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Forschung

Glioblastom: Residuale Zellen im Fokus

Zellen aus dem Tumorrand, die nach der operativen Entfernung eines Glioblastoms im Gehirn verbleiben, haben ganz andere Eigenschaften als Zellen aus dem Zentrum der Wucherung. Bonner Forscher wollen nun diese neuen Erkenntnisse für einek individualisierte Therapie des Glioblastoms nutzen.

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BONN. Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Durchschnittlich überleben die Patienten nach der Erstdiagnose nur etwa 15 Monate.

Obwohl diese Krebserkrankung seit vielen Jahren intensiv erforscht wird, gibt es vergleichsweise wenig Behandlungsfortschritte. Zwar lässt sich der Tumor oft fast vollständig entfernen, doch verbleiben immer einige Tumorzellen, aus denen sich trotz Bestrahlung oder Chemotherapie wieder neue Wucherungen bilden können.

Professor Dr. Björn Scheffler und PD Dr. Martin Glas vom Universitätsklinikum stellten sich die Frage, warum sich die bisherigen Therapieansätze hier als wenig wirksam erweisen und kamen zu folgender Hypothese: "Zellen aus dem vom Neurochirurgen routinemäßig entnommenen Gewebe sind für die Therapiefindung nicht ausreichend."

Auf der Suche nach scharfen Waffen gegen Hirntumore

Dazu nahm das Team rund um Scheffler und Glas alle Krebszellen der Patienten genauer unter die Lupe, teilt das Universitätsklinikum Bonn mit. Die Neurochirurgen Professor Dr. Matthias Simon und Professor Dr. Hartmut Vatter des Uniklinikums stellten den Forschern sowohl Proben der entfernten Tumormasse, als auch aus dem Operationsrand zur Verfügung.

Aus letzterem konnten Scheffler und Glas die im Patienten verbleibenden bösartigen Zellen, die so genannten "residualen Zellen", gewinnen. Dieses Verfahren ließen sie sich 2013 patentieren.

In den letzten fünf Jahren haben Scheffler und Glas rund 600 Patientenproben untersucht, heißt es in der Mitteilung. Ihre Arbeit wurde in dieser Zeit von der LIFE & BRAIN GmbH, dem BONFOR-Forschungsprogramm und der VW-Stiftung gefördert.

Bereits am Anfang fanden die Wissenschaftler ihre Hypothese durch eine erstaunliche Entdeckung bestätigt: "Die im Patienten verbleibenden Zellen aus dem Tumorrand haben ganz andere Eigenschaften als die bislang untersuchten Zellen aus dem Zentrum der Wucherung", wird Scheffler vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie, Abteilung Stammzellpathologien, zitiert.

"Wir erhalten direkt aus dem Labor neue Erkenntnisse über Eigenschaften des Tumors, die für die individualisierte Behandlung genutzt werden sollen", sagt Glas, aus der Neurologischen Klinik, Schwerpunkt Experimentelle und Translationale Neuroonkologie.

Bisher wurden jedoch die im Patienten verbleibenden Tumorzellen nicht für die Entwicklung neuer Therapien berücksichtigt. Doch selbst wenn ein Medikament den eigentlichen Tumor zerstören kann, müsse das nicht auch für die residualen Zellen gelten.

Das Verfahren von Scheffler und Glas soll nun helfen, die tatsächlichen Eigenschaften des Patiententumors im Labor besser abzubilden. Für beide ein möglicher Schlüssel für die Entwicklung scharfer Waffen gegen Hirntumoren: "Es wäre ein großer Erfolg, das Leben der Betroffenen dadurch zu verlängern und das mit einer guten Lebensqualität."

Das Patent ist die Basis für die Förderung

"Ein wichtiger Meilenstein für unser Vorhaben war sicherlich die Erteilung des Patentes zur Gewinnung der residualen Zellen. Es liegt aber noch viel Arbeit vor uns.", ist sich das Mediziner-Duo einig. Neben ihrem zwölfköpfigen Team benötigen sie vor allem Investitionen, da das mögliche Drittmittelvolumen zur Therapieentwicklung nicht ausreiche. (eb)

Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es unter: http://www.meb.uni-bonn.de/translational-oncology/

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