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Harnwegsinfekte sind bei Diabetes oft schwer zu diagnostizieren

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MÜNSTER (hbr). Patienten mit Diabetes leiden gehäuft an Urogenitalinfektionen. Die Glukosurie ist dabei nicht der einzige Risikofaktor. Diabetiker mit den fieberhaften Infekten haben oft keine Schmerzen.

Lange Diabetesdauer, Proteinurie, periphere Neuropathie und asymptomatische Bakteriurie erhöhen das Risiko für eine Urogenitalinfektion, sagt Dr. Andreas Eisenhardt vom Klinikum Maria-Hilf in Mönchengladbach. Etwa jeder dritte Zuckerkranke entwickelt eine periphere Neuropathie, so der Urologe bei der Diabetesmesse in Münster. Sie kann zu einer Blasenfunktionsstörung mit Restharnbildung führen. Der ständig vorhandene Urinpool bietet Bakterien günstige Wachstums-Bedingungen und fördert damit neue Infekte.

Nach Studiendaten haben etwa 26 Prozent der Diabetes-Patienten, aber nur sechs Prozent in der Allgemeinbevölkerung eine asymptomatische Bakteriurie. Ob dagegen behandelt werden sollte, ist unklar. Die Bakteriurie gilt zwar als unabhängiger Risikofaktor für eine Urosepsis. Eine antibiotische Therapie veränderte aber in einer Studie weder die Rate der Patienten, bei denen die Infekte symptomatisch wurde, noch die Rate der Hospitalisierungen.

Und in einer anderen Studie beobachteten Forscher sechs Jahre lang Patientinnen mit asymptomatischer Bakteriurie und fanden keinen Einfluss auf die Nierenfunktion. Generell können Harnwegsinfekte bei Diabetikern anders verlaufen als bei Nicht-Diabetikern und daher schwer zu diagnostizieren sein. Das belegt zum Beispiel eine Untersuchung mit 108 Patienten, die wegen febrilen Harnwegsinfekten stationär behandelt wurden. Schmerzen traten bei Diabetes deutlich seltener auf: Sie fehlten nur bei neun Prozent der Nicht-Diabetiker, aber bei 27 Prozent der Diabetiker.

Andere Daten belegen, dass Zuckerkranke zudem eher schwere Harnwegsinfekte entwickeln. Auch das Keimspektrum ist verändert. So finden sich bei Nicht-Diabetikern vor allem E. coli, Klebsiella, Proteus, Staphylokokken und Streptokokken. Bei Diabetikern sind Klebsiellen häufiger, so Eisenhardt. Außerdem wurden Acinetobacter und Streptokokken ermittelt, aber auch Pilze.

Tatsächlich sind einer US-amerikanischen Studie zufolge 39 Prozent der Patienten mit Pilzinfektionen in der Klinik zuckerkrank. Betroffen waren davon vor allem Patienten, die wegen einer bakteriellen Infektion Antibiotika eingenommen und damit den Pilzen die Ausbreitung erleichtert hatten.

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