Gebärmutter-Krebs

Harald zur Hausen beharrt auf dem Nutzen der HPV-Impfung

HEIDELBERG (bd). Wenige Tage vor der Verleihung des Medizinnobelpreises in Stockholm war Professor Harald zur Hausen der Ärger ins Gesicht geschrieben: In Heidelberg nahm er Stellung zu einem jüngst veröffentlichten Manifest von 13 deutschen Forschern und Ärzten, die Kritik an den Empfehlungen für die HPV-Impfung geübt hatten.

Veröffentlicht: 04.12.2008, 14:55 Uhr

Das Hauptargument der Kritiker: Die Wirksamkeit des Impfstoffs sei noch nicht eindeutig belegt. Die Impfdiskussion verunsichere die Bevölkerung, sagte zur Hausen. "Eltern, die vor der Frage stehen, ob sie ihre Kinder impfen lassen sollen, werden dadurch abgeschreckt", so der 72-jährige Krebsforscher. "Unerträglich" findet er es, dass eine größere Zahl von Mädchen, die als Folge der Diskussion nun nicht geimpft würden, später Gebärmutterhalskrebs entwickeln könnten. Für den Virologen ist die Impfung nach wie vor "zwingend", um eine Krebsentstehung zu vermeiden und die hohe Zahl der Konisationen und deren mögliche Komplikationen zu senken.

Man könne nicht 20 bis 30 Jahre warten, bis belegt werden könne, dass die Rate der Neuerkrankungen beim Zervixkarzinom durch die Impfung zurückgehe, entgegnete zur Hausen seinen Kritikern. Denn hochgerechnet würden bis dahin 120 000 Frauen ohne Impfschutz in Deutschland an Zervixkarzinom erkranken und 34 000 daran sterben.

Die Verhütung der Krebsvorstufen sei ein tauglicher Endpunkt in Studien, das bestätigten auch die Voten internationaler Zulassungsbehörden. Nachgewiesen sei dieser Effekt für 70 Prozent der HPV-16- und -18-assoziierten Dysplasien. Das Argument, nur 17 Prozent der Geimpften profitierten, beziehe sich auf eine Gruppe bereits sexuell aktiver Mädchen. Das sei nicht verwunderlich, denn die Impfung wirke nur, wenn noch kein Sexualkontakt stattgefunden habe. Zur Hausen plädierte dafür, den Impfzeitpunkt weiter vorzuverlegen. Er rechnet auf der Basis der bisher publizierten Antikörperspiegel mit einem Impfschutz über zehn Jahre.

Die Impfung mache die übliche Vorsorge nicht überflüssig, betonte er, denn 20 bis 30 Prozent der Krebsvorstufen würden durch andere Viren hervorgerufen. Über die Werbekampagnen der Impfstoffhersteller könne man geteilter Meinung sein, räumte er ein. Er betonte, dass er bei keiner der beiden Firmen finanzielle Vorteile habe. Der Kritik, Firmen und die STIKO hätten Daten zurückgehalten, hielt er das Plädoyer entgegen, vorliegende Resultate zu veröffentlichen.

Lesen Sie dazu auch: "Kein Grund, die HPV-Impfung neu zu bewerten" Krebsimpfung: Kritik wird zurückgewiesen "Verhütung der nötigen Zervix-Ca-Vorstufen durch die Impfung ist eindeutig belegt" Kritik an Bericht und Manifest zur HPV-Impfung

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