Direkt zum Inhaltsbereich

Glukokortikoid mit modifizierter Freisetzung reduziert Morgensteife

BERLIN (gvg). Bei RA-Patienten mit Morgensteife kann Prednison mit verzögerter Freisetzung die Symptome deutlich reduzieren. Die abendliche Einnahme hilft, den nächtlichen Anstieg der Entzündungsaktivität besser zu kontrollieren.

Veröffentlicht:
Glukokortikoid mit modifizierter Freisetzung reduziert Morgensteife

© Foto: Sebastian Kaulitzkiwww.fotolia.de

Bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) wird nachts regelmäßig ein deutlicher Anstieg des Entzündungsbotenstoffs Interleukin 6 beobachtet. "Wir konnten zeigen, dass die morgendlichen Beschwerden der RA-Patienten abnehmen, wenn diesem IL6-Anstieg frühzeitig entgegen gewirkt wird", sagte Professor John Kirwan vom Royal Infirmary-Krankenhaus in Bristol, Großbritannien beim Rheumatologen-Kongress in Berlin.

Eine Möglichkeit, das zu tun, bestehe darin, die Patienten nachts zu wecken und sie gegen zwei Uhr ein Prednisonpräparat einnehmen zu lassen, statt dies morgens zu tun. "Manche Patienten machen das wirklich und stellen sich nachts den Wecker", so Kirwan.

Prednisonwirkung kommt, wenn sie gebraucht wird

Doch es geht auch anders. Professor Frank Buttgereit von der Charité Berlin präsentierte die Ergebnisse der Anfang des Jahres publizierten CAPRA-1-Studie, an der 288 Patienten mit stabil eingestellter RA teilnahmen, und die über mindestens 45 Minuten Morgensteife klagten. Die Patienten nahmen entweder Prednison in der gewohnten Dosis morgens zwischen 7 und 8 Uhr ein. Oder aber sie erhielten abends um 10 Uhr eine Tablette Prednison mit modifizierter Freisetzungskinetik (Prednison MR) in derselben Dosis, die sie sonst morgens genommen hatten. "Dabei beginnt die Prednison-Freisetzung erst vier Stunden nach Aufnahme der Tablette, erfolgt dann aber mit gleicher Geschwindigkeit wie bei der Standardtablette", so Buttgereit auf der von Merck Serono unterstützten Veranstaltung.

Im Ergebnis nahm die Dauer der Morgensteife bei abendlicher Prednison-Therapie in der zwölfwöchigen Doppelblindphase der Studie um knapp ein Viertel ab. In der Placebogruppe tat sich dagegen nichts. Mittlerweile liegen auch die Resultate der offenen Studienphase vor, bei der alle Patienten über weitere neun Monate Prednison MR erhalten hatten. "Die Morgensteife ging dabei noch weiter zurück, auf etwa die Hälfte des Ausgangswerts, und zwar auch bei den Patienten, die zuvor Placebo bekommen hatten", so Buttgereit.

Der Experte folgert aus den Daten, dass eine an die zirkadiane Rhythmik der Entzündungsvorgänge angepasste Prednison-Therapie eine effektivere Symptomkontrolle bewirkt als die morgendliche Gabe. Das Prednison MR soll im kommendn Jahr auf den Markt kommen.

CAPRA: Circadian Administration of Prednisone in Rheumatoid Arthritis

Lesen Sie auch: Zirkadiane Rhythmik wird zur Therapie bei Rheumatoider Arthritis genutzt Niedrig dosierte Steroide werden zum Therapiestandard bei Arthritis

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Entzündungsgrad und Rezidivrisiko

Riesenzellarteriitis abklären mit Ultraschall und OGUS

Rotatorenmanschetten-Anomalien

MRT-Befunde wohl nicht mit chronischen Schultersymptomen assoziiert

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Lesetipps
Die deutsche Nationalelf bei einem Training.

© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Wie das Hotel die Leistungsfähigkeit im Spiel beeinflusst

Eine Reihe von Holzfiguren steht nebeneinander.

© MidJen / stock.adobe.com / Generiert mit KI

Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung

Inklusiver Arbeitsplatz? Warum Praxen von Vielfalt im Team besonders profitieren