Neue US-Empfehlungen

Gegen Erkältungshusten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Was hilft bei Erkältung und Husten? Nach den neuen US-Linien ist von den Standardtherapeutika offenbar wenig zu erwarten.

Was hilft bei Erkältung und Husten? Nach den neuen US-Linien ist von den Standardtherapeutika offenbar wenig zu erwarten.

© Syda Productions / Fotolia

OMAHA. Eine Erkältung dauert ohne Behandlung sieben Tage, mit eine Woche. An dieser alten Weisheit hat bislang auch die moderne Medizin nicht gerüttelt. Einmal mehr bestätigt das American College of Chest Physicians, dass gegen Erkältungen kein Kraut gewachsen ist. Oder präziser gesagt: Praktisch nichts kann die Dauer und Schwere einer Erkältung reduzieren. Jedenfalls ergeben sich aus randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) nur wenige belastbare Hinweise auf den Nutzen vorhandener (chemische) Therapien, so lautet jedenfalls das ernüchternde Resultat einer aktuellen Analyse.

Ein internationales Expertenpanel um Mark Malesker von der Universität in Omaha hatte sich für die Analyse ausschließlich Therapien zum erkältungsbedingten Husten vorgeknöpft. Damit wollen sie eine Leitlinie aus dem Jahr 2006 überarbeiten. Sie fanden sechs systematische Reviews mit RCT sowie vier weitere Interventionsstudien. Insgesamt waren an den Untersuchungen knapp 6500 Patienten beteiligt.

Die Experten versuchten mit der vorhandenen Literatur sechs klinisch relevante Fragen zu beantworten.

1. Verkürzen Acetylcystein oder Carbocystein die Dauer des Hustens?

Drei RCT widmeten sich dieser Frage. Sie kamen zu dem Schluss, dass mit solchen Medikamenten der Husten nach sechs bis sieben Tagen deutlich zurückging. Da dies auch ohne Medikamente der Fall ist, sehen die Experten keinen Grund, solche Hustenlöser zu empfehlen.

2. Reduzieren Dekongestanzien und Antihistaminka die Dauer des Hustens?

Für eine Reihe von Kombinationen solcher Wirkstoffe lieferten die Studien negative oder widersprüchliche Resultate. Zwei Studien bei Erwachsenen deuten auf einen Effekt einer Kombination von Dextrometorphan, Doxylamin, Paracetamol und Ephedrin. Eine solche Kombination wird jedoch nicht vertrieben. Bei Kindern zeigten Studien mit Paracetamol, Diphenhydramin und Pseudoephedrin keine Wirksamkeit. Auch hier sprechen die Experten keine Empfehlung aus.

3. Zeigen NSAR relevante Therapieeffekte?

In zwei kleineren RCT hatten NSAR im Vergleich zu Placebo keinen Einfluss auf Dauer und Ausprägung des Hustens. Auch hier gibt es keine Empfehlung.

4. Senkt Honig die Hustendauer bei Kindern?

Zwei RCT fanden immerhin einen Vorteil für Honig im Vergleich zu Placebo. Zwei Studien sahen bei Honig vergleichbare Effekte wie unter dem Hustenstiller Dextromethorphan, in einer schien Honig dem Wirkstoff Diphenhydramin überlegen zu sein, allerdings wurde die Qualität dieser Studien als gering beurteilt. Honig als Hausmittel scheint zumindest nicht die schlechteste Lösung zu sein.

5.Kann Zink die Dauer des Hustens verkürzen oder die Symptome lindern?

Hier sieht die Datenlage nicht ganz so schlecht aus. In den meisten verfügbaren Studien ließ sich die Hustendauer bei Erwachsenen im Vergleich zu Placebo etwas verkürzen – vor allem dann, wenn Zink (über 75 mg/d) innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn gegeben wurde. Ähnlich sieht es bei Kindern aus. Hier wurden viele Studien jedoch in Entwicklungsländern mit verbreitetem Zinkmangel gemacht. Sie seien für die US-Bevölkerung wenig aussagekräftig. Eine Empfehlung für Kinder könne daher nicht gegeben werden. Für Erwachsene hatten die Experten eine Empfehlung zunächst erwogen, sich dann aber doch dagegen entschieden. Als Gründe nennen sie die "schwache Evidenz, die potenziellen Nebenwirkungen von Zink und den meist gutartigen Verlauf einer Erkältung".

6. Verkürzen Antitussiva und Expektoranzien die Dauer des Hustens?

Das Expertenpanel interessiert sich hier primär für in den USA verfügbare OTC-Präparate, zu denen Codein, Dextromethorphan, Moguistein, Bromhexin und Guaifenesin gehören. Die Studienqualität wurde durchweg als sehr schlecht bezeichnet, die Ergebnisse waren widersprüchlich, und in Studien mit Kindern konnte der Husten mit solchen Medikamenten nicht verkürzt werden. In einer Studie linderte eine Hustensalbe mit ätherischen Ölen die Symptome, allerdings ließ sich die Untersuchung nicht wirklich verblinden. Agavennektar überzeugte in einer ähnlichen Studie hingegen nicht.

Vier Konsensus-Statements

Aus der Analyse leitet das Panel vier Konsensus-Statements ab:

  1. Patienten mit erkältungsbedingtem Husten sollten "keine OTC-Präparate und Erkältungsmittel nehmen, solange der Nutzen nicht belegt ist".
  2. NSAR mögen zwar gegen die Kopfschmerzen bei einer Erkältung helfen, nicht aber gegen den Husten. Somit heißt es auch hier: "Wir sprechen uns gegen NSAR bei erkältungsbedingtem Husten aus."
  3. Gnädiger gegen die Experten mit Honig um: "Honig könnte bei Kindern Husten stärker lindern als keine Behandlung oder Diphenhydramin, nicht aber als Dextromethorphan", stellen sie fest und erinnern daran, dass Kinder unter einem Jahr keinen Honig bekommen sollten.
  4. Deutlich wird von Codein bei Kindern abgeraten, "aufgrund möglicher ernsthafter Nebenwirkung wie Atemnot".

Insgesamt sei es bedauerlich, dass sich bei den Therapieoptionen gegen erkältungsbedingten Husten seit 2006 nicht viel getan habe, so das Fazit der Experten.

Mehr zum Thema

WONCA-Kongress

Drei Prognosemarker bei Pneumonie

EU-Zulassung

Capmatinib: Neue Option bei NSCLC

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Dr. Claudia Vollbracht

© [M] Privat; Christoph Burgstedt / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Appell zur adjuvanten Vitamin-C-Therapie bei Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Schlafstörung? Da greifen viele Patienten eigenständig zu Melatonin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Schlafstörungen: Vorsicht vor unkritischem Melatonin-Einsatz

Constanze Jäger fungiert am Städtischen Klinikum Braunschweig als Employee Happiness Managerin.

© [M] Porträt: Klinikum Braunschweig/Dennis Schulten | Martyshova / stock.adobe.com

Zufriedene Mitarbeiter

Glücksmanagerin greift im Krankenhaus unter die Arme