Direkt zum Inhaltsbereich

Fieberkrämpfe

Erfolg bei Suche nach der Ursache

Warum erleiden zwei bis vier Prozent der Kleinkinder einen epileptischen Fieberkrampf? Forscher sind der Antwort auf diese Frage nun ein Stück näher gekommen.

Veröffentlicht:
Hohes Fieber löst bei manchen Kleinkindern einen epileptischen Anfall aus. Warum das so ist, versuchen Forscher zu klären.

Hohes Fieber löst bei manchen Kleinkindern einen epileptischen Anfall aus. Warum das so ist, versuchen Forscher zu klären.

© Charles Gullung / imagesource

TÜBINGEN. Warum entwickeln zwei bis vier Prozent der Kleinkinder im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren einen epileptischen Fieberkrampf?

Ein internationales Forscherteam unter Tübinger Leitungstellt jetzt einen neuen Schlüssel zum Verständnis dieser Krankheit vor: Mutationen im Gen STX1B und die damit verbundene Fehlfunktion des Proteins Syntaxin-1B (Nature Genetics 2014; online 2. November).

Die Mutationen können bereits bei moderatem Temperaturanstieg zu einer Störung der Botenstoffe an den Synapsen, als Folge zu elektrischen Fehlleistungen und damit zu epileptischen Fieberkrämpfen führen, teilen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie mit.

100.000 Kinder in Deutschland betroffen

Fieberkrämpfe sind das häufigste Syndrom mit epileptischen Anfällen weltweit. Es betrifft allein in Deutschland rund 100.000 Kinder."Bei den meisten der kleinen Patienten hört die Neigung zu den Anfällen bis zum Schulalter auf", wird Professor Holger Lerche, Seniorautor der Studie, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie der Uni Tübingen, zitiert.

"Wir haben herausgefunden, dass bei Fieberkrämpfen STX1B-Mutationen einen Prädiktor für Epilepsie darstellen und diese auch Ursache schwerer Epilepsien mit Entwicklungsstörungen sein können", so Professor Yvonne Weber, Ko-Leiterin der Studie und Leitende Oberärztin an derselben Einrichtung.

Die Auswirkungen von Mutationen des STX1B-Gens im Organismus wurden im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit von Neurowissenschaftlern in Leuven und Luxemburg experimentell untersucht: Zebrafische mit Mutationen des Gens zeigten anfallähnliche Verhaltensmuster und epilepsietypische Veränderungen der Hirnströme, die sich bei Anstieg der Temperatur zudem deutlich verstärkten.

Das Zebrafisch-Tiermodell eigne sich auf längere Sicht auch dafür, neue Wirkstoffkandidaten gegen diese genetisch verursachte Krankheit und verwandte Syndrome zu finden, heißt es in der Mitteilung. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue Therapien

Gleich mehrere Durchbrüche bei seltenen Erkrankungen

Lesetipps
Ein Hautarzt untersucht die Haut mit einem Dermatoskop auf Melanom.

© Iryna&Maya / stock.adobe.com

Vergleich mit anderen Ländern

Hautkrebs-Screening in Deutschland laut Studie ohne klaren Nutzen

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?