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Erfolg in Zellkultur

Duftrezeptor als Angriffsziel bei Blasenkrebs?

Sandelholzduft hemmte im Zellversuch das Wachstum von Blasenkrebsgewebe.

Veröffentlicht:

BOCHUM. Forscher haben in der menschlichen Blase einen Riechrezeptor gefunden, der für die Therapie und Diagnose von Blasenkrebs nützlich sein könnte, teilt die Ruhr-Universität Bochum (RUB) mit. Das Team zeigte mit Zellkulturstudien, dass der Rezeptor in Blasenkrebsgewebe häufiger vorkommt als in gesundem Blasengewebe (Front Physiol 2018; online 16. Mai).

Der Rezeptorüberschuss war auch in Urinproben von Patienten nachweisbar.

Der Duftrezeptor im Blasengewebe trägt die Bezeichnung OR10H1. Die Forscher zeigten, dass er auf Sandelholzduftstoffe, etwa Sandranol, reagiert. Sie untersuchten, wie kultivierte Krebszellen sich verhalten, wenn OR10H1 durch Sandranol aktiviert wird. Dabei identifizierte das Team auch den Signalweg, der in der Zelle angeschaltet wird, wenn der Duftstoff an seinen Rezeptor bindet.

Nach Zugabe von Sandranol, aber auch von Santanol, dem Hauptbestandteil des natürlichen Sandelholzöls, veränderten die Blasenkrebszellen ihre Form, sie wurden runder. Außerdem teilten sie sich seltener und waren weniger beweglich.

"In unseren Zellkulturstudien konnten wir das Tumorwachstum mit Sandelholzduft signifikant hemmen", wird einer der Studienautoren, Professor Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt, in der Mitteilung der RUB zitiert. Dieser Effekt wurde dadurch verstärkt, dass die Rezeptoraktivierung Interleukine und ATP freisetzt und dadurch natürliche Killerzellen des Immunsystems im Gewebe anschaltet.

Das Team analysierte auch, ob sich der Rezeptorüberschuss im Blasenkrebsgewebe im Urin bemerkbar macht. Dort fanden die Forscher RNA-Spuren und zwar vermehrt in Urinproben von Blasenkrebspatienten im Vergleich zu Proben von Gesunden. OR10H1 könnte sich also als Biomarker eignen, um Blasenkrebs anhand von Urinproben zu diagnostizieren, heißt es in der Mitteilung.

In einer ähnlichen Studie zeigten die Bochumer Zellphysiologen, dass in Brustkrebsgewebe der Duftrezeptor OR2B6 vorkommt (Front Oncol 2018; online 15 Februar). In gesundem Gewebe ist er nicht vorhanden, sondern findet sich außerhalb der Nase lediglich in geringen Mengen in Lungen- und Pankreas-Krebszellen.

Der Duftrezeptor OR2B6 habe daher das Potenzial, als spezifischer Biomarker für Brustkrebs Anwendung zu finden, so die Autoren.

"Die beiden Arbeiten bestätigen die bisherigen Forschungsergebnisse aus unserem Labor, dass Duftrezeptoren außerhalb der Nase in gesunden wie kranken Zellen des Körpers vorkommen und besonders in Tumorzellen in großer Menge vorhanden sein können", sagt Hatt. "Sie werden in der Zukunft nicht nur für die Diagnose von Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen, sondern vor allem für neuartige Ansätze in der Tumortherapie." (eb)

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