Extrakorporale Stoßwellen helfen Patienten mit Tennisellbogen

MAINZ (ner). Mainzer Orthopäden haben erneut Erfolge mit der extrakorporalen Stoßwellen-Therapie (ESWT) bei Patienten mit chronischer Epikondylitis (Tennisellenbogen) erzielt. Dennoch bleibt die Behandlungsmethode umstritten.

Veröffentlicht:

78 Tennisspieler, bei denen eine chronische Epikondylopathie per MRT nachgewiesen wurde, haben Professor Jan-Dirk Rompe und seine Kollegen von der Orthopädischen Uniklinik in Mainz einmal wöchentlich für insgesamt drei Wochen mit niedrigenergetischer ESWT oder nur zum Schein mit ESWT behandelt (Placebo-Gruppe). Eine zusätzliche Lokalanästhesie oder Behandlung mit nichtsteroidalen Antiphlogistika war verboten.

Nach drei Monaten registrierten die Orthopäden bei den Patienten mit ESWT eine signifikante Schmerzreduktion, die auch mit verbesserten Funktionstests einherging. 65 Prozent der Patienten mit ESWT konnten wieder ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen. In der Vergleichsgruppe war dies dagegen nur bei 33 Prozent der Patienten möglich (Am J Sports Med 32, 2004, 734).

Dieses Ergebnis entspreche in etwa den Resultaten aktueller US-amerikanischer Untersuchungen, argumentieren die Mainzer Orthopäden. Dazu gehöre unter anderem eine kontrollierte Studie der US-Zulassungsbehörde FDA. Allerdings gebe es auch Untersuchungen, in denen unter ESWT kein stärkerer Effekt als mit Placebo erzielt werden konnte. Diese Studien seien allerdings methodisch angreifbar. So wurden zum Beispiel unterschiedlich hohe ESWT-Dosierungen angewandt, ESWT mit anderen Therapiemethoden kombiniert, oder die Behandlungsintervalle betrugen einen Monat statt eine Woche.

Auch ist bisher noch nicht geklärt, wie lange der von den Orthopäden erzielte Effekt der ESWT anhält. Langzeitstudien liegen noch nicht vor. Andererseits gibt es bislang überhaupt noch kein wissenschaftlich begründetes Behandlungskonzept für den Tennisellenbogen. Das gilt sowohl für die verschiedenen operativen wie auch konservativen Therapien. Das mag auch daran liegen, das der pathophysiologische Hintergrund ebenfalls noch unklar ist.



STICHWORT

Epicondylitis humeri radialis

Der Tennisellenbogen tritt nach chronischer Überlastung auf. Schon die Bezeichnung Epikondylitis ist wahrscheinlich unzutreffend. Mit einer Ausnahme konnte keine histopathologische Untersuchung Entzündungszeichen nachweisen. Vielmehr finden sich Risse in der Sehnenplatte, ein degeneriertes kollagenes Stützgewebe, dystrophe Kalzifikationen begleitet von reaktiven Fibroblasten- und Gefäßproliferationen. Für die akute Epikondylopathie sind mit konservativen Maßnahmen nach der sechsten Woche nur noch Placebo-Effekte zu erkennen. Bei chronischer Erkrankung wird die Operation empfohlen, wobei auch nur Erfolgsquoten von 50 Prozent zu erwarten sind. (ner)

Infos im Internet: Die 2002 aktualisierten Behandlungsleitlinien bei lateraler Epikondylopathie sind nachzulesen unter www.awmf-leitlinien.de. Eine kurze Übersicht von Professor Jan-Dirk Rompe findet sich unter www.thieme.de/zfo/02_04/ortho_01.html

Mehr zum Thema

Laterale Ellbogenschmerzen

Diese sechs Kriterien sprechen gegen einen „Tennisarm“

Automatisierte Insulindosierung

Trotz AID-Systemen häufig Hypoglykämien beim Sport

Expertenforum Kindersportkardiologie

Sport für herzkranke Kinder? Darauf gilt es zu achten

Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2025

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hofft, dass das BMG mit der Prüfung des Kompromisses zur GOÄneu im Herbst durch ist (Archivbild).

© picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Novelle der Gebührenordnung für Ärzte

BÄK-Präsident Reinhardt: Die GOÄneu könnte 2027 kommen

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gebrechliche Patienten

Hüft-Operation bei Herzpatienten: Wie sich Risiken minimieren lassen

Zum Jahresstart

Das ändert sich 2026 für Praxen

Sie fragen – Experten antworten

Polio und Diphterie: Impfen bleibt zentraler Baustein

Lesetipps
Eine Person hält drei Figuren in den Händen

© Suriyo/stock.adobe.com

Man kann nicht nicht führen

Mitarbeiterführung in der Arztpraxis: Tipps für Praxisinhaber

Frau telefoniert

© Matthias Balk / picture alliance

Kontakt mit Patienten

Arztpraxis ohne Telefon: Kann das funktionieren?