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Menière

Diurese lindert vor allem Schwindel

Diuretika scheinen bei M. Menière vor allem den Schwindel zu dämpfen. Auf den Hörverlust haben sie offenbar weniger Einfluss, so eine Analyse alter Daten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

DURHAM. Eigentlich ist M. Menière gar nicht so selten, immerhin rund zwei Promille der Bevölkerung sind betroffen. Dennoch zählt die Erkrankung wohl zu den am stärksten vernachlässigten Leiden in der medizinischen Forschung. Das zumindest lässt sich zwischen den Zeilen einer Übersichtsarbeit lesen, in der Forscher um Dr. Matthew Crowson von der Duke University Durham den Nutzen der häufig noch angewandten Diuretika-Therapie evaluiert haben: Die allermeisten der 19 Studien, die sie zu diesem Thema finden konnten, stammen aus dem vergangenen Jahrhundert, einige sind schon über 50 Jahre alt.

Ganze vier randomisiert-kontrollierte Studien mit zusammen nicht einmal 200 Patienten brachten zumindest einen Hauch evidenzbasierter Medizin ins Spiel, die übrigen bestanden überwiegend aus retrospektiven Fallserien. Zwei Drittel hatten weniger als 40 Teilnehmer. Berücksichtigt wurden von den HNO-Spezialisten um Crowson nur Studien, die Resultate zu Veränderungen des Schwindels oder des Hörvermögens dokumentiert hatten.

Am häufigsten wurden in den Studien Isosorbid und Hydrochlorothiazid (HCT) verwendet, aber auch Acetazolamid, Chlorthalidon und Nimodipin (Head Neck Surg 2016; 154, 5:824-34). Die erste Studie fand 1962 mit HCT in Schweden statt, drei weitere folgten in den 1960er- und 1970er-Jahren, sieben in den 1980er-Jahren, fünf im letzten Jahrzehnt des alten, zwei in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts. Die bisher letzte ist eine 2012 publizierte Fall-Kontroll-Studie mit 24 Teilnehmern. Immerhin 15 Studien (79 Prozent) sahen einen klaren Vorteil der Diuretika bei den Schwindelsymptomen, zwei berichteten über durchwachsene Ergebnisse und zwei nannten hierzu keine Resultate.

Deutlich schlechter wurde der Einfluss auf das Hörvermögen beurteilt. Nur acht Studien (42 Prozent) fanden eine objektiv messbare Verbesserung, bei sechs waren die Resultate nicht eindeutig und die übrigen zeigten keinen erkennbaren Nutzen. Immerhin offenbarte die Therapie in zehn Studien (52 Prozent) keine therapiebezogenen Nebenwirkungen, drei Untersuchungen nannten abdominelle Beschwerden, die übrigen unterschiedliche Nebenwirkungskonstellationen.

Nach Auffassung der Studienautoren hat sich an der schlechten Evidenz zu Diuretika bei M. Menière in den vergangenen Jahren oder vielmehr Jahrzehnten wenig geändert, und auch bei anderen Therapien sehe es nicht unbedingt besser aus. Zwar lassen sich akute Exazerbationen oft mit Benzodiazepinen und Steroiden dämpfen, bei schweren Fällen bleiben aber oft nur chirurgische Verfahren. Es wäre an der Zeit, die Ursachen der Erkrankung besser zu erforschen, um dann passendere Therapie zu entwickeln, so die Ärzte um Crowson.

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