Tuberkulose

Forscher suchen kleine Moleküle für große Krankheiten

SINGAPUR (mut). Gegen Tuberkulose werden dringend neue Arzneien benötigt, um die Therapiedauer von derzeit vier bis sechs Monaten zu reduzieren und multiresistente Stämme abzuwehren. Das Novartis Institute for Tropical Diseases (NITD) in Singapur will bis spätestens 2012 mindestens eine neue Arznei gegen die Krankheit auf den Markt bringen - und zwar zum Selbstkostenpreis.

Veröffentlicht: 28.11.2006, 08:00 Uhr

Neue Medikamente gegen Tropenkrankheiten zu entwickeln lohnt sich für Unternehmen finanziell kaum - zu gering ist das Marktpotential, als daß sich die Entwicklungskosten für die Medikamente auszahlen. Das ist einer der Gründe, so Dr. Veronique Dartois vom NITD, weshalb es bisher kaum wirksame Medikamente gegen Tropenkrankheiten gibt, und die wenigen, die es gibt, sind für einen Großteil der Betroffenen nicht bezahlbar.

Inzwischen, so Dartois, gibt es jedoch zahlreiche Initiativen und Allianzen von Unternehmen, Stiftungen und öffentlichen Einrichtungen, sogenannte Public Private Partnerships, die die Entwicklung und Verteilung von Medikamenten gegen wichtige Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern fördern.

Ein Beispiel dafür ist das NITD in Singapur, sagte Dartois auf dem TB-Symposium von Novartis in St. Petersburg. Das Institut wird sowohl von dem Unternehmen als auch von der Regierung in Singapur finanziert. Die Forschungsergebnisse werden öffentlich gemacht und die entwickelten Arzneien sollen zum Preis der Produktionskosten in den Entwicklungsländern verfügbar sein.

Derzeit beschränkt sich die Arbeit der etwa 100 fest angestellten Forscher auf die Entwicklung neuer Medikamente gegen Tuberkulose und Dengue-Fieber, ab Januar startet auch ein Programm zur Entwicklung von Malaria-Medikamenten.

Im Blickpunkt stehen dabei kleine Moleküle, die gezielt die Vermehrung und Verbreitung der Erreger hemmen. Ein erster Schritt ist die Suche nach geeigneten Zielstrukturen, also etwa Enzymen, deren Blockade die Erreger tötet oder ihr Wachstum hemmt. In einem zweiten Schritt werden aus Millionen Substanzen diejenigen herausgefiltert, die am wirkungsvollsten das ausgewählte Enzym blockieren.

Dazu kann das Institut auf eine Sammlung von über zwei Millionen verschiedener Substanzen bei Novartis zurückgreifen. Anschließend werden potentielle Wirkstoffe chemisch optimiert, um noch besser das gewünschte Enzym zu blockieren. Mit einem Peptidyl-Deformylase-Hemmer soll jetzt eine dieser Substanzen im Tierversuch getestet werden. Mindestens eine neue Substanz soll in den nächsten sechs Jahren zur Therapie erhältlich sein.

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Lebenswichtige Arzneien für arme Länder

Das Novartis Institute for Tropical Diseases (NITD) ist Teil eines Programms, mit dem Novartis Menschen in Entwicklungsländern den Zugang zu lebenswichtigen Arzneien erleichtern will. In Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Unternehmen zudem innerhalb von fünf Jahren 500 000 Tuberkulose-Behandlungen kostenfrei zur Verfügung gestellt, so der Novartis-Forschungschef Professor Paul Herrling, und es wurden 40 000 Krebs-Patienten in insgesamt 79 Ländern umsonst mit Imatinib (Glivec®) behandelt. Das Unternehmen unterstützt die WHO auch bei der Eindämmung der Malaria, indem es sein Artemether-Lumefantrin-Präparat (Riamet®) für Malaria-Endemie-Gebiete zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellt. Dazu wurde der Produktionsumfang des Produkts von 4 Millionen Therapieeinheiten im Jahr 2004 auf schätzungsweise 100 Millionen in diesem Jahr ausgeweitet. Gleichzeitig sanken die Produktionskosten von 1,5 auf 1 Dollar pro Therapie-Einheit, sagte Herrling. (mut)

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