Direkt zum Inhaltsbereich

Oropharynxkarzinom

HPV-Positive haben spezielle Erstsymptome

Patienten mit HPV-positiven Oropharynxkarzinomen haben andere initiale Symptome als Patienten ohne Nachweis einer solchen Virusinfektion. Darauf deuten Ergebnisse einer US-Studie hin.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Humane Papilloma-Viren können nicht nur Zervixkarzinome auslösen.

Humane Papilloma-Viren können nicht nur Zervixkarzinome auslösen.

© Patrick Enge Novartis Behring

CHARLESTON. Frühere Studien ergaben, dass bei Plattenepithelkarzinomen des Oropharynx insgesamt betrachtet Angaben über Schwellungen am Hals bei jedem zweiten Patienten und über Halsschmerzen bei mehr als 15 Prozent der Betroffenen dominieren.

Doch bisher hat nach Angaben von Dr. Wesley R. McIlwain von der Medical University of South Carolina in Charleston niemand genauer hingeschaut und auf Unterschiede je nach HPV-Status geachtet. Das haben die Forscher nun anhand von Befunden von Patienten an ihrer Klinik nachgeholt (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2014; 140(5): 441-447).

Die Erstdiagnosen waren bei den Patienten zwischen 2008 und 2013 gestellt worden. McIlwain und Kollegen werteten all jene Befunde aus, die bei Patienten mit erstmals diagnostiziertem Oropharynxkarzinom erhoben worden waren und die einen immunhistochemisch bestimmten HPV-Status enthielten.

Aus einer Datensammlung von 430 Patienten ließen sich die Befunde von insgesamt 88 Patienten für die Studie nutzen. Mit 71 waren die meisten HPV-positiv.

Bei den meisten Patienten (52 Prozent) befand sich der Tumor im Bereich der Tonsillenloge, bei 34 Patienten (39 Prozent) am Zungengrund. Bei sechs Patienten war der weiche Gaumen befallen, und bei zwei Patienten die hintere Rachenregion. Die Verteilung der Häufigkeiten unterschied sich allerdings je nach HPV-Status.

So war bei HPV-positiven Patienten am häufigsten die Tonsillenloge (58 Prozent) und der Zungengrund (37 Prozent) befallen, bei HPV-negativen Patienten hingegen eher der Zungengrund (47 Prozent) und erst am zweithäufigsten der Tonsillenkomplex (29 Prozent).

Mehr Oropharynxkarzinome

Symptome, über die die Patienten zuallererst klagten, unterschieden sich je nach Infektionsstatus. So bemerkten mehr HPV-positive als HPV-negative Patienten erstmals eine sichtbare Raumforderung am Hals (51 Prozent versus 18 Prozent).

HPV-negative Patienten klagten dagegen eher über Halsschmerzen (53 Prozent versus 28 Prozent), Schluckstörungen (41 Prozent versus 10 Prozent) oder schmerzhafte Schluckstörungen (24 Prozent versus 6 Prozent). Der Unterschied bei Halsschmerzen war allerdings nicht signifikant.

Die vorläufigen Daten könnten nach Ansicht der US-Ärzte die Theorie bestätigen, dass Oropharynxkarzinome bei HPV-negativen Patienten eher lokale Symptome am Tumorort verursachen, bei HPV-positiven Patienten sich von Tonsillenkrypten aus entwickeln und zervikale Metastasen bilden, die zu entsprechenden Symptomen führen.

McIlwain und Kollegen halten es für sinnvoll, angesichts der Zunahme von Oropharynxkarzinomen die Allgemeinbevölkerung über erste Anzeichen der Tumorerkrankung zu informieren und auch Zahnärzte und Allgemeinmediziner für dieses Thema zu sensibilisieren.

In den vergangenen Jahrzehnten konnte in vielen Ländern ein starker Anstieg der relativen und absoluten Inzidenz von HPV-positiven Oropharynxkarzinomen beobachtet werden.

So wurde nach Angaben von Martin Mollenhauer und seinen Kollegen von der TU München anhand des Stockholmer Tumorregisters ein siebenfacher Anstieg der absoluten Inzidenz von HPV-positiven Tonsillenkarzinomen zwischen 1970 und 2006 belegt (Pathologe 2014; 35: 127-142). Das entspreche etwa einer Verdoppelung pro Jahrzehnt.

Bei einem weiteren Anstieg werde für 2020 eine höhere Zahl von HPV-assoziierten Oropharynxkarzinomen als von HPV-assoziierten Zervixkarzinomen prognostiziert, weshalb manche Wissenschaftler bereits von einer Epidemie sprächen, so Mollenhauer und seine Kollegen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kasuistik

Seltene Ursache rezidivierender Hypoglykämien

Krankenkassen-Auswertung

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikofaktoren im Blick

So spüren Sie eine Post-Stroke-Depression auf

Lesetipps
Blutabnahme

© Viacheslav Yakobchuk / stock.adobe.com

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Eine Impf-Spritze liegt auf einem Impfpass.

© Andreas Gruhl / stock.adobe.com

Orientierung für die Impfpraxis

Impfen bei Immundefizienz: Worauf es ankommt