Direkt zum Inhaltsbereich

Frühe Antibiose senkt Morbidität bei Schlaganfall

BERLIN (gvg). Zu den therapeutischen Akutmaßnahmen bei Patienten mit Schlaganfall könnte sich in Zukunft eine Prophylaxe mit Antibiotika gesellen. Erste Studienergebnisse aus Berlin deuten darauf hin, daß eine solche Strategie die Sterberate senken könnte.

Veröffentlicht:

Hintergrund dieses auf den ersten Blick ungewöhnlichen Konzepts ist die Beobachtung einer Arbeitsgruppe um Privatdozent Andreas Meisel vom "Centrum für Schlaganfall-Forschung Berlin": Etwa 30 Prozent der Patienten, die die ersten 30 Tage nach einem Schlaganfall nicht überleben, sterben an einer Lungenentzündung, sagte Meisel beim "Charité Fortbildungsforum - Deutscher Ärztekongreß" in Berlin. Nach der bisherigen Lehrbuchmeinung hänge dies jedoch ausschließlich mit der erhöhten Rate von Aspirationen zusammen, so Meisel.

Dies wolle er nicht in Abrede stellen: "Das Hochlagern des Oberkörpers, das Anlegen einer Magensonde und die frühe Mobilisation sind bei Patienten mit Schlaganfall wichtige Maßnahmen um die Aspiration zu verhindern." Dazu komme aber eine offensichtlich schlaganfallspezifische Schwächung der Immunkompetenz, die bei anderen Patienten so nicht auftrete, berichtete Meisel.

Zusammen mit Kollegen konnte Meisel bei Mäusen nachweisen, daß sich nach einem akuten Verschluß der Arteria cerebri media innerhalb weniger Stunden eine Lymphopenie sowie eine Dysfunktion von Lymphozyten und Monozyten entwickelt. Werden Pneumokokken in die Lunge dieser Tiere gebracht, so bekommen sie häufiger eine Bakteriämie und eine Lungenentzündung als Kontrolltiere.

Mit der gerade abgeschlossenen PANTHERIS-Studie (Preventive ANtiinfective THERapie In Stroke) konnte das Team um Meisel ähnliche Effekte auf die Immunzellen auch bei 80 Patienten mit Schlaganfall nachweisen. Die Daten belegen außerdem, daß eine prophylaktische Behandlung mit 400 mg Moxifloxazin im Vergleich mit Placebo bei den Patienten in dieser Phase-II-Studie die Morbidität verringerte.

So bekamen etwa sieben Prozent der prophylaktisch behandelten Patienten bis zum elften Tag nach dem Schlaganfall eine Lungenentzündung. In der Placebogruppe waren es fast dreimal so viele. "55 Prozent der Patienten, die frühzeitig eine Lungenentzündung entwickelten, starben in den ersten sechs Monaten", so Meisel. Bei den Patienten, die keine Infektionen bekamen, waren es dagegen zwanzig Prozent. Dieser Unterschied erreichte das statistische Signifikanzniveau.

Ob die prophylaktische Antibiotikatherapie bei Schlaganfällen auch die Sterberate verringert und das Potential hat, zum Standard zu werden, soll eine Phase-III-Studie zeigen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Akuter ischämischer Insult oder TIA

Schützt GLP-1-Rezeptoragonist vor frühen Schlaganfall-Rezidiven?

Strategie nach Ende der DAPT

Nach perkutaner Koronarintervention bevorzugt Clopidogrel einsetzen

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue Terminologie

Warum PCOS zu PMOS wurde und was das mit Diabetes zu tun hat

Digitale Praxis

KI-Helfer für die Praxis entwickelt Hausarzt Rasche selbst

Tipps für den Strandbesuch

Nicht mit Kontaktlinsen zum Schwimmen!

Lesetipps