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Schmerzen beim Sex

Ein Paarproblem, das oft totgeschwiegen wird

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr - die Dyspareunie - wird vor allem mit Frauen in Verbindung gebracht. Doch auch Männer leiden darunter. Ärzte sollten bei Patienten mit diesen Beschwerden genauer nachfragen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

HAMBURG. Es werde wenig über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr gesprochen, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, sagt Dr. Uwe Zimmermann aus Greifswald. Die Dyspareunie, die eigentlich Algopareunie genannt werden müsse, weil es in erster Linie um Schmerzen geht, werde vor allem mit Frauen in Verbindung gebracht, weniger mit Männern.

Zwei von drei Männern, die sich ausschließlich mit Dyspareunie vorstellen, haben nach Angaben Zimmermanns eine Induratio penis plastica (IPP). Weitere Ursachen sind etwa Traumata und dermatologische Veränderungen, bei zehn Prozent bleibt die Ursache unklar.

Zwar geben die meisten Männer nach Operation der IPP eine verbesserte Sexualfunktion an, allerdings berichten etwa 80 Prozent über einen subjektiven Längenverlust des Penis, was generell als Risikofaktor für Beziehungsprobleme gilt.

Wenn es um die Kausalität von Schmerzen bei Geschlechtsverkehr nach Operationen geht, sollte aber auch gefragt werden, wie es denn vor der Operation gewesen sei, denn, so Zimmermann: "Was vorher nicht gut war, wird auch hinterher nicht gut sein."

Beckenbodenschmerzen als Ursache

Eine weitere Ursache der männlichen Dyspareunie können Beckenbodenschmerzen sein. Diese waren in einer Untersuchung bei 38 Paaren signifikant assoziiert mit sexueller Funktion und Beziehungszufriedenheit (J Sex Med 2007, 4:734-44).

Viele Schmerzen beim Geschlechtsverkehr könnten vermieden werden, wenn behandelnde Ärzte genau nachfragten und wenn Paare offen miteinander kommunizieren würden. Letzteres geht aus dem aktuell publizierten US-Survey NSSHB (National Survey of Sexual Health Behavior) zum Sexualverhalten der Bevölkerung hervor (J Sex Med 2015, 12: 1040-51). 3100 Männer und Frauen hatten einen entsprechenden Fragebogen komplett ausgefüllt.

Von den Männern geben knapp sieben Prozent Schmerzen bei vaginaler Penetration an, die vor allem im Penis und Skrotum lokalisiert werden, jedoch nur jeder dritte dieser Männer kommunizierte die Schmerzen seiner Partnerin. 15 Prozent der Männer verspüren Schmerzen bei analer Penetration, diese werden zu 71 Prozent kommuniziert.

Das heißt, sehr oft wird schmerzhafter Geschlechtsverkehr dem Partner oder der Partnerin nicht mitgeteilt. Dementsprechend werden auch die Sexualpraktiken oft nicht verändert.

30 Prozent der Frauen betroffen

Bei Frauen sind Schmerzen bei vaginaler Penetration mit knapp 30 Prozent noch deutlich häufiger, nur jede zweite teilt das ihrem Partner mit. Schmerzen von Frauen bei analer Penetration führten sehr häufig noch nicht einmal dazu, dass der Verkehr abgebrochen wurde, allenfalls wurde dann ein Gleitmittel benutzt oder die Koitusposition verändert.

Beschwerden bei analer Penetration sollten nicht nur mit dem Geschlechtsverkehr homosexueller Männer assoziiert werden. Zimmermann wies darauf hin, dass in absoluten Zahlen sogar mehr heterosexuelle Paare betroffen seien.

Aus Studien geht hervor, dass 30 Prozent der heterosexuellen Paare Analverkehr praktizieren und es bei etwa 10 Prozent sogar die bevorzugte Sexualpraxis ist. Häufige Ursachen, auch bei homosexuellen Paaren, sind die fehlende anale Stimulation und die inadäquate Verwendung von Gleitmittel.

Daher Zimmermanns Rat: "Die Dyspareunie ist aus der biopsychosozialen Perspektive zu betrachten. Wenn Sie etwas erfahren möchten, müssen Sie aufmerksam zuhören und gezielt nachfragen!" Dabei sollte geklärt werden: Wer macht mit wem was wann und wo?

Und: "Die meisten Patienten kommen allein in die Sprechstunde. Vergessen Sie nicht den Partner, denn es ist ein Paarproblem."

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