Für dehydrierte Babys reicht meist orale Therapie

BERLIN (gvg). Kleinkinder und Säuglinge mit Brechdurchfall und Zeichen der Dehydratation erhalten noch immer zu häufig eine intravenöse Rehydrationstherapie. Standard sollte aber die orale Rehydratation mit entsprechenden Rehydratationslösungen sein.

Veröffentlicht:

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa zwei Millionen Menschen an Brechdurchfällen. Knapp ein Drittel davon sind Kinder bis zum fünften Lebensjahr. Etwa jedes dreißigste betroffene Kind werde stationär behandelt, sagte der pädiatrische Gastroenterologe Professor Peter Zimmer aus Münster auf der Interdisziplinären Fortbildung der Bundesärztekammer in Berlin.

Häufig sind diese Klinikaufenthalte mit folgender intravenöser Flüssigkeitssubstitution unnötig, wie Privatdozentin Sibylle Koletzko von der Universität München sagte. Kontrollierte Studien hätten mehrfach die Überlegenheit der oralen Rehydratation belegt, und zwar sowohl was die Effektivität angeht als auch hinsichtlich unerwünschter Wirkungen, Kosten und Zufriedenheit der Eltern.

Lediglich bei schwerer Dehydratation mit Schocksymptomatik oder zerebralen Symptomen ist die orale Therapie nicht angezeigt. Trotzdem stößt die praktische Umsetzung der oralen Therapie in Europa und den USA oft auf Schwierigkeiten.

Die von pädiatrischen Fachgesellschaften empfohlene orale Behandlung zielt in Stufe 1 auf eine rasche Rehydratation mit standardisierten Lösungen (siehe Kasten). Angestrebt werden sollten je nach Schwere der Dehydratation etwa 40 bis 100 ml/kg Körpergewicht innerhalb von drei bis vier Stunden. Ein häufiger Fehler in diesem Stadium sei, daß die Rehydratationslösung in zu großen Portionen verabreicht werde, was weiteres Erbrechen provozieren könne, so Koletzko.

Bereits drei Stunden nach der Rehydratation sollte mit der erneuten Nahrungsaufnahme begonnen werden, und zwar mit der Kost, die das Kind auch sonst zu sich nimmt. Stillkinder können sogar während der Rehydratation bei Bedarf gestillt werden. "Praktiken wie Teepause, Heilnahrung oder Verabreichen von Cola werden leider noch allzu oft im klinischen Alltag angewandt", so Peter Zimmer in Berlin.



Lösungen zur Rehydratation

Für die orale Rehydratation stehen diverse Standardlösungen zur Verfügung, die vor allem Natrium, Kalium, Zitrat und Glukose enthalten (etwa Elotrans neu®, Milupa GES 60, Humana Elektrolyt, Oralpädon®, Santalyt und andere). In Europa werden Lösungen mit einem Natrium-Gehalt von 45 bis 60 Millimol pro Liter empfohlen. Bei Durchfällen mit hohen Salzverlusten im Stuhl, wie sie bei Cholera und Infektionen mit enterotoxischen Escherichia coli auftreten, sollten Lösungen mit 90 Millimol Natrium pro Liter gewählt werden. Zum Teil sind die Lösungen gesüßt oder mit Geschmacksstoffen versetzt, um es den Kindern einfacher zu machen (aus Reinhardt; Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter, 7. Auflage 2004, Springer Verlag). (gvg)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?