Mamma-Karzinom

Frauen mit Brustkrebs ernähren sich ungesund

Brustkrebs-Patientinnen brauchen mehr Beratung in puncto Ernährung. Einer Studie zufolge essen sie viel Fleisch, aber wenig Gemüse und Salate.

Veröffentlicht: 22.06.2011, 15:10 Uhr
Viel Fleisch, wenig Gemüse und Salate: Eine solche Ernährungsweise ist besonders auch für Frauen mit Brustkrebs wenig ratsam.

Viel Fleisch, wenig Gemüse und Salate: Eine solche Ernährungsweise ist besonders auch für Frauen mit Brustkrebs wenig ratsam.

© dpa

BAD KISSINGEN (ikr). Die Ernährungsweise von Frauen mit Brustkrebs in Deutschland entspricht nur selten den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das hat eine Studie mit 165 Mammakarzinom-Patientinnen ergeben.

Darin wurde ermittelt, wie sich die Frauen etwa zwölf Monate nach der Erstdiagnose unter Alltagsbedingungen ernähren (Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 575).

Die Studienteilnehmerinnen, die gerade eine Reha angetreten hatten, waren zwischen 25 und 75 Jahre alt. Die Erstdiagnose des Mammakarzinoms lag nicht länger als fünf Jahre zurück.

Nur acht Prozent verzehrten die empfohlene Menge an Gemüse und Salat

Per Fragebogen, und zwar mit Hilfe des Food-Frequency-Questionnaire (FFQ), wurden die Frauen nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Dabei stellte die Arbeitsgruppe um Professor Monika Reuss-Borst von der Rehaklinik am Kurpark in Bad Kissingen fest: Die meisten Patientinnen verzehrten wenig von den besonders empfohlenen Lebensmitteln wie Getreideprodukte, Gemüse, Obst und Fisch, konsumierten jedoch viel Fleisch und Wurst.

Die Studienteilnehmerinnen aßen täglich durchschnittlich 307 g Getreide, Getreideprodukte und Kartoffeln. Die DGE empfiehlt jedoch täglich 383 bis 536 g Lebensmittel dieser Art. Nur 19 Prozent der Frauen hielten sich daran.

Außerdem aßen die Brustkrebs-Patientinnen im Mittel nur 213 g Gemüse und Salat pro Tag, obwohl die DGE rät, mehr als 400 g täglich davon zu verzehren. Lediglich acht Prozent der Patientinnen verzehrten die empfohlene Menge an Gemüse und Salat.

658 g Fleisch und Wurst pro Woche sind zu viel

Auch in puncto Fleisch und Wurstwaren lagen die Frauen ziemlich daneben: Sie aßen davon im Mittel 658 g pro Woche, nach den Empfehlungen der DGE genügen davon jedoch 300 bis 600 g wöchentlich. Nur 40 Prozent der Frauen ernährten sich entsprechend den Empfehlungen für Fleisch und Wurstwaren.

Wenig zufriedenstellend war auch das Ergebnis, was das Körpergewicht der Mammakarzinom-Patientinnen betraf: So waren 23 Prozent der Frauen zu Beginn der Rehabilitation normalgewichtig und nahezu 76 Prozent übergewichtig bis adipös.

Die Autoren ziehen aus ihren Ergebnissen die Schlussfolgerung, dass in puncto Ernährung bei Brustkrebs-Patientinnen ein dringender Beratungsbedarf nach der Primärtherapie besteht.

Mehr zum Thema

HR+/HER2– fortgeschrittenes Mammakarzinom

Gesamtüberlebensvorteil unter Ribociclib auch bei viszeraler Metastasierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Mammografie-Auswertung

Frauen trauen bei ihren Brüsten nicht dem Computer

Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Renita Bublies

DGE-Empfehlung fragwürdig?

Unter
http://www.springermedizin.de/kohlenhydratarme-kost-verlangsamt-tumorwachstum/460192.html?linktyp=teaser2
ist nachzulesen, dass eine kohlehydratarme und eiweißreiche Kost das Krebswachstum verlangsamt bzw. präventiv wirken kann.

