Fieberkrämpfe

Erfolg bei Suche nach der Ursache

Warum erleiden zwei bis vier Prozent der Kleinkinder einen epileptischen Fieberkrampf? Forscher sind der Antwort auf diese Frage nun ein Stück näher gekommen.

Veröffentlicht: 06.11.2014, 07:01 Uhr
Erfolg bei Suche nach der Ursache

Hohes Fieber löst bei manchen Kleinkindern einen epileptischen Anfall aus. Warum das so ist, versuchen Forscher zu klären.

© Charles Gullung / imagesource

TÜBINGEN. Warum entwickeln zwei bis vier Prozent der Kleinkinder im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren einen epileptischen Fieberkrampf?

Ein internationales Forscherteam unter Tübinger Leitungstellt jetzt einen neuen Schlüssel zum Verständnis dieser Krankheit vor: Mutationen im Gen STX1B und die damit verbundene Fehlfunktion des Proteins Syntaxin-1B (Nature Genetics 2014; online 2. November).

Die Mutationen können bereits bei moderatem Temperaturanstieg zu einer Störung der Botenstoffe an den Synapsen, als Folge zu elektrischen Fehlleistungen und damit zu epileptischen Fieberkrämpfen führen, teilen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie mit.

100.000 Kinder in Deutschland betroffen

Fieberkrämpfe sind das häufigste Syndrom mit epileptischen Anfällen weltweit. Es betrifft allein in Deutschland rund 100.000 Kinder."Bei den meisten der kleinen Patienten hört die Neigung zu den Anfällen bis zum Schulalter auf", wird Professor Holger Lerche, Seniorautor der Studie, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie der Uni Tübingen, zitiert.

"Wir haben herausgefunden, dass bei Fieberkrämpfen STX1B-Mutationen einen Prädiktor für Epilepsie darstellen und diese auch Ursache schwerer Epilepsien mit Entwicklungsstörungen sein können", so Professor Yvonne Weber, Ko-Leiterin der Studie und Leitende Oberärztin an derselben Einrichtung.

Die Auswirkungen von Mutationen des STX1B-Gens im Organismus wurden im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit von Neurowissenschaftlern in Leuven und Luxemburg experimentell untersucht: Zebrafische mit Mutationen des Gens zeigten anfallähnliche Verhaltensmuster und epilepsietypische Veränderungen der Hirnströme, die sich bei Anstieg der Temperatur zudem deutlich verstärkten.

Das Zebrafisch-Tiermodell eigne sich auf längere Sicht auch dafür, neue Wirkstoffkandidaten gegen diese genetisch verursachte Krankheit und verwandte Syndrome zu finden, heißt es in der Mitteilung. (eb)

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