaf Ortmann, Direktor der Frauenklinik am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg, zur "Ärzte Zeitung" gesagt hat. Ob in Deutschland - ähnlich wie in den USA - auch die Zahl der Brustkrebserkrankungen abgenommen hat, sei unklar. Hierzu gebe es keine Daten, so der Gynäkologe.

Dennoch plädiert Ortmann für einen kritischen Einsatz der Hormone. Bei Patientinnen mit starken klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen sei die HRT aber weiterhin eine gute Option. "Das Brustkrebs-Risiko ist bei Frauen mit einer Östrogen-Gestagen-Therapie bei längerfristiger Anwendung zwar erhöht, aber es ist absolut gesehen relativ gering", so der Kollege.

Zur Erinnerung: In der WHI-Studie war die Brustkrebsrate bei den Frauen mit im Mittel fünfjähriger HRT um 26 Prozent erhöht. Das bedeutet in absoluten Zahlen: Mit HRT gab es 38 und mit Placebo 30 invasive Mamma-Karzinome pro 10 000 Frauen pro Jahr. Die HRT gilt nach wie vor als die wirksamste Therapie bei vasomotorischen Symptomen in der Postmenopause.

Problematisch ist es nach Angaben von Ortmann, Frauen in der Postmenopause über längere Zeit mit Hormonen zu behandeln. Bei gut der Hälfte der Patientinnen genüge jedoch eine kurzfristige Therapie über maximal drei bis vier Jahre.

Infos zu HRT unter www.dggg.de/leitlinien-2006/pdf-2006/3-endo-fpm/3-1-2-1a-hrt-empfehlung2006.pdf



STICHWORT

WHI-Studie

In der WHI (Women’s Health Initiative)-Studie sollten 8506 gesunde Frauen 8,5 Jahre lang eine Östrogen-Gestagen-Therapie erhalten. 8102 Frauen bekamen Placebo. Primäre Endpunkte waren KHK- und Brustkrebs-Rate. Nach nur fünf Jahren wurde die Studie vorzeitig beendet, weil es für eine Präventionsstudie zu viele Ereignisse gab. So gab es mit HRT 38, mit Placebo 30 Mamma-Karzinome pro 10 000 Frauen pro Jahr. (ikr)

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