Offenbar haben die untersuchten Frauen instinktiv richtig gehandelt, indem sie den Getreideanteil reduzierten und den Fleisch/Eiweißanteil erhöhten. Vielleicht ist ja die DGE-Empfehlung nicht der Weisheit letzter Schluss zur Prophylaxe?

Nachdenkliche Grüße
Renita Bublies, Bonn

Harry Holzinger

Schuld und Sühne

Ich muß mich meinem Vorschreiber anschließen.Völlig nichtssagende Studie!
Wobei schon seit über 20 jahren die wahren Ursachen von Brustkrebs bekannt sind. Bei der drüsigen Veränderung der Brust liegt immer ein Sorge oder Streitthema mit Partner oder Kind zugrunde.Bei den Veränderung der Ausführungsgänge der Brust ein Trennungsthema.
Eine Studie hierzu ist schon lange fällig!
Frauen haben nicht nur einen Darm sondern auch eine Seele und im Zeitalter von Patchworkfamilien und fast love (häufigem Partnerwechsel) sind die obengenannten Konflikte obligat.
MfG! H.Holzinger

Dr. Thomas Georg Schätzler

Ausgangsdaten einer offenen Studie o h n e Vergleichsgruppe!

Die Erkenntnisqualität der offenen Beobachtung von Ernährungsgewohnheiten einer Indexgruppe mit Brustkrebserkrankung im zeitlichen Verlauf ist ohne Vergleichsgruppe allenfalls marginal und invalide. Sie wird der Problematik von Patientinnen mit Mammakarzinom nicht gerecht. In der DMW wurde ein durch Fragebögen evaluierter Ist-Stand des Ernährungsverhaltens der 25-75-jährigen Patientinnen bei Zustand nach erfolgter Primärtherapie publiziert. Nicht mehr und nicht weniger.

Der O-Ton der Studie ist bezeichnend: "Im Rahmen einer prospektiven Studie wurde deshalb untersucht, wie sich Frauen mit Brustkrebs bei Antritt einer stationären Rehabilitationsmaßnahme ca. 12 Monate nach der Erstdiagnose unter Alltagsbedingungen ernähren." Hier wurde keine prospektive Studie veröffentlicht, sondern der Ausgangspunkt einer n o c h zu erstellenden prospektiven Studie dargelegt.

Unter "Ergebnisse:" wird in der "Studie" u. a. formuliert: ... "Aufgrund epidemiologischer Daten lässt sich anhand dieser Ergebnisse die Hypothese formulieren, dass die Ernährung der Patientinnen unter Umständen die Entstehung der Krebserkrankung gefördert haben mag." Das hört sich nicht nach Ergebnis an, sondern "unter Umständen" nach einer kleinlauten, hypothetischen Eventualität, mit der man Brustkrebspatientinnen allenfalls verunsichern, aber nicht entscheidungsfester machen kann.

Zu viel Fleisch, Wurst und Übergewicht können a l l e i n e die zunehmende Inzidenz und Prävalenz von Mammakarzinomen n i c h t erklären, schon gar nicht, wenn man daran Erkrankte erst im Rahmen einer Nachsorge danach befragt. Es hilft auch mit BRCA-1 und BRCA-2 genetisch belasteten Frauen mit massiv erhöhtem Mammakarzinom-Risiko nicht weiter. Die Feststellung einer "falschen Ernährungsgewohnheit" suggeriert immer den Subtext, dass Patienten mit der "richtigen Ernährungsweise" nicht krank geworden wären, und kann unnötige Schuldgefühle induzieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Keine Lust aufs Essen? Übelkeit und Geschmacksverlust deuten bei Kindern eher auf COVID-19 als Atemwegssymptome.

Corona-Splitter

Die COVID-19-Symptome bei Kindern

Die Apothekenreform ist in trockenen Tüchern, die ABDA lobt sie als Beitrag zu einer „zukunftsfähigen Arzneimittelversorgung“.

Gesetzgebung

Bundesrat winkt Apothekenreform durch

Gesundheitsminister Spahn während der Debatte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege im Bundestag. Die Reaktionen sind zwiespältig.

„Beitragstöpfe geplündert“

Kritik an Spahns Versorgungsgesetz hält an