Durchbruch in Studie

Erstmals wirksame Ebola-Therapie in Sicht

Mit einer neuartigen Therapie gegen Ebola könnten etwa 90 Prozent der Betroffenen überleben. Voraussetzung ist, dass die Infektion noch nicht weit fortgeschritten ist, zeigt eine ermutigende Studie.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Ein Pfleger eines Ebola-Behandlungszentrums im Kongo versorgt ein Kind, bei dem Verdacht auf eine Ebola-Infektion  besteht. Vielleicht könnten bald neue Medikamente Heilung bringen.

Ein Pfleger eines Ebola-Behandlungszentrums im Kongo versorgt ein Kind, bei dem Verdacht auf eine Ebola-Infektion besteht. Vielleicht könnten bald neue Medikamente Heilung bringen.

© Kitsa Musayi/dpa

Neu-Isenburg. Ebola könnte bald eine vermeidbare und wirksam behandelbare Krankheit werden. Das berichten Forscher, nachdem sich zwei Medikamente in einer Studie als hoch wirksam gegen die VirusInfektion erwiesen haben.

Die Studie „Pamoja Tulinde Maisha“ (Suaheli für „Zusammen Leben retten“) war im November in der Demokratischen Republik Congo (DRC) von einem internationalen Forscherteam in Ebola-Behandlungszentren des Landes gestartet worden. Jetzt wurde sie wegen der erfreulichen Ergebnisse vorzeitig abgebrochen, berichtet das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases.

Das NIAID hatte die von der WHO koordinierte Studie unter anderen zusammen mit dem Institut National de Recherche Biomédicale (INRB) finanziert. Untersucht wurden die Wirksamkeit und Sicherheit von vier Medikamenten, wobei sich zwei als besonders wirksam erwiesen haben, so das Fachblatt „Nature“ in einer Mitteilung.

Das sind die beiden Hoffnungsträger:

  • Die Substanz REGN-EB3 wurde vom US-Unternehmen Regeneron Pharmaceuticals entwickelt. Es ist ein Cocktail von drei monoklonalen Antikörpern gegen das Ebola-Virus.
  • Das Medikament mAB114 wurde vom NIAID entwickelt. Die Arznei ist von einem Antikörper eines Patienten abgeleitet, der 1995 Ebola überlebt hatte.

Ursprünglich sollten an der Studie 725 Patienten aus vier Behandlungszentren teilnehmen, 681 waren rekrutiert worden. Eine Auswertung der Daten von 499 Patienten ergab nun deutliche Vorteile bei den beiden Substanzen: Gestorben waren insgesamt 29 Prozent der mit REGN-EB3 Behandelten und 34 Prozent bei mAB114-Therapie.

Es sind die ersten Medikamente, die in einer wissenschaftlich überzeugenden Studie klar eine deutliche Reduktion der Mortalität bei Ebola gezeigt haben.

Dr. Anthony Fauci Direktor des US-National Institutes of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Bei den ebenfalls getesteten anderen Medikamenten – dem Virustatikum Remdesivir sowie dem Antikörpermedikament ZMapp – ergaben sich Sterberaten von 53 und 49 Prozent.

Überzeugende Studiendaten

Die Überlegenheit von REGN-EB3und mAB114 ergab sich zudem bei Patienten mit niedrigen Virustitern, von ihnen waren nur 6 und 11 Prozent gestorben. „Es sind die ersten Medikamente, die in einer wissenschaftlich überzeugenden Studie klar eine deutliche Verringerung der Mortalität bei Ebola gezeigt haben“, wird NIAID-Direktor Dr. Anthony Fauci von der „BBC“ zitiert.

„Die Ergebnisse werden die Menschen im Kongo hoffentlich dazu bewegen, ihre geliebten Familienangehörigen früher als bisher zu den Behandlungszentren zu bringen“, betont INRB-Direktor und Ebola-Mitentdecker Dr. Jean-Jacques Muyembe Tamfum in der „Nature“-Mitteilung. Aus Misstrauen gegen westliche Medizin werde damit bisher im Schnitt vier bis fünf Tage nach Symptombeginn gewartet. Die neuen Arzneien könnten die Sterberaten deutlich senken. Bei dem Ausbruch in der DRC kamen bisher 1900 von 2800 Ebola-Kranken ums Leben.

